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Hannover 96 : Finstere Bilanz - auch für Slomka

  • -Aktualisiert am

Mirko Slomka hat sich in Hannover nicht nur Freunde gemacht Bild: ddp

Der Trainer von Hannover 96 drischt auf seine Mannschaft ein - und kämpft um die eigene Reputation. Der Rundumschlag soll Stärke suggerieren. Er verrät aber auch, wie weit der Trainer von seinen verunsichterten Spielern entfernt ist.

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          Freundlich im Ton und doch irgendwie kühl und unnahbar, so wirkte Mirko Slomka seinerzeit. Damals, lang scheint's her, als er den FC Schalke 04 in der Spielzeit 2006/07 beinahe zur ersten deutschen Fußballmeisterschaft seit 1958 geführt hätte. Der Slomka von heute hat sich nicht allzu weit vom Slomka der Erfolgsjahre entfernt: Noch immer klingt sein Parlando entspannt, noch immer versteht er es, auch Plattitüden als fachlich bedeutsame Erkenntnisse zu formulieren, und noch immer umweht seine professionellen Auftritte ein Hauch von Eiseskälte.

          Aus dem Erfolgstrainer ist aber inzwischen ein Misserfolgstrainer geworden. Lange auf Arbeitssuche nach den schönen Jahren „auf“ Schalke und inzwischen auf Punktesuche nach fünf schweren Niederlagen als Coach von Hannover 96, kämpft Slomka in seiner Heimatstadt auch um seine persönliche Reputation.

          Acht Spiele, null Punkte

          Beim 1:4 in Dortmund am Samstag hieb dieser Niedersachse mit dem abgeschlossenen Lehramtsstudium in Mathematik auf seine Spieler ein wie nie zuvor. Und das in einer Woche, da die nach dem Freitod von Torhüter Robert Enke aus den Fugen geratene Fußballwelt bei Hannover 96 mit Hilfe zweier Psychologen Stück für Stück wieder instandgesetzt werden soll. Der früh ergraute Trainer indes war so weit wie nie von einem feinfühligen Umgang mit seinen verunsicherten Spielern entfernt. Den zahlreichen Fehlerverursachern in seinem Team drohte er mit Auswechslung.

          Ein Hauch von Eiseskälte: Slomka und seine Spieler

          Als ob Slomka bei seinem abstiegsreifen Kader aus dem Vollen schöpfen könnte. Der Trainer, der dem leidlich erfolgreichen Andreas Bergmann (16 Punkte aus 16 Spielen) folgte, wird längst mit der längsten hannoverschen Sieglosserie seit 24 Jahren identifiziert. Acht Spiele, null Punkte, davon fünf unter Slomka: Diese „finstere Bilanz“, so der Trainer selbst, ist niederschmetternd und könnte, so sie fortgesetzt wird, zu einem persönlichen Karriereknick bei einem Fußballlehrer führen, der es trotz vieler Siege mit den Schalkern nicht geschafft hat, zu einem Markenzeichen der Liga zu werden.

          Slomkas Dennoch-Zuversicht

          Slomka sagen sie im Revier eine gewisse Doppelzüngigkeit nach, und auch in Hannover hat er sich nicht nur Freunde gemacht, als er gemeinsam mit Manager Jörg Schmadtke in der Winterpause den Versuch unternahm, den Cottbuser Torwart Gerhard Tremmel als neue Nummer eins nach Hannover zu lotsen. „Man ist ein Mensch, und man macht sich Gedanken, warum das Vertrauen von heute auf morgen weg sein soll“, reagierte Florian Fromlowitz, der Nachfolger von Enke, auf diesen dann doch gescheiterte Annäherungsversuch.

          In Dortmund wirkte Fromlowitz mit einer starken Leistung überzeugender als Slomka mit seinem Stärke suggerierenden Rundumschlag gegen die eigene Mannschaft. Manager Jörg Schmadtke, sichtlich angefressen ob der jüngsten Schlappe, reagierte dünnlippig auf die Frage, ob der Verein daran denke, noch einmal den Trainer zu wechseln. „Nein“, sagte er kurz angebunden. Slomka, der dritte Mann nach Hecking und Bergmann, bewahrte sich seine Dennoch-Zuversicht. „Ich bin ziemlich sicher“, sagte er, dass wir es am Ende schaffen, weil wir Maßnahmen eingeleitet haben, die mittelfristig greifen.“ Kurzfristig wäre besser, denn der mittelfristige Aufschwung könnte für Hannover 96 schon viel zu spät kommen.

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