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FSV Mainz 05 : Das Rumoren hinter den Kulissen geht weiter

Harald Strutz steht derzeit bei Mainz 05 im Mittelpunkt. Bild: dpa

Bei Mainz 05 setzt sich Präsident Harald Strutz offensiv gegen Vorwürfe zur Wehr – doch viele im Klub sind vor dem ersten Heimspiel des Jahres gegen den 1. FC Köln besorgt.

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          Braungebrannt und erholt meldete sich Harald Strutz am Freitag bei der Pressekonferenz von Mainz 05 aus dem Urlaub zurück. Bei dem Termin vor dem ersten Heimspiel des Jahres ging es eigentlich um den sportlichen Zustand des Bundesliga-Zehnten nach dem Abgang von Yunus Malli nach Wolfsburg und angesichts der Sperre von Mittelstürmer Jhon Cordoba vor dem Duell mit dem 1. FC Köln an diesem Sonntag (17.30 Uhr / Live in Sky und Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET). Die Partie wird Hinweise geben, ob Mainz wie im vergangenen Jahr Ambitionen Richtung Europa League anmelden darf oder einer eher langweiligen Restspielzeit entgegensehen muss.

          Sorge um den Verein

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Spannender geht es hinter den Kulissen zu: Während der drei Wochen des Südafrika-Urlaubs des Präsidenten rumorte es heftig. Einige Mitglieder haben Formfehler wie inhaltliche Mängel im Zuge des Satzungsänderungsprozesses zum Anlass genommen, Strutz mit einem Schriftsatz von 37 Seiten zu attackieren. Teils aus berechtigter Sorge um ihren Verein, teils aus persönlicher Verletztheit streben die einst guten Bekannten von Strutz danach, die Kompetenz des seit 28 Jahren immer wieder gewählten und zuletzt von der Mitgliederversammlung mit breitem Votum gestützten Präsidenten in Zweifel zu ziehen.

          Matthias Scherer, Direktor des fürs Vereinsregister zuständigen Mainzer Amtsgerichts, bezeichnete die Fehler zwar als „ganz üblich“. Ebenso sei auch die Bitte um eine Stellungnahme des Vereins keine juristische Bewertung. Pikant sind die Fehler allerdings schon, da Strutz Rechtsanwalt ist, dreieinhalb Jahrzehnte lang bis zum Eintritt ins Rentenalter im vergangenen Frühjahr als Justitiar des Landessportbunds Rheinland-Pfalz tätig war – sich somit im Vereinsrecht auskennen sollte, zumal er 14.000 Euro monatlich erhält, um den Klub juristisch zu beraten.

          Diese Zahl wurde im vergangenen Jahr publik, als Strutz zudem eingestehen musste, dass er für sein vermeintliches Ehrenamt als 05-Präsident weitere 9000 Euro monatlich als Aufwandsentschädigung erhält. „Ich hätte 2005, als wir diese Regelung in die Satzung aufgenommen haben, auf einer Hauptamtlichkeit bestehen sollen“, sagt Strutz und gesteht Fehler bezüglich der Transparenz seiner Tätigkeit ein. Er strahlt dennoch angriffslustige Gelassenheit aus. „Es ist nichts passiert“, sagt er. „Wir werden die aufgekommenen Satzungsfragen beantworten. Eine gravierende Zeitverzögerung erwarte ich nicht.“

          Heidel-Abgang hinterließ Machtvakuum

          Ebenso wenig sieht Strutz, der auch nach der Umstrukturierung dann wohl deutlich weniger gut entlohnter Vorstandschef bleiben will, Folgeschäden aus der nun seit über einem Jahr währenden Unruhe im Klub. Seit der Abgang von Christian Heidel zu Schalke 04 publik wurde, befindet sich Mainz 05 abgesehen vom sportlichen Bereich noch immer in einer Schockstarre. Der Abschied hinterließ ein Machtvakuum, das erst die Debatte um die Rolle von Strutz und die fehlende Transparenz in der Vereinsführung in Gang setzte. Heidel war zudem derjenige, der Strutz auf die Rolle des Repräsentanten zurechtstutzte, während der Präsident sich nun auch in operativer Verantwortung sieht.

          Die Nullfünfer starten gegen Köln ins neue Fußballjahr.

          Der Vorstand beschäftigt sich in dieser Gemengelage vornehmlich mit sich selbst und mit Gerüchten um allerdings bislang nie handfest belegte Verfehlungen von Strutz und der für die Bildung eines Aufsichtsrats nötigen Umstrukturierung. Manche Abteilungen lassen angeblich dringend nötige neue Ideen für die Weiterentwicklung des Klubs lieber in der Schublade, weil sie den Erfolg nicht Strutz gönnen, der sich seit dem Abgang von Heidel als „operativer Chef“ bezeichnet und sich deutlich mehr als zuvor in den Büroräumen zeigt.

          Altgediente Vorstände fürchten Turbulenzen beim Übergang

          Sponsoren beabsichtigen zudem ein Ende ihres Engagements beim Klub - gerne mit Verweis auf die Unruhe. „Ich spreche die wichtigen Sponsoren direkt darauf an und mir hat das noch keiner ins Gesicht gesagt“, sagt Strutz. Vizepräsident Jürgen Doetz, als Organisator der Umstrukturierung zum Moderator der Vorstandskrise geworden, sagt zu den ganzen Turbulenzen lediglich, „dass wir ein schlechter Vorstand wären, wenn wir nicht über alles reden würden.“ Tiefer in die Karten schauen lassen will sich Doetz vor der Vorstandssitzung am Montag nicht, wo die Vorstände Strutz ihre Sorge um den Klub vermitteln wollen.

          Tatsächlich sind nämlich einige der seit einem Vierteljahrhundert aktiven Vorstandskollegen zutiefst beunruhigt über die Situation, die nur dank der sportlichen Stabilität des Bundesligateams noch nicht hochgefährlich ist. Sie fürchten, dass sie ihren Verein in Turbulenzen übergeben, wenn sie nach Bildung des Aufsichtsrats zum größten Teil ihre Funktionärskarriere beenden.

          Seit einer Bemerkung während der ordentlichen Mitgliederversammlung sind sie zudem schlecht auf Strutz zu sprechen. Im September hatte der 66 Jahre alte Vereinschef gesagt, dass er seine zuvor ein Vierteljahrhundert lang bemerkenswert verschwiegenen Vorstandskollegen nicht frühzeitig über Heidels Wechselabsichten informiert habe, weil diese sonst umgehend in die Öffentlichkeit gelangt wären. „Ich stehe dazu, dass ich das geheim halten musste“, sagt Strutz. „Das ist aber kein Vorwurf an meine Vorstandskollegen. Es ist doch nur allzu menschlich, dass man solch eine bedeutsame Personalie nicht für sich behält, sondern auch mal seiner Frau oder dem Sohn erzählt. Dann kommt so was eben in die Welt.“ So aber kommen nun aus verschiedenen Quellen immer unschönere Gerüchte in die Welt – sie alle drehen sich um Strutz.

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