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Boykott gegen RB Leipzig : Kommerz gegen Romantik

Erfolgreich, aber nicht unbedingt beliebt: RB Leipzig polarisiert Bild: dpa

In der zweiten Liga spiegelt sich die neue deutsche Fußball-Welt: Vor dem Duell mit RB Leipzig an diesem Montag (20.15 Uhr) rufen die Heidenheimer Fans zum Boykott des Spitzenspiels ihres Klubs auf.

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          Das Spitzenspiel der zweiten Fußball-Bundesliga an diesem Montag bei RB Leipzig (20.15 / Live bei Sport1, Sky und im 2. Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) sollten, wenn es nach den Anhängern des 1. FC Heidenheim geht, so wenige Zuschauer wie möglich sehen. Die sogenannte aktive Fanszene hat sich in der vergangenen Woche dem Boykott angeschlossen, mit dem in dieser Saison zahlreiche Fan-Gruppierungen der zweiten Liga den verhassten Klub überziehen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wir können an dieser Stelle niemand vorschreiben, dem Spiel ebenfalls fernzubleiben. Wir hoffen jedoch, dass sich so viele wie möglich unserem Protest anschließen. Ein komplett leerer Gästeblock wäre ein eindrucksvolles Zeichen“, heißt es in einem Aufruf der Heidenheimer Fanszene.

          Als Alternativprogramm gab es am Samstag ein Vortrag über die „Machenschaften“ von Red Bull in der Stadionkneipe angekündigt. Mit anschließender Diskussion zur Frage, die nicht nur Heidenheimer Anhänger umtreibt: „Wie viel Kommerz ist noch gesund?“ Für Sonntag hatten die Fans als Alternative für 35 Euro eine Fahrt zum Oberligaspiel ins Ruhrgebiet zur Partie Rot-Weiß Ahlen gegen Westfalia Herne angeboten. Für Fußballromantiker, nach dem Motto: „Ehrlicher Fußball statt Marketingkick.“ An diesem Montag gibt es in Heidenheim dann aber ein Public Viewing, um das Spitzenspiel in Leipzig irgendwie doch zu sehen. Es findet, wie die Fans ankündigen, im Heidenheimer Albstadion statt.

          Tatsächlich heißt das Albstadion aber schon lange nicht mehr Albstadion, sondern Voith-Arena. Es ist eine hochmoderne Veranstaltungsstätte, ausgestattet mit einem Business-Club und Logen für 2000 Gäste. Wo jetzt die Haupttribüne steht, weideten früher Schafe. Voith, ein weltweit tätiger Anlagenbauer aus Heidenheim, gehört seit Jahren zu den Sponsoren des Klubs. Das Unternehmen hat damit auch zum Ruf beigetragen, der den Heidenheimern bis zuletzt anhing: „FC Bayern der dritten Liga.“

          Die Bayern-Fans haben im Bezug auf RB eine andere Meinung als Matthias Sammer
          Die Bayern-Fans haben im Bezug auf RB eine andere Meinung als Matthias Sammer : Bild: pixathlon / M.I.S

          Dann aber rückte der Verein vom nordöstlichen Ende der Schwäbischen Alb im Gleichschritt mit RB Leipzig in die zweite Liga vor. RB als Zweiter, Heidenheim als Meister mit drei Törchen Vorsprung. Im Heidenheimer Heimspiel in der dritten Liga hissten Fans ein Banner im Block mit der Aufschrift: „Fußballmörder RBL“. Auf der Anzeigetafel stand eine Tabelle, in der Leipzig fehlte. Im Rückspiel in Leipzig flog ein Bierbecher in Richtung des Heidenheimer Kapitäns und Lieblings Marc Schnatterer. RB erteilte sein erstes Stadionverbot.

          Wenn die Teams an diesem Montag um einen Spitzenplatz in der zweiten Liga spielen, wird das Klischee vom Dorfklub gegen den Dosenklub kaum fehlen. Es stimmt ja auch, zum Teil: Beim Dorfklub der Stadionsponsor aus Heidenheim, auch der Hauptsponsor, der Präsident, der Manager und der Trainer. Auch die meisten Spieler stammen aus der Umgebung der Kleinstadt mit ihren knapp 50.000 Bewohnern. Heidenheim klingt so für manche eher wie Hoffenheim. Aber auch dieser Vergleich hört sich besser an, als er ist. Es sind in Heidenheim zwei große Unternehmen, die für rund ein Fünftel des Etats aufkommen. Hier steht eben kein Milliardär im Hintergrund oder, besser: im Mittelpunkt. Ansonsten ist der schwäbische Unternehmens-Mittelstand da. Aber Geld fließt genug.

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