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Heinz Müller : Der torvorbereitende Torhüter

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Assist für den Torverhinderer: Der Mainzer Torwart Heinz Müller gewinnt ein entscheidendes Kopfballduell Bild: dpa

Heinz Müller soll eigentlich Tore verhindern. Das gelang ihm am Samstag beim 2:2 gegen Hoffenheim nicht so gut. Dafür bereitete er den Ausgleich per Kopfball vor.

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          Man könnte meinen, dass Mainz 05 den richtigen Torwarttrainer für Notsituationen wie jene am Samstag hat. Denn Torhüter Heinz Müller, der seinem Team gegen Hoffenheim mit einem gewonnenen Kopfballduell in der zweiten Minute der Nachspielzeit noch das kuriose 2:2 durch Nikolce Noveski ermöglicht hat, wird Tag für Tag von Stephan Kuhnert angeleitet.

          Der 52 Jahre alte ehemalige Torhüter hatte in seinen mehr als zehn Jahren im spielenden Dienst für Mainz zwei spektakuläre Tore erzielt: Im Oktober 1989 erzielte er per Abschlag das „Tor des Monats“, 1995 traf er per blitzsauberem und wuchtigem Kopfball in einem Zweitligaspiel gegen Hannover 96, ebenfalls zum 2:2 in der Nachspielzeit. „Wir trainieren deshalb die ganze Woche nur am Kopfballpendel, damit er mal so gut wird wie ich“, scherzte der seit 26 Jahren bei Mainz angestellte Kuhnert. „Heinz wollte aber aus Respekt vor mir heute nur den Assist.“

          Für Müller fühlte sich die Torvorlage freilich wie ein Siegtreffer an: Er sprintete in einem für einen Torhüter ungewöhnlichen Tempo zurück in die eigene Spielfeldhälfte, ballte die Fäuste und ließ sich zum Abschluss seines Jubellaufs auf die Knie sinken. „Das lief ab wie im Film“, sagte der 35 Jahre alte Schlussmann. „Ich habe gesehen, dass Nachspielzeit ist, dass wir einen Standard haben und bin einfach an den Sechzehner gelaufen.“ In seiner ganz eigenen Welt nahm Müller auch die mahnenden Rufe von der Seitenlinie aus nicht wahr.

          Christian Heidel gestand später ein, dass er seinen Torhüter mit allen Mitteln vom 100-Meter-Sprint abzuhalten versucht hatte: „Ich habe ihm zugeschrien, dass er ins Tor zurück soll. Es waren doch noch zwei Minuten zu spielen“, sagte der Mainzer Manager. „Aber ich bin heute mal ganz froh, dass er mich nicht gehört hat.“

          Stürmer bis zur C-Jugend

          Müller hätte aber auf eine gewisse Kompetenz verweisen können. Bis zur C-Jugend ging er beim FSV Frankfurt auf Torejagd. „Ich weiß also auch noch ungefähr, wo das gegnerische Tor steht“, sagte Müller. Er wirkte bei seinen Worten nach dem Spiel in jeder Hinsicht erleichtert. Er hatte maßgeblich zum glücklichen Ende für sein Team beigetragen, dass nach fünf Pflichtspielniederlagen in Serie in eine schwere Krise geraten war und nun etwas entspannter in die Länderspielpause gehen kann. Mit dem Punkt haben die Mainzer, die in zwei Wochen bei Bayern München antreten müssen, zumindest die Niederlagenserie gestoppt, auch wenn der Weg aus der Krise noch weit sein dürfte.

          Immerhin aber stimmte nicht nur beim Torhüter, sondern beim gesamten Team wie auch den selbst im Rückstand positiv gestimmten Fans die für Krisenzeiten nötige Einstellung, was schon der späte Anschlusstreffer durch Maxim Choupo-Moting (82.) bewies. Hoffenheim begünstigte das Aufbäumen durch nachlässigen Umgang mit Kontergelegenheiten und einer Mitschuld beim Ausgleich, als Beck Noveski anschoss, von dem der Ball ins Tor prallte, weswegen Trainer Gisdol das Remis als „schwer verdaulich“ bezeichnete.

          Fehler bei den Gegentoren

          Müllers Freude war derweil umso größer, weil er sein Team selbst in die bedrohliche Situation gebracht hatte. Bei den frühen Gegentoren durch Volland (14. Minute) und Firmino (22.) sah er schlecht aus. Wie fast alle Arbeitskollegen schien er aufgrund der situationsbedingten Verunsicherung den entscheidenden Tick zu langsam im Kopf für die richtige Reaktion.

          Es entspricht der Ernsthaftigkeit, mit der sein Trainer Thomas Tuchel seinem Beruf nachgeht, dass er deshalb nicht in den Freudengesang über des Torwarts offensive Glanztat einstimmte. Stattdessen bekundete der 40 Jahre alte Mainzer Coach, dass er eigentlich kein Freund von Torwartausflügen sei. Er kritisierte Müller zudem für seine Verantwortung an den Gegentreffern. „Da hätte er zur Stelle sein sollen“, sagte Tuchel. „Beim ersten Tor ganz klar, den zweiten Gegentreffer kann man verhindern, wenn man ihn auch nicht verhindern muss.“

          Mit seinen weiteren Worten erweckte der Trainer sogar den Eindruck, dass der Held des Tages in den kommenden Wochen auf Bewährung agieren und durchaus auch eine Ablösung durch seinen Stellvertreter Christian Wetklo möglich sein könnte. Denn Tuchel war offenkundig wenig erfreut von Müllers auffällig offensivem Anfeuern seines Teams aus der hinteren Reihe, weil er offenbar den Eindruck hatte, dass darunter die Konzentration für die eigentlichen Pflichten zwischen Pfosten und Latte gelitten haben. „Aktionismus hilft nicht weiter, man muss in seiner Aufgabe bleiben. Nur wenn das einmal sehr leicht fällt, dann kann man gerne auch noch andere unterstützen.“ Der Mainzer Mann des Tages könnte also unter Umständen zum Ersatzmann werden.

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