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Hannover 96 : Slomkas Unterschrift fehlt, nur die Handschrift ist klar

  • -Aktualisiert am

Lässt Hannover zappeln: Mirko Slomka Bild: dapd

Die Vertragsverhandlungen mit Trainer Slomka ziehen sich. Nicht vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Schalke, sondern erst Anfang der Woche will der Fußballlehrer eine Entscheidung treffen. Nun brodelt die Gerüchteküche.

          Wenn sich Vertragsverhandlungen so lange hinziehen, brodelt die Gerüchteküche. Das ist in Hannover nicht anders als an anderen Bundesliga-Standorten. Und so kommt es, dass die Partie des VfL Wolfsburg am Samstagnachmittag beim FSV Mainz 05 in Hannover mit großer Spannung beäugt werden wird – vor allem im Falle einer Wolfsburger Niederlage. Das Gerücht geht nämlich so: Mirko Slomka hat seinen Vertrag als Trainer von Hannover 96 nur deswegen noch nicht unterschrieben, weil er ein Angebot vom VfL Wolfsburg erhalten hat, wo er im Falle weiterer Erfolglosigkeit des englischen Kollegen Steve McClaren zu viel besseren Bedingungen und für mehr Geld arbeiten können soll als in Hannover. Also spielt Slomka seinem Arbeitgeber gegenüber auf Zeit und wartet ab, bis der VfL nicht mehr anders kann, als sich von McClaren zu trennen.

          Slomka hält das für großen Quatsch und ärgert sich über dieses zähe Gerücht. Aber seine Teilzusage vom Donnerstag lässt eben Raum für Spekulationen: „Anfang der nächsten Woche fällt eine Entscheidung“, sagte der 43 Jahre alte Fußball-Lehrer, „und es wäre schon kurios, wenn es nicht so käme.“ Wenn es nicht zu seiner Unterschrift käme, meint Slomka. Aber warum unterzeichnet er den seit Mittwochabend ausformuliert vorliegenden Kontrakt nicht schon jetzt, warum hat er es nicht getan in den Tagen vor dem Spiel gegen seinen alten Verein FC Schalke 04 an diesem Samstag? Weil das Gezerre um das Arbeitspapier natürlich längst öffentlich geworden ist und auch im öffentlichen Raum ausgetragen wird, ist der überraschende Höhenflug der „Roten“ etwas in den Hintergrund gerückt – schade eigentlich für diese austrainierte und gefestigte Mannschaft, die auf Rang zwei steht und zuletzt beim 3:0 in Frankfurt am Sonntag durch ihre Cleverness beeindruckte.

          Slomka war nie der Wunschtrainer des Präsidenten

          Auch vor dieser Partie hielt das Tauziehen um den Erfolgstrainer die Fans der 96er in Atem. Völlig überraschend hatte Slomka den Präsidenten Martin Kind am Montag vor dem Eintracht-Spiel um eine Freigabe gebeten. Das war wohl allerdings eher symbolisch gemeint, nach dem Motto: Wenn der Vertrag nicht bald nach meinem Geschmack verfasst wird, bin ich weg. Ein vorzeitiger Abschied aus Hannover sei nie ein Thema gewesen, sagt Slomkas Berater Harun Arslan. Und da Slomka auch hervorhob, nicht pokern zu wollen, fragte man sich, was diese Aktion sollte.

          Hannover-96-Präsident Martin Kind ist zunehmend verärgert

          In Kind hat er jedenfalls einen Verhandlungspartner, der die Causa Slomka sehr leidenschaftslos behandelt. „Wenn er hier in Hannover nicht glücklich ist, muss er seine notwendige Entscheidung treffen“, sagte Kind. Slomka war nie sein Wunschtrainer, doch jetzt, nach der Verhinderung des Abstiegs in der vergangenen Saison und der wundersamen Erfolgsserie der vergangenen Monate, scheint Slomka in Hannover über jeden Zweifel erhaben. Die Mannschaft ist austrainiert wie nie, sie trägt im Spiel Slomkas Handschrift, das Zerwürfnis vom Saisonbeginn mit Sportchef Jörg Schmadtke ist beigelegt.

          Viel zu entdecken in Hannovers Low-Budget-Kader

          Am Donnerstag hat Slomka den Zeitplan bis zur Unterschrift vorgegeben. Er wolle sich zunächst auf das Schalke-Spiel konzentrieren und dann am Sonntag den neuen Vertrag „in Ruhe“ durchlesen. Man habe mittlerweile alle Wünsche und Anregungen Slomkas umgesetzt, sagt Kind über das Papier, das Slomka bis 2013 an Hannover 96 binden soll. Der Trainer fragt sich: Warum nicht gleich so? „Es ist kurios, dass ich jetzt so doof dastehe, weil jeder denkt, dass ich um Geld pokere“, sagt Slomka, „dabei bin ich bei weitem kein Großverdiener. Es ist lediglich das schriftlich fixiert worden, was wir am 15. Dezember besprochen haben.“

          Wenn sich der Rauch verzogen hat und Anfang der Woche das zu Erwartende geschieht, wird sich der Blick wieder auf die Mannschaft richten. Auf Torwart Ron-Robert Zieler, den bis letzten Sonntag nur Eingeweihte kannten, auf die Stützen Haggui, Schulz, Pinto und die beiden Stürmer Abdellaoue und Ya Konan. Es gibt viel zu entdecken in diesem Low-Budget-Kader, den Schmadtke mit geringen Möglichkeiten zusammengestellt hat und aus dem Slomka gerade das Größtmögliche herausholt. Slomka sagt: „Wir sind dabei, Spieler wie Schulz, Haggui, Fromlowitz und andere weiter von Hannover zu begeistern. Das ist nicht einfach, weil gute Ergebnisse immer Begehrlichkeiten und das Interesse anderer Vereine wecken.“ Mirko Slomka weiß, dass das auch für ihn gilt. Insofern wäre seine Unterschrift eine gute Botschaft an die besten Spieler im Kader, die man gern halten würde.

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