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Heidels Dienstantritt : Keine Panik mehr auf Schalke

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Starker Mann: An Christian Heidel (vorne) soll künftig bei Schalke keiner mehr vorbeikommen - außer natürlich Stan Libuda (auf dem Foto im Hintergrund) Bild: dpa

Christian Heidel übernimmt den FC Schalke 04. Auch wenn er das Geheimnis noch für sich behält: Markus Weinzierl soll offenbar neuer Trainer werden.

          Im Innenraum der Arena, wo sonst Fußball gespielt, war eine große Bühne aufgebaut. Auf die Hinterwand hatte die Regie den Spruch „Keine Panik“ projiziert. Das würde zwar zu der Aufbruchstimmung beim FC Schalke 04 passen, aber der Star auf der Bühne war nicht etwa Christian Heidel, der am Mittwochnachmittag als neuer Sportvorstand des Revierklubs vorgestellt wurde. Während Heidel in einem der Eventräume sein Publikum fand, probte in der Arena Udo Lindenberg, die „Panik-Rock“-Legende, die auch im Alter von siebzig Jahren noch ihre Fans begeistert.

          Zu Beginn einer neuen Ära war der FC Schalke 04 gewissermaßen Gast im eigenen Hause. Während Lindenberg in Gelsenkirchen nur einen Konzertauftritt hat, soll Heidel in dieser fußballverrückten Ruhrgebietsstadt über eine längeren Zeitraum zur prägenden Figur werden, die Schalke für die Zukunft neu ausrichtet. „Christian Heidel ist nun der starke Mann“, sagte Clemens Tönnies, der Vorsitzende des Aufsichtsrates. „Ein Verein wie Schalke 04 braucht eine charismatische Führungspersönlichkeit, die haben wir jetzt. Ich freue mich, dass Christian Heidel das Ruder übernimmt.“ Neben der sportlichen Reputation Heidels, der ein Vierteljahrhundert für Mainz 05 gearbeitet hatte, hob Tönnies auch dessen kaufmännisches Geschick hervor.

          Das große F.A.Z.-Interview mit Christian Heidel

          Die Kompetenzen, so die Absprache der beiden Männer, sollen in Zukunft deutlicher abgegrenzt sein, als es in der Vergangenheit den Anschein hatte. Tönnies hatte sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, in das operative Geschäft einzugreifen, das dem Vorstand obliegt. Jetzt kündigte der Fleischfabrikant an, er werde sich „aus dem Tagesgeschäft zurückziehen“ und sich „auf das beschränken, was ein Aufsichtsrat tut: Aufsicht führen und Rat geben“. So stark hatte sich Tönnies erst einmal zurückgenommen – als vor einigen Jahren Felix Magath als Cheftrainer, Manager und Sportvorstand in Personalunion nahezu alle Macht im Verein auf sich konzentrierte.

          Auch wenn Tönnies sich künftig mit öffentlichen Äußerungen zurückhalten will – eine Vorgabe hat er doch gemacht. Das Ziel müsse sein, Schalke als Verein mit fast 150.000 Mitgliedern sportlich weiter nach vorne zu bringen. Er halte es für „selbstverständlich, dass Schalke 04 in der Bundesliga unter die ersten drei gehört“, sagte der Chef des Aufsichtsrates.

          Heidel sorgt für klare Verhältnisse

          Dafür bedarf es nicht nur einer neuen Spielidee, die Heidel allen Mannschaften des Klubs von der Jugend bis zu den Profis implementieren will, sondern zuallererst eines neues Trainers. Einen Nachfolger für André Breitenreiter zu finden ist die vordringlichste Aufgabe an den ersten Arbeitstagen Heidels, der seit Sonntag offiziell für das Ressort Sport und Kommunikation verantwortlich zeichnet. In Breitenreiter hatte der neue Manager nicht den Partner gesehen, mit dem sich seine Pläne für ein modernes Schalke verwirklichen lassen. Das Produkt, das auf dem Platz geboten wurde, habe ihn, von außen betrachtet, nicht überzeugt, sagte der neue Manager.

          Heidel hatte dem Fußball-Lehrer, der schon länger umstritten war, in der vergangenen Woche – noch von Mainz aus – mitgeteilt, dass der Klub sich von ihm trennen werde. Als Favorit für die Nachfolge Breitenreiters gilt weiterhin Markus Weinzierl, der allerdings noch bis Juni 2019 beim Liga-Konkurrenten FC Augsburg unter Vertrag steht. Bei seiner Antrittspressekonferenz hielt Heidel sich in der wichtigsten Personalfrage bedeckt, versprach aber, dass er deutlich vor dem Beginn der Vorbereitung auf die neue Saison einen Trainer verpflichtet haben werde. Wie es heißt, ist der Augsburger Manager Stefan Reuter ein harter Verhandlungspartner; die Rede ist von einer Ablösesumme in der Größenordnung von fünf Millionen Euro.

          Wenn der neue Trainer eingestellt ist, will Heidel die reiche, in der Vergangenheit zuweilen fehlgeleitete Energie seines neuen Vereins in die richtigen Bahnen lenken. Ihm sei bewusst, dass das nicht einfach werde, weil Schalke „ein spannender, unruhiger, auch schwieriger Verein“ sei, in dem „nicht immer alle an einem Strang gezogen“ hätten, sagt Heidel. Doch das habe ihn nicht davon abgehalten, dem Werben des Aufsichtsratsvorsitzenden, der sich monatelang um Heidel bemüht hatte, schließlich nachzugeben und „den vielleicht sichersten Job im deutschen Fußball aufzugeben“, um sich dem rauen Klima auf Schalke auszusetzen. „Eine langweilige Aufgabe hätte mich aus Mainz nicht weggebracht.“

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