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Konstanz in unruhigen Zeiten : Hasebe bleibt bei Eintracht Frankfurt

Weil die Tochter so gerne Einlaufkind ist: Makoto Hasebe bleibt der Eintracht noch ein weiteres Jahr als Spieler erhalten. Bild: AP

Die Eintracht sucht nach Führung, Harmonie und Beständigkeit. Doch derzeit herrscht Verunsicherung. Da kommt es gerade recht, dass Makoto Hasebe seinen Vertrag noch einmal verlängert.

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          Verlängert Oliver Glasner seinen Vertrag vorzeitig über die Bundesligasaison 2023/2024 hinaus? Dieses Angebot hat ihm die Eintracht in bester Absicht unterbreitet. Oder verlässt der 48 Jahre alte Trainer die Eintracht in diesem Sommer sogar vor Ablauf der geplanten Zusammenarbeit und sucht womöglich in der Premier League (Tottenham Hotspur, FC Chelsea) oder bei einem Ligarivalen eine neue Herausforderung?

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Und wie sieht die Zukunft von Axel Hellmann aus? Bleibt der Frankfurter Vorstandssprecher – wie ursprünglich geplant – nur bis Rundenende interimsweise an der Spitze der Deutschen Fußball-Liga (DFL)? Oder wird Hellmann von Sommer an neuer und alleiniger DFL-Boss? Das wäre ein Paukenschlag für die Eintracht, den sie erst einmal verkraften müsste. Viele Fragen, die möglichst schnell einer Klärung bedürfen, denn die entstandene Unruhe vor dem wichtigen Saisonendspurt könnte kaum größer sein.

          „Okay Papa, dann mach weiter!“

          Momentan ist der Europa-League-Sieger, dem in den zurückliegenden acht Pflichtspielen nur ein Sieg gelang, vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Probleme sind buchstäblich hausgemacht: Zwischen Hellmann und Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer haben sich über Monate hinweg Meinungsverschiedenheiten und gegenseitiges Unverständnis aufgebaut. Und Glasner und Sportvorstand Markus Krösche sprechen trotz gegenteiliger Beteuerungen auch nicht immer mit einer Stimme. Auf manche Vorgänge haben sie eine unterschiedliche Sicht der Dinge. Je nach Anlass und Laune tritt das immer wieder mehr oder minder subtil zutage.

          Ende März sind die Frankfurter, die aufpassen müssen, ihre internationalen Ambitionen nicht zu verspielen, auf der Suche nach Führung, Harmonie und Beständigkeit. Werte, die bei der Eintracht lange hoch gehalten wurden und nie in Frage standen, ganz im Gegenteil: Geschlossenheit war Frankfurts Trumpf für den Aufschwung. Sie bildete die Grundlage für den nationalen und internationalen Höhenflug.

          Auch mal kontrovers: Trainer Oliver Glasner (links) und Sportvorstand Markus Krösche sind sich nicht immer so einig wie bei der Vorstellung im Juni 2021.
          Auch mal kontrovers: Trainer Oliver Glasner (links) und Sportvorstand Markus Krösche sind sich nicht immer so einig wie bei der Vorstellung im Juni 2021. : Bild: dpa

          Doch Konstanz und Berechenbarkeit bietet in diesen Tagen nur einer: Makoto Hasebe. Am Dienstag verlängerte der 39 Jahre alte Japaner, der das Eintracht-Trikot seit 2014 trägt, erwartungsgemäß seinen Vertrag um eine weitere Spielzeit bis zum 1. Juli 2024. Die Verkündung der zum Eintracht-Wohl nicht enden wollenden Liaison erfolgte diesmal unter Kirschblüten in Tokio, „dem besonderen Anlass angemessen“, wie der Klub stolz mitteilte. In Japan – dort genieße Hasebe „Legendenstatus“ – war es Mittag, weshalb die Pressemitteilung in Frankfurt um 5.45 Uhr öffentlich gemacht wurde.

          Er sei „sehr glücklich, dass ich bei der Eintracht ein weiteres Jahr auf höchstem Niveau Fußball spielen kann und darf. Frankfurt ist meine Heimat geworden, die Eintracht ist mein Klub.“ Es sei „keine schwere Entscheidung“ gewesen, „ich habe richtig Bock, Fußball zu spielen“, sagte die Frankfurter Verlässlichkeit in Person. Das letzte Wort, so Hasebe schmunzelnd, habe seine kleine Tochter gehabt, die schließlich grünes Licht gab. „Okay Papa, dann mach weiter!“, habe sie gesagt. Aber nicht ohne eigenes Interesse. In der kommenden Spielzeit würde Hasebes Tochter nämlich gerne abermals Einlaufkind bei einem Frankfurter Heimspiel sein. Für den ehemaligen Kapitän der japanischen Nationalmannschaft ist es „besonders, mit dann 40 Jahren bei einem so großen und erfolgreichen Klub Teil des Teams zu sein.“

          In der Tat: Hasebe, der es auf 114 Länderspiele gebracht hat und der schon jetzt zu den zehn ältesten Bundesliga-Feldspielern zählt, könnte in der neuen Runde den ehemaligen Frankfurter Torhüter Uli Stein überholen und so ältester Erstligaprofi in der Geschichte der Eintracht werden. Dafür würde schon ein Einsatz am ersten Spieltag der Saison 2023/2024 – seine zehnte in Frankfurt – genügen. In dieser Spielzeit blickt Hasebe bisher auf zehn Bundesligaeinsätze zurück, davon acht in der Startelf. Mit seiner Spielintelligenz und Abgeklärtheit ist der Japaner als Chef der Dreierabwehrkette im Bedarfsfall eine feste Größe.

          „Mit seiner Einstellung, seiner Disziplin und seiner fußballerischen Qualität ist Makoto in unserer Mannschaft nicht nur ein absolutes Vorbild, sondern nach wie vor auch eine Bereicherung für unser Spiel“, sagte der ebenfalls in Tokio weilende Krösche über den Japaner und nennt ihn „auch über die Landesgrenzen hinaus“ einen „Botschafter für Eintracht Frankfurt und den deutschen Fußball. „Makoto ist der einzige Profi, der selbst entscheiden kann, ob er seinen Vertrag verlängert“. Nach seiner aktiven Karriere – wann immer das sein wird – wird Hasebe voraussichtlich in den Trainerstab wechseln, er besitzt bereits einen Anschlussvertrag bis ins Jahr 2027. „Makoto wird noch lange bei der Eintracht sein“, sagt Krösche.

          Wie der Erfolg kurzfristig nach Frankfurt zurückkehren kann, weiß Hasebe, dem in Sachen Erfahrung und Führungsstärke kaum einer etwas vormachen kann. Der Japaner rief dazu auf, dass alle – im und außerhalb des Vereins – gemeinsam wieder zusammenstehen müssten. „Dann können wir am Ende große Ziele erreichen.“ Er geht fest davon aus, dass die Eintracht auch in der kommenden Saison international vertreten sein wird. Das Erreichen dieses Ziels haben die Frankfurter selbst in der Hand. Die Mannschaft muss vor allem ihre Probleme beim Verteidigen abstellen und als Ganzes zu alter Leistungsstärke zurückfinden. Und die Klubverantwortlichen dürfen keinen Anlass mehr für Unruhe und Unstimmigkeiten bieten, sondern müssen mit gutem Beispiel vorangehen.

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