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Tatverdächtiger Fan ermittelt : „Menschenverachtendes“ Banner hat Konsequenzen

  • Aktualisiert am

Dürfte für einige Anhänger von Hansa Rostock noch Konsequenzen haben: das Banner beim Spiel gegen Sandhausen Bild: Picture-Alliance

Nach dem Vorfall bei einem Fußballspiel reagiert Hamburgs Innensenator mit deutlichen Worten. Hansa Rostock kündigt Maßnahmen an. Laut Bundespolizei wurde nach dem Spiel auch eine Soldatin bespuckt und beleidigt.

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          Der FC Hansa Rostock hat im Zuge der Aufarbeitung der Banner-Affäre beim Heimspiel gegen den SV Sandhausen eine tatverdächtige Person identifiziert. Wie der Fußball-Zweitligaverein am Mittwoch dazu weiter mitteilte, hat der Verein seine Erkenntnisse der Landespolizei bereits kommuniziert. Zudem wurde das entsprechende Videomaterial an die zuständigen Behörden für deren weitere Ermittlungen und Verfahrenseinleitungen übergeben. Hansa habe darüber hinaus bereits ein Stadionverbotsverfahren gegen die betreffende Person eingeleitet, hieß es in der Vereinsmitteilung weiter.

          Im Sandhausen-Spiel war im Rostocker Ostseestadion ein Banner mit der Aufschrift: „Einer weniger, ACAB!!!“ gezeigt worden. Das Kürzel steht für All cops are bastards (Alle Bullen sind Schweine). Die Aussage bezieht sich auf den Tod eines Hamburger Polizisten, der laut der Polizeigewerkschaft Hamburg nach einer nächtlichen Belastungsübung bei einem Lehrgang in Mecklenburg-Vorpommern im Alter von 24 Jahren gestorben war.

          „Erheblich verschärfte Kontrollen“

          Aufgrund der Kritik an dem Banner hatte der FC Hansa zuvor bereits strengere Maßnahmen gegen die Ultras des Vereins angekündigt. „Wir werden die Kontrolle von Bannern erheblich verschärfen“, sagte Vorstandschef Robert Marien der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). „Es muss für alle komplett unstrittig sein, dass derartige menschenverachtende Banner in jeglicher Hinsicht Grenzüberschreitungen darstellen.“

          „Wir sind aktuell dabei, alles, was wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben, innerhalb weniger Wochen wieder mit dem Arsch einzureißen“, kritisierte Marien in der „Bild“ scharf. Jedem müsse klar sein, dass derartige Themen „einen enormen Imageschaden darstellen und für gefährliche Unruhe sorgen, die sich in der Folge auch irgendwann auf den sportlichen Bereich übertragen wird“.

          Können auch anders: farbenfroher Einsatz der Hansa-Fans
          Können auch anders: farbenfroher Einsatz der Hansa-Fans : Bild: Picture-Alliance

          Als Mitgliederverein wolle man beim FC Hansa, dass sich „unsere Mitglieder und Fans einbringen und aktiv mitgestalten“, betonte der 40 Jahre alte Marien. Aber: „Wer mitgestaltet, trägt zugleich auch Verantwortung. Wenn man dieser Verantwortung nicht gerecht wird, hat das zwangsläufig auch Konsequenzen.“

          Hamburgs Innensenator Andy Grote hatte sich zuvor mit scharfen Worten an Hansa Rostocks Vereinsvorstand gewandt. „Dass hier offen der tragische und viel zu frühe Tod eines jungen Polizisten (24) unserer Landesbereitschaftspolizei mit höhnischer Genugtuung begrüßt wird, ist unerträglich und eine Stufe von Menschenverachtung, die wir in deutschen Stadien so noch nicht erlebt haben. Der Vorfall stellt für mich eine neue Dimension der Verrohung dar, die uns alle erschüttern und alarmieren sollte“, schrieb Grote.

          Weiter hieß es: „Dass hier ausgerechnet diejenigen, die Tag und Nacht und nicht zuletzt bei Fußballspielen für unsere Sicherheit sorgen, so entmenschlicht und diffamiert werden, muss für Sie als Vorstand, der eng und vertrauensvoll mit der Polizeiführung zusammenarbeitet, in besonderer Hinsicht beschämend sein. Was diese Bilder aus dem Ostseestadion vom vergangenen Wochenende auch bei den Angehörigen des Verstorbenen an weiterem Schmerz und Demütigung auslösen müssen, möchte ich mir gar nicht vorstellen.“

          Grote fordert den FC Hansa auf, „gezielte Maßnahmen gegen die Verantwortlichen“ zu ergreifen und zugleich „ein klares Zeichen der Solidarität an die Polizistinnen und Polizisten in unserem Land und die Familie des Verstorbenen“ zu senden. „Wer alle Werte des Sports und der Menschlichkeit mit Füßen tritt, hat in Fußballstadien nichts verloren“, schrieb der SPD-Politiker. Inzwischen ermittelt auch der DFB-Kontrollausschuss gegen den FC Hansa Rostock.

          Nach dem Spiel gegen Sandhausen ist derweil ein zweiter Vorfall bekannt geworden. Eine Soldatin in Uniform ist nach Angaben der Bundespolizei von einem Hansa-Rostock-Anhänger im Rostocker Hauptbahnhof beleidigt und anschließend ins Gesicht gespuckt worden. Die Soldatin sei am Sonntagvormittag zusammen mit einer Familienangehörigen im Bahnhof unterwegs gewesen, als aus einer größeren Gruppe von Hansa-Fans heraus eine männliche Person bedrohlich und mit erhobenen Händen auf sie zugekommen sei, teilte die Bundespolizei mit. Dann sei es zu der Straftat gekommen. Die Bundespolizei sucht nun Zeugen des Vorfalls.

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