https://www.faz.net/-gtm-93i4y

Fußball-Videobeweis : Krug als Projektleiter abgesetzt

  • Aktualisiert am

Krug soll künftig auch nicht mehr als Video-Supervisor an den Bundesligaspieltagen im Kontrollzentrum Köln zum Einsatz kommen. Bild: dpa

Bislang war Krug eine der wichtigsten Personen im deutschen Schiedsrichter-Wesen. Nun verliert er zwei Posten in vier Tagen. Fröhlich übernimmt die Projektleitung Videobeweis.

          2 Min.

          Vor 100.000 Zuschauern Fußball-Spiele zu pfeifen, war für Hellmut Krug eher Berufung statt Belastung. Einen erfahrenen Schiedsrichter könne eben nichts erschüttern, da war er sich schon vor mehr als einem Jahrzehnt sicher. „Ich glaube, dass nichts einen Menschen so sehr formen kann, wie eine Schiedsrichtertätigkeit über viele Jahre“, sagte er damals in einem Interview mit dem Magazin „Fußballperspektiven“. Man müsse selbstbewusst auftreten und sich durchsetzen. Eben vor 100.000 Zuschauern. Oder auch: „Gegen die Medien, gegen Spieler und schwieriges Umfeld.“

          Doch nun sah sich Hellmut Krug einer ganz neuen Herausforderung ausgesetzt. Neuen Widerständen. Auf die er nicht gefasst war, die ihn merklich mitnahmen. Und nun in nur vier Tagen auch den zweiten Posten kosteten. Der DFB setzte Krug am Montag als Projektleiter Videobeweis ab, nachdem er erst am Freitag seine Funktion in der Schiedsrichterkommission Elite aufgeben musste. Somit wurde Krug endgültig zum Verlierer im Schiedsrichter-Streit. Lediglich als Supervisor wird er weiter tätig sein, aber ohne direkte Kommunikation mit den Video-Assistenten. Künftig hat Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich den Hut auf. „Ich sehe es in der jetzigen Situation als meine zentrale Aufgabe, unseren Schiedsrichtern auf dem Platz und den Video-Assistenten die notwendige Sicherheit zu geben“, sagte er.

          „Vetternwirtschaft“ und „fehlende Transparenz“

          Zunächst war dem DFB die Bewertung der Vorgänge augenscheinlich schwer gefallen. Nachdem die Schiedsrichter Manuel Gräfe und Felix Brych Krug und Herbert Fandel als Vorsitzendem des Schiedsrichterausschusses Dinge wie „Vetternwirtschaft“ oder „fehlende Transparenz“ bei der Auswahl und Nominierung der Bundesliga-Referees vorwarfen, folgte als Urteil ein Kompromiss.

          Fandel besucht nach Angaben des DFB keine Lehrgänge der Elite-Schiedsrichter mehr, bleibt aber Schiedsrichter-Coach. Gräfe  darf sich „über interne Sachverhalte und über Kollegen nicht mehr unabgestimmt in der Öffentlichkeit äußern“ und wird nicht mehr als Video-Assistent eingesetzt. Krug verlor den Kommissions-Sitz, behielt aber zunächst die Projektleitung.

          So gingen zu diesem Zeitpunkt alle Beteiligten beschädigt aus der Geschichte heraus. „Sehr halbseiden“ nannte deshalb Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic die Entscheidungen: „Da müssen klare Entscheidungen getroffen werden. Aber ich kann nicht sagen, der oder der ist schuld.“ Und in Richtung Krug ergänzte er: „Ich kann gegen die Person nichts sagen. Die Person ist korrekt.“

          So haben viele Wegbegleiter den Hobby-Golfer Krug kennengelernt, der vor seiner Funktionärs-Laufbahn als Gymnasiallehrer für Sport und Griechisch arbeitete. Freundlich, verbindlich, korrekt. Manche Schiedsrichter berichten jedoch von einem anderen Umgangston. Gräfe behauptete in seinem die komplette Diskussion auslösenden Interview mit dem „Tagesspiegel“ gar: „Bei einer anonymen Umfrage unter allen Schiedsrichtern hatten vor eineinhalb Jahren zwei Drittel ein Problem mit Krug und seinem Stil.“

          Und seit Sonntag stand ein massiver Vorwurf im Raum, der den DFB zur Krisensitzung am Tag danach und schließlich zum Handeln bewegte. Die „Bild am Sonntag“ hatte berichtete, dass Krug als Video-Supervisor an einem Bundesliga-Spieltag zweimal in die Entscheidung des zuständigen Video-Assistenten eingegriffen haben soll. Beide Entscheidungen kamen im Spiel gegen Wolfsburg dem FC Schalke 04 zu Gute, aus dessen Stadt Gelsenkirchen auch der frühere Fifa-Referee kommt. Krug teilte mit, Supervisor seien gar „nicht befugt, die Entscheidungen der Video-Assistenten zu beeinflussen oder sie gar zu überstimmen.“

          Weitere Themen

          „Ich bin eine Maschine“

          Altmaier bei French Open : „Ich bin eine Maschine“

          Zwei deutsche Herren schaffen es bei den French Open in Runde drei. Mit Alexander Zverev konnte man rechnen. Aber Daniel Altmaier? Das kommt sehr überraschend. Schließlich war seine Karriere fast schon vorbei.

          Topmeldungen

          Spuren der Verwüstung: Ein Mann steht in einem zerstörten Mehrfamilienhaus in Tartar, Aserbaidschan.

          Rohstoffförderer Aserbaidschan : Der Krieg einer Öl-Macht

          Aserbaidschan liefert wichtige Rohstoffe nach Europa. Ein militärischer Konflikt mit Armenien könnte die Handelsbeziehungen nun gefährden. Die Türkei will das verhindern – aus eigenem Interesse.
          Zyprischer Präsident Nikos Anastasiadis (r.) mit EU-Ratspräsident Charles Michel

          Gasstreit im Mittelmeer : Alle schauen auf Zypern

          Die EU-Staaten suchen bei ihrem Sonderrat in Brüssel eine Haltung zur Türkei. Emmanuel Macron und Angela Merkel setzten vor dem Gipfel unterschiedliche Akzente.
          Osten als Superopfer, ewiger Schuldwesten? Feierlichkeiten am Brandenburger Tor am 3. Oktober 1990

          30 Jahre Deutsche Einheit : Die Flucht aus unserer Geschichte

          Die Gewaltmaschine der Ost-Diktatur wurde aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt, aber auch die Westdeutschen haben ihre blinden Flecken. Ein Gastbeitrag über das ungleiche kollektive Gedächtnis der Deutschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.