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Hasan Salihamidzic : Weder Notlösung noch Platzhalter

Der ehemalige Bayernprofi Hasan Salihamidzic wird neuer Sportdirektor. Bild: dpa

Nur eine Woche nach der Ankündigung von Präsident Uli Hoeneß präsentiert der FC Bayern den neuen Sportdirektor. Die überraschende Wahl fällt auf einen ehemaligen Bayern-Profi.

          Die Suche war lang und kompliziert, erst hatte man es nicht eilig, irgendwann dann doch, als die zwei Wunschkandidaten Philipp Lahm und Max Eberl abgesagt hatten und in den Medien immer neue Namen auftauchten – und am Ende war alles dann doch ganz einfach, und es wurde jemand ganz aus der Nähe: Hasan Salihamidzic. Der vierzigjährige Bosnier, der mit fünfzehn Jahren aus seiner kriegszerstörten Heimat nach Deutschland kam und „sich durchbiss“, wie Präsident Uli Hoeneß anerkennend sagt, wird neuer Sportdirektor des FC Bayern.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Am Dienstag früh sprach noch niemand in der Öffentlichkeit von ihm, am frühen Nachmittag stellte er sich der Mannschaft vor, die „ihm Beifall klatschte“, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte. Und am späten Nachmittag saß er dann gutgelaunt erstmals vor den Kameras und Mikrofonen, eingerahmt von den beiden Bossen, die auch seiner täglichen Tätigkeit den großen Rahmen geben werden – zur Rechten Rummenigge, zur Linken Hoeneß.

          „Uli und ich haben uns die Wahl ziemlich schwergemacht“, sagte Rummenigge. Am Ende sei aber Qualität wichtiger als ein Schnellschuss. Mit Salihamidzic, einem Vollgasfußballer, der in neun Jahren beim FC Bayern die Champions League und sechs Meistertitel gewann und dabei mit Einsatzfreude und Ehrlichkeit unter dem Spitznamen „Brazzo“ einer der beliebtesten Profis – auch beim Münchner Publikum – wurde, setzen die Bayern-Chefs mangels eines geeigneten, durch Erfahrung und Erfolge bereits profilierten Kandidaten auf einen Berufsanfänger, bei dem sie auf andere Kriterien bauen mussten.

          An seinem Charakter und seinem Fleiß können keine Zweifel bestehen, deshalb wird Salihamidzic kein Fehlgriff sein, keiner, der verbrannte Erde hinterlassen wird. Ob er aber die große, zukunftsfähige Lösung sein wird, eine Führungsfigur für die Zeit nach Hoeneß und Rummenigge, steht auf einem ganz anderen Blatt. „Ich fühle mich überhaupt nicht als Notlösung“, sagte Salihamidzic. Und Karl-Heinz Rummenigge betonte: „Er ist nicht der Platzwarmhalter für Philipp Lahm“ – für den gleichwohl „die Tür offen“ bleibe, „in welcher Rolle auch immer“.

          Anders als sein Vorgänger Matthias Sammer, der vor einem Jahr den Posten aus gesundheitlichen Gründen aufgab, wird Salihamidzic nicht Mitglied des Vorstands. Wie Sammer will er sich „nah an der Mannschaft“ bewegen, bei jedem Training dabei sein (ohne „ein Aufpasser für Carlo Ancelotti“ zu sein, so Rummenigge) und bei jedem Spiel auf der Bank sitzen, erstmals an diesem Dienstagabend beim „Audi Cup“ im Spiel gegen Jürgen Klopp und den FC Liverpool. Das entspricht ganz der Vorstellung von dem Job, wie sie Hoeneß in dreißig Jahren als Manager des FC Bayern prägte und bis heute vertritt. „Wenn man die Struktur einer Mannschaft kennenlernen will, muss man auf der Bank sitzen, vor und nach dem Spiel in der Kabine sein“, so der Präsident, also denen nah, „mit denen man zu tun hat, bei jeder Tages- und Nachtzeit“.

          Außerdem nannte Hoeneß es „klar, dass es keine Vertragsverhandlungen in diesem Verein geben wird, an dem Hasan nicht mit am Tisch sitzt“ – anders als Sammer, der Vertragsgespräche lieber anderen überließ. Für Verhandlungen und jede Art von Kommunikation bringt Salihamidzic eine sehr einnehmende, umgängliche Art mit und nicht zuletzt die Kenntnis von sechs Sprachen: Englisch, Spanisch, Italienisch, Bosnisch, Serbokroatisch „und ein bisschen Deutsch“, wie er in seinem hervorragenden Deutsch ergänzte.

          Es war eine Lösung auf dem kurzen Dienstweg. Rummenigge rief Hoeneß „vor ein paar Wochen“ an, ob der sich Salihamidzic vorstellen könnte, und Hoeneß war nach kurzer Überlegung „sehr zufrieden, weil es zu dem passt, was wir vorhaben“. Denn seiner Ansicht nach muss der FC Bayern derzeit „einen neuen Weg finden, weg von den Hundert-Millionen-Euro-Transfers, zurück zu den Wurzeln“ und dabei das „Mia san mia wieder stärken“, so Hoeneß. „Und wer könnte das besser als Hasan Salihamidzic, der das immer gelebt hat?“

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          Der Bosnier, der seine neun Jahre beim Rekordmeister „kein Arbeitsverhältnis, sondern einen Familienanschluss“ nennt, beteuert, die „DNA des FC Bayern“ in- und auswendig zu kennen. Über die Schwerpunkte seiner neuen Tätigkeit (die die Verantwortung für Scouting und die Nachwuchsabteilung einschließt) konnte er bei seiner Vorstellung noch nicht viel sagen, dafür sprach er von Begriffen wie Vertrauen, Loyalität, Ehrlichkeit. „Ich habe als Spieler immer hundert Prozent gegeben, in jedem Training, jedem Spiel. Genauso werde ich diese Aufgabe anpacken. Ich werde 24 Stunden, sieben Tage die Woche für die Spieler da sein.“ Das „Wichtigste für mich“ nannte er, sei „fleißig zu sein“. Ob das am Ende ausreicht? Zumindest klingt es wie ein guter Anfang.

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