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Hannover 96 : Slomka folgt Bergmann

  • -Aktualisiert am

Nachfolger von Bergmann: Mriko Slomka ist nach zwei jahren Arbeitslosigkeit wieder in der Bundesliga Bild: dpa

Das Experiment ist beendet, die Verlegenheitslösung gescheitert: Nach 153 Tagen als Trainer von Hannover 96 wurde Andreas Bergmann entlassen. Neuer Mann auf der Trainerbank ist Mirko Slomka.

          Es wäre übertrieben zu sagen, sein Wohnsitz habe den Ausschlag gegeben. Doch sicherlich war es ein Vorteil Mirko Slomkas, in Hannover heimisch zu sein. Der 42 Jahre alte Fußball-Lehrer hat die Jugend von Hannover 96 fast zehn Jahre lang trainiert, er war Assistent der Profis unter Trainer Ralf Rangnick von 2001 bis 2004 - soviel Lokalkolorit, Kenntnisse des Umfelds und nachgewiesene Vereinsidentifikation waren die entscheidenden Argumente für den zuletzt zwanzig Monate arbeitslosen Trainer: am Dienstagabend gab Hannover 96 bekannt, dass Slomka die „Roten“ ab sofort anleitet und schon beim Spiel in Mainz auf der Bank sitzen wird. Slomka erhält einen Vertrag bis zum Juni 2011.

          Mal wieder ist man in Hannover überzeugt, den richtigen Mann für die Bank gefunden zu haben. „Slomka hat eine Geschichte in Hannover, er hat uns ein überzeugendes Konzept vorgelegt und besitzt Visionen für die Zukunft“, sagte Martin Kind, der Präsident des niedersächsischen Bundesligaklubs. Slomka solle den Verein nicht nur kurzfristig vor dem Abstieg bewahren, assistierte Sportchef Jörg Schmadtke, „er soll die Mannschaft der Zukunft entwickeln.“ Eine große Aufgabe also für den Mann, der einst den FC Schalke in die Champions League führte. Slomka war in Hannover schon im August gehandelt worden, als 96 einen Nachfolger für den gefeuerten Dieter Hecking suchte. Damals entschied sich Kind für die interne Lösung Andreas Bergmann. Gewissermaßen im zweiten Anlauf ist Slomka nun Trainer bei „seinem“ Klub geworden.

          Am Dienstag versprühte der neue Chef erst einmal gute Laune und Zuversicht: „Wir müssen uns jetzt schnell aneinander gewöhnen. Ich bin überzeugt, dass wir den Schritt nach oben schnell gemeinsam gehen werden.“ Slomka hatte auch deshalb von vornherein gute Chancen, weil er weder klassischer Feuerwehrmann noch Zwischenlösung für ein paar Spiele ist. Denkbar, dass er sogar im Falle des Abstiegs und Neuaufbaus bliebe. Mit seiner positiven Ausstrahlung auf die verunsicherte Mannschaft und einem guten Händchen für die Medien scheint er für den Moment der ideale Mann für Hannover 96 zu sein. Trainer-Rentner Hans Meyer soll dem Vernehmen nach am Montagabend abgesagt haben. Er galt als Kinds Favorit.

          Nicht mehr Trainer bei Hannover 96: Andreas Bergmann

          Bergmann galt als Trainer auf Abruf

          Das war Andreas Bergmann nie gewesen. Warum Hannover sich am Dienstagmorgen nach nur 16 Bundesliga-Spielen von Bergmann trennte, begründete Schmadtke so: „Die Leistungen der Mannschaft in den vergangenen drei Spielen waren unisono schlecht und wurden von Mal zu Mal sogar noch schlechter. Nach inzwischen sieben Spielen ohne Sieg hatten wir nicht mehr das Gefühl, dass Andreas Bergmann der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann.“ Hannover 96 hatte die letzten drei Spiele gegen die Konkurrenten im Abstiegskampf aus Gladbach, Bochum und Berlin nach teilweise blamablen Leistungen verloren und war auf den Relegationsrang 16 gerutscht.

          Unter Bergmann etablierte sich Hannover zunächst im Mittelfeld, gewann nach dem Suizid Robert Enkes Mitte November 2009 aber kein Spiel mehr. Zuletzt hatte Präsident Kind ihn zu Jahresbeginn kritisiert und gefordert, Bergmann müsse „härter arbeiten und stärker handeln.“ Spätestens seitdem galt Bergmann in der Szene als Trainer auf Abruf, erst recht, nachdem Sportchef Schmadtke nach einer Testspielniederlage gegen Union Berlin wenig später laut die Einstellung der ganzen Mannschaft kritisierte und Bergmann schweigend daneben stand.

          Vielleicht konnte Bergmann nur scheitern

          In den letzten Wochen hatte Bergmann hilflos gewirkt, auch darin, eine Mannschaft zu führen, deren bester und bekanntester Spieler Suizid begangen hat. Vielleicht kann man daran als Trainer nur scheitern. Bergmann sagte: „Wir hatten immer große personelle Probleme, aber ich habe nie gejammert. Dann ist etwas passiert, das ich keinem Trainer wünsche. Wir waren bis dahin auf einem sehr guten Weg und mussten anschließend schwierige Umstände bewältigen.“ Insofern dürfte Bergmann auch an einer Situation gescheitert sein, für die er selbst gar nicht verantwortlich gemacht werden kann - in den Tagen nach Enkes Freitod auf den Bahngleisen war der eher ruhige und zurückhaltende Trainer noch für seine menschliche und kommunikative Art gelobt worden; Eigenschaften, die ihm neben der Bundesliga-Unerfahrenheit nun zum Nachteil ausgelegt werden.

          Bergmann hatte sich bei Vertragsunterschrift im August 2009 zusichern lassen, in seinen alten Job als U23-Trainer und Nachwuchskoordinator bei 96 zurückzukehren. Dass es eben auch am fehlenden Vertrauen in ihn lag, die Wende herbeizuführen, beklagte Bergmann am Dienstag: „Schade, dass ich nicht den Kredit hatte, die Krise zu meistern. Ich war davon ausgegangen, dass ich am Samstag in Mainz auf der Bank sitze und die Chance bekomme, mit dem Team die Kurve zu kriegen.“ Slomka übernimmt nun eine Mannschaft, die als Anwärter für einen Mittelfeldplatz unvorbereitet in größte Not geraten ist. Erfahrungsgemäß sind solche Teams am schwersten vor dem Abstieg zu retten.

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