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Lukas Nmecha zur DFB-Elf? : Unter Beobachtung durch Hansi Flick

  • -Aktualisiert am

Vielseitiger Angreifer: Nmecha steht auch unter Beobachtung des Bundestrainers. Bild: dpa

Zeit für große Taten: Der 22-jährige Profi des VfL Wolfsburg empfiehlt sich derzeit wie auch Teamkollege Ridle Baku für höhere Aufgaben. Bundestrainer Hansi Flick nominiert in dieser Woche seinen ersten Kader.

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          Das klang ziemlich cool. „Den muss ich halt reinmachen“, sagte Lukas Nmecha. Eingewechselt, Tor erzielt, zweiter Sieg im zweiten Saisonspiel: Was wie eine schöne, handelsübliche Geschichte des Profifußballs klingt, ist in seinem Fall kniffliger. Denn Nmecha darf als hochtalentierter Stürmer nicht immer so, wie er möchte.

          Bundesliga

          Beim VfL Wolfsburg ist er nicht Stamm-, sondern Einwechselspieler. Wie schon vor zwei Jahren, als ihn der Verein von Manchester City zwar ausgeliehen, aber kaum eingesetzt hatte. Zwischenzeitlich war er erst an den FC Middlesbrough und dann an den RSC Anderlecht weitergereicht worden. Dieses Durcheinander erklärt sein primäres Anliegen. Der 22 Jahre alte Nmecha möchte möglichst oft spielen und dauerhaft glänzen. Mit seinem Treffer zum 2:1-Erfolg bei Hertha BSC Berlin hat er sein Können demonstriert – als spät eingewechselter Angreifer.

          Sein Thema bleibt aktuell. Welcher ambitionierte Verein bietet Nmecha eine Perspektive auf viel Spielzeit, viele Tore und viel Ruhm? Der VfL Wolfsburg ist in dieser Saison auch in der Champions League am Ball, wird deshalb mehr Personal als ein normaler Bundesligaklub benötigen und hat die Botschaft des Spielers verstanden.

          Gereifter und erwachsener

          Nmecha hat sich dem VfL voll und ganz angeschlossen, weil anders als bei seinem ersten Anlauf vor zwei Jahren die Zeit für große Taten nun gekommen sein soll. „Manche Spieler“, findet VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke, „brauchen für ihren Entwicklung Zwischenschritte.“ Er sieht Nmecha gereifter und erwachsener zurückgekehrt.

          Mit der Verpflichtung von Mark van Bommel als neuem Cheftrainer sind die Karten im Wolfsburger Kader neu gemischt worden. Mutige Profis mit viel Elan sind willkommen. „Unser Anspruch ist, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen“, sagt etwa Ridle Baku. Er hat im Juni mit Deutschlands U-21-Auswahl den Europameistertitel gewonnen – an der Seite des treffsicheren Nmecha, der auch das Siegtor im Finale gegen Portugal erzielte. Nun wollen sich beide in Wolfsburg für höhere Aufgaben empfehlen. Im Verein und in der A-Nationalmannschaft.

          In guter Form: Wolfsburgs Ridle Baku (rechts)
          In guter Form: Wolfsburgs Ridle Baku (rechts) : Bild: dpa

          Rückblende in die Saison 2019/20. Mit dem in Hamburg geborenen und in England aufgewachsenen Nmecha stellt sich ein selbstbewusster junger Mann in Wolfsburg vor. „Ich bin ein ganz schön athletischer Spieler und versuche alles, um zu gewinnen“, sagte er etwas schüchtern bei seinem ersten Interview als Angestellter des VfL. Was in seiner Wahrnehmung richtig war, führte nicht automatisch in die Stammelf.

          Auf dem zweiten Bildungsweg

          Eigentlich nimmt sich der VfL Wolfsburg vor, auf junge und entwicklungsfähige Profis zu bauen, die auf ihrem Karriereweg vorankommen möchten. Doch nicht alle davon setzen sich auf Anhieb durch. Das musste auch Nmecha erfahren. Jetzt nimmt er bei den Niedersachsen eine Karriere auf dem zweiten Bildungsweg in Angriff. Er steht dabei wie Baku unter Beobachtung von Hansi Flick, der in dieser Woche seinen ersten Kader als Bundestrainer berufen wird.

          Dass Spielertypen wie Baku und Nmecha die Zukunft für sich beanspruchen, ist nicht unverschämt. Der bei Mainz 05 ausgebildete und in Wolfsburg zum stabilen Profi gereifte Baku gibt dem Spiel des VfL oft mehr Dynamik, als es die auf Ballbesitz bedachte Taktik van Bommels vorschreibt. Und Nmecha darf für sich in Anspruch nehmen, dass er im Vergleich zum sehr einsatzfreudigen Torjäger Wout Weghorst vielseitiger glänzen kann. „Es war voll geil, sofort zu treffen“, sagt der Mann mit der Trikotnummer 22 zu seinem ersten Bundesligator.

          Ist er ein Neuzugang? Oder ein Rückkehrer? Im Grunde spielt das keine Rolle. Van Bommel musste auf Nmecha zunächst eine Weile verzichten, weil er leicht verletzt war. Ihn in der Partie bei Hertha BSC einzuwechseln war von Erfolg gekrönt. „Mit solchen Jungs kannst du den Unterschied machen“, sagte später der Wolfsburger Coach. Nmecha hatte schon den Angriff eingeleitet, den Baku zum 1:1 abschloss (74.) – und somit die Wende nach der Berliner Führung.

          Für Nmecha keimt in Wolfsburg die Hoffnung, dass ihm der Aufstieg von der Leihware zum festen Inventar gelingt. Der VfL soll für ihn rund acht Millionen Euro Ablöse bezahlt haben. Das erste Interview in diesem Sommer hat Nmecha, als ihn ein Wolfsburger Trikot kleidete, vorsorglich auf Englisch geführt. Dieser sprachliche Umweg ändert nichts daran, dass seine Ziele klar formuliert sind. Es handelt sich dabei um einen Stammplatz beim VfL und eine Nominierung in den Kader der „echten“ Nationalmannschaft.

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