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Harsche Kritik an Zieler : Fußballspieler sind nicht mehr alleine

  • -Aktualisiert am

„Ohne ein Mindestmaß an Anstand, Respekt und Professionalität.“: Kritik an Martin Kinds Äußerungen. Bild: dpa

Hannovers Vereinspatron Martin Kind kritisiert Ron-Robert Zieler hart. Dem früheren Nationaltorwart springt sofort das neue Spieler-Bündnis zur Seite. Es gibt Kollegen, die mit starker Rückendeckung helfen. Und das ist gut so.

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          Die Entschädigungen für das, was man als Fußballprofi imstande sein soll zu leisten, sind immens. Geld, sehr viel Geld, teilweise exorbitante Summen wandern monatlich auf die Konten der besten Spieler. Hinzu kommen das Ansehen und die Berühmtheit, die mit diesem gesellschaftlich exponierten Berufsstand einhergehen.

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          Das kann verlockend wirken und Verlockung sein, Bestätigung für das eigene Tun und für nicht wenige auch ausreichende Kompensation für das, was man im Gegenzug bereit sein muss aufzugeben. Privatsphäre etwa oder aber auch die Möglichkeit, für einen kurzen Moment kürzerzutreten, vielleicht wenn der Körper nicht mehr kann oder aber der Kopf nicht mehr will. Schließlich ist Profifußball ein leistungsorientierter Beruf. Gemessen und bewertet wird oft nur eines: die Leistung.

          Wenn also ein Spieler wie Ron-Robert Zieler, immerhin ehemaliger deutscher Nationaltorhüter und 2014 beim Weltmeister-Triumph der DFB-Auswahl in Brasilien als zweiter Ersatztorhüter dabei, in der zweiten Liga eine Saison spielt, die nicht ganz so gut war, wie sie sich das vielleicht erhofft hatten bei Hannover 96, dann ist es nur verständlich, dass dort darüber diskutiert wird. Intern, vertraulich, wie es Usus ist im „Business“ Profifußball. Dass sich nun aber Vereinspatron Martin Kind in aller Öffentlichkeit diskreditierend über den 31 Jahre alten Zieler äußert, ihm einen Wechsel empfiehlt, ihm de facto das nötige Leistungsniveau abspricht und sogar behauptet, seiner Meinung nach hätte man Zieler erst „gar nicht verpflichten dürfen“, dann ist das mehr als erstaunlich.

          Respektvoller Umgang gefordert

          Schließlich spricht Kind als Mehrheitsgesellschafter für jenen Verein, dessen an Depressionen erkrankter Torhüter Robert Enke sich vor zehn Jahren das Leben nahm. Das Spieler-Bündnis um BVB-Verteidiger Mats Hummels urteilte denn auch so: „‚Ich bin tief betroffen‘, sagte Martin Kind vor einiger Zeit in Erinnerung an den Selbstmord von Robert Enke, um jetzt Ron-Robert Zieler öffentlich zu diskreditieren. Ohne ein Mindestmaß an Anstand, Respekt und Professionalität.“

          Der Zusammenschluss, der als gemeinsame Stimme zahlreicher deutscher Fußballprofis verstanden werden will, geht sogar noch weiter und fordert zu Recht: Zwischen Spieler und Verein sollte der Umgang auch bei sportlichen Differenzen „immer respektvoll und wertschätzend sein“. Trotz der immensen Entschädigungen im „Business“ Profifußball also. Dass es überhaupt ein solches Korrektiv für die Aussagen Kinds braucht, zeigt, wie fehlgeleitet sie tatsächlich waren. Es zeigt aber auch, dass Fußballprofis nicht mehr allein sind in einer solch schwierigen Situation. Dass es Kollegen gibt, die hinter einem stehen und für einen einstehen. Und das ist gut so.

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