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Hannover-Stürmer Harnik : „Moderne und Tradition sind vereinbar“

  • -Aktualisiert am

Hannover-Profi Martin Harnik: „Ich ärgere mich selbst, dass ich so viel nachdenke“ Bild: Picture-Alliance

Martin Harnik hat nach langer Torflaute wieder für Hannover getroffen. Im Interview spricht er vor dem Spiel von Hannover 96 in Berlin über den Stimmungsboykott der Fans und einen Porsche, der ihn im Internet verfolgt.

          Mit dem Blick zurück auf mehr als 200 Bundesligaspiele: Ist Profifußballer noch ein Traumberuf für Sie?

          Definitiv. Das wird auch immer so bleiben. Selbst wenn dieser Traumberuf natürlich auch seine Schattenseiten hat und nicht immer alles so Weltklasse ist, wie man es sich als kleiner Junge vorstellt.

          Sie sind 30 Jahre alt und Familienvater. Wie groß ist die Last, im Berufsleben ständig beobachtet und beurteilt zu werden?

          Das ist eine Sache, auf die ich gerne verzichten würde. Aber man kann sich dem nicht entziehen. Ich muss das akzeptieren und kann gut damit umgehen. Wenn es sportlich brisant ist oder ich mit meiner Leistung unzufrieden bin, dann ist meine Lösung, mich ein bisschen von der Öffentlichkeit fernzuhalten.

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          Wie gelingt das?

          Ich wohne am Stadtrand von Hannover. Im Zentrum hätte ich weniger Möglichkeiten, mit meinen Hunden in den Wäldern und Feldern unterwegs zu sein. Wenn ich unzufrieden bin oder einfach keine Lust habe, beurteilt, gefragt oder angesprochen zu werden, schotte ich mich ab. Dann gehe ich mit den Hunden spazieren, bleibe zu Hause oder fahre zur Familie.

          Sie sind 2016 mit dem VfB Stuttgart abgestiegen und 2017 mit Hannover gleich wieder in die Bundesliga aufgestiegen. Wie rafft man sich auf? Wie kommt man zurück nach oben?

          Der Abstieg mit dem VfB war ein Tiefpunkt. Heute muss ich sagen: Das gehört dazu. In Stuttgart hatte es sich zwei, drei Jahre lang angedeutet, dass wir in den Abstiegskampf reinrutschen. Trotzdem: Aus der ersten Liga abzusteigen ist im ersten Moment ein Schock. Im Nachhinein und nach dem Wiederaufstieg mit Hannover 96 kann ich es ruhiger beurteilen – und auch der VfB ist ja direkt wieder hochgegangen. Der Tapetenwechsel war definitiv wichtig für mich. Sechs Jahre in Stuttgart waren eine lange und intensive Zeit mit vielen Ups und Downs. Mein Entschluss, etwas Neues zu versuchen, stand schon lange fest, bevor wir akut in den Abstiegskampf reingerutscht sind.

          In Hannover waren Sie eben noch der Aufstiegsheld und sind derzeit oft nur Ersatzspieler. Wie gehen Sie damit um?

          Ich bin gerade in einer Phase, die mich trotz meiner 30 Jahre und viel Erfahrung immer wieder zum Grübeln bringt. Ich ärgere mich selbst, dass ich so viel nachdenke. Ich hatte schon oft schlechte Phasen und bin wieder rausgekommen. Ich habe nichts verlernt. Aber manchmal will es einfach nicht sein. Man hinterfragt dann: Liegt es an der Ernährung? An der Frisur? Am Schlaf? Ich bin eigentlich an dem Punkt angekommen, an dem ich sage: Mach dich davon frei, mach deinen Job. Das, wonach jeder sucht, ist Konstanz. Dass ich die noch nicht so erreicht habe, wie ich es mir wünsche, ärgert mich maßlos.

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          Sie loben den Teamgeist bei Hannover 96. Aber der Verein ist in ständiger Unruhe, weil sich ein Teil der Fans mit Präsident Martin Kind streitet. Kann man das als Spieler sachlich trennen und sich auf seinen Job konzentrieren?

          Zwischen Spielern und Fans gibt es in dieser Saison eine gewisse Distanz, was schade ist. In Stuttgart haben wir als Mannschaft aktiv versucht, auf die Fans zuzugehen. Besonders auf die aktive Fanszene, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Damit beide Seiten wissen: Was sind das für Menschen? Sonst wird zu viel in Schubladen gedacht. In der einen sind die Ultras, in der anderen die Profis. Das ist bei Hannover 96 ähnlich. Im Sommer-Trainingslager am Wörthersee sind wir mit 96-Anhängern über den See geschippert. Da waren einige aus der Ultra-Szene dabei. Es war sehr nett. Man konnte sich austauschen und hat gesehen, dass die Profis gar nicht so steif oder unnahbar sind. Wir Spieler haben umgekehrt interessante Menschen kennengelernt. Der Stimmungsboykott der Ultras, den es in Hannover gibt, ist total blöd für uns. Er vergrößert die Distanz zwischen Mannschaft und Fans. Wir sitzen am Ende des Tages alle im selben Boot und wollen Erfolg mit dem Verein. Aber diejenigen, die die Stimmung im Stadion boykottieren, wirken dem entgegen.

          Als Publikumsliebling und Profi mit Profil wären Sie der ideale Vermittler zwischen Fans und Vereinsführung.

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