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Hansa Rostock : Untergang der Unsinkbaren

Unsinkbar seit 1965, aber 2010 hat eine neue Zeitrechnung begonnen Bild: APN

Tief gesunken statt unsinkbar: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte spielt Hansa Rostock, der letzte Meister der DDR-Oberliga, in der kommenden Saison nur noch drittklassig. Das heißt: wenn überhaupt.

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          Unsinkbar seit 1965 - der Markenspruch des FC Hansa Rostock ist immer noch prominent auf der Internetseite des Fußballklubs zu lesen. Doch seit der Heimniederlage gegen den FC Ingolstadt am Montag in der Zweitliga-Relegation hat für die Mecklenburger eigentlich eine neue Zeitrechnung begonnen. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte spielt Hansa, der letzte Meister der DDR-Oberliga, in der kommenden Saison nur noch drittklassig. Das heißt: wenn überhaupt. Denn noch ist längst nicht sicher, ob der mit rund neun Millionen Euro verschuldete Klub überhaupt die Lizenz für den Profifußball erhält.

          Tief gesunken - das wäre in diesen Tagen der treffendere Slogan für den Verein, der die Hanse-Kogge im Wappen führt. Sportlich gilt das nach dem 0:2 gegen Ingolstadt allemal. „Ein Trauerspiel schlapper, unfähiger Einfaltspinsel“ attestierten die „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“ dieser Mannschaft ohne Mumm und Mut. Und nicht nur das harte Urteil der örtlichen Presse lässt darauf schließen, dass auch atmosphärisch einiges im Argen liegt. Mit 15.000 Zuschauern war die eigene Arena in diesem Entscheidungsspiel kaum mehr als zur Hälfte gefüllt. Offenbar war die Vorahnung, dass nach Jahren des schleichenden Niedergangs nun der Zeitpunkt für den tatsächlichen Abstieg gekommen war, größer als der Glaube an eine Rettung in letzter Minute. Es passte zum traurigen Bild, das Hansa derzeit abgibt, dass auch dieser Abend mit Randale endete - wenngleich lange nicht so heftig wie zuvor beim Spiel in Düsseldorf.

          „Sehr traurig für den ostdeutschen Fußball“

          Über Jahre galt Hansa nicht nur als Vorzeigemarke der Region, sondern auch als Leuchtturm in der ostdeutschen Fußballlandschaft. Als einziger Klub aus der DDR spielte Rostock nach der Wende ohne Unterbrechung in den beiden höchsten deutschen Ligen, zwölf Jahre davon sogar erstklassig. Nebenbei eroberte Hansa reichlich Sympathiepunkte, im Osten wie im Westen. Als „sehr traurig für den ostdeutschen Fußball“ bezeichnete Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, den Abstieg. Dass Hansa nun fürs Erste aus dem Blickfeld verschwindet, hat jedoch mehr mit hausgemachten Problemen zu tun als mit der Lage des ostdeutschen Fußballs insgesamt. Mit dem bis dato letzten Bundesliga-Aufstieg 2007 begann ein Personaldurcheinander auf allen Ebenen, das perspektivisches Handeln unmöglich machte. Vier Trainer in der vorletzten Saison, drei in der vergangenen, dazu etliche Wechsel in Vorstand und Aufsichtsrat - auch das lässt sich als Bilanz des Niedergangs lesen.

          Das Interesse in Rostock war schon länger geschwunden: zwei verbliebene Fans von Hansa

          Für den Neuanfang kommt es gelegen, dass mit dem Abstieg neben den Verträgen der meisten Spieler auch die in der Führungsetage auslaufen. Ehemalige Profis wie Martin Pieckenhagen, Stefan Beinlich oder René Schneider gelten als Kandidaten, die das Schiff wieder flottmachen könnten. Um zu studieren, wie das auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld möglich ist, darf der Blick ruhig im Osten bleiben: Erzgebirge Aue, nach zwei Jahren der Drittklassigkeit demnächst zurück in der zweiten Liga, hat es vorgemacht.

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