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Hannover 96 : Das Vertrauen in Trainer Dieter Hecking schwindet

  • -Aktualisiert am

Trennen sich die Wege von Trainer Hecking und den Spielern von Hannover 96 schon bald? Bild: dpa

Die Bundesliga-Saison hat noch gar nicht begonnen, schon steht Hannovers Trainer Dieter Hecking nach der Pokalblamage in Trier unter Druck. Alle Brennpunkte der Vorsaison sind zurückgekehrt und der Name Mirko Slomka geistert durch die Stadt.

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          Eigentlich sollte die Woche geruhsam beginnen für Dieter Hecking und seine Mannschaft. Der Trainer von Hannover 96 wollte mit niedersächsischen Sportjournalisten Golf im schönen Nörten-Hardenberg nahe Göttingen spielen, seinen Profis hatte er einen freien Tag versprochen. Doch schon am Sonntagabend war zu erahnen, dass aus diesem entspannten Wochenbeginn nichts werden würde bei den „Roten“.

          Nach dem peinlichen 1:3 in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Eintracht Trier strich Hecking seinen Spielern den arbeitsfreien Montag und verzichtete auf die Kontaktpflege mit den Reportern (siehe auch: DFB-Pokal: Hannover verliert bei Mario Basler). Vielleicht aber werden seine Worte und Taten ohnehin nicht mehr lange gefragt sein – nach einer Woche mit drei Niederlagen wackelt Heckings Stuhl bei Hannover 96 schon, bevor die neue Saison der Fußball-Bundesliga überhaupt begonnen hat (siehe auch: Fußball: Mainz entlässt Trainer Andersen). Torwart Robert Enke sagte: „Wir haben uns die unruhigste Woche beschert, die man sich denken kann.“

          Erst die Testspielniederlage bei Anker Wismar (Verbandsliga), dann ein vergleichsweise harmloses 0:1 gegen den FC Arsenal, nun die böse Pleite beim Regionalliga-Klub Trier – der gesamte Vertrauensvorschuss für Hecking und seine nur leicht veränderte Mannschaft ist dahin. Die Abwehrpatzer, die Auswärtsschwäche, die Systemfrage: Alle Brennpunkte der Vorsaison sind zurückgekehrt. Und schon geistert der Name Mirko Slomka durch die niedersächsische Landeshauptstadt.

          Während Eintracht Trier sich über den Pokalcoup freut, steht Hannover vor schweren Zeiten

          „Der eine oder andere muss mal seinen Hintern bewegen“

          Für Hecking ist es deswegen noch unruhiger als in der vergangenen Saison – in der Präsident Martin Kind zu ihm hielt und ihn trotz schwacher Ergebnisse nicht entließ –, weil es inzwischen wieder einen Sportchef gibt. Von Februar bis Saisonende hatte Hecking beide Posten bekleidet, weil Christian Hochstätter entlassen worden war. Nun aber ist Jörg Schmadtke da. Und mit ihm markige Worte. „Bei uns hat Qualität gefehlt. Wenn man sich als Bundesligaspieler von Feierabendfußballern so abkochen lässt, muss man sich überlegen, ob man den richtigen Job hat“, schimpfte Schmadtke.

          Auch Hecking stimmte ein und kritisierte die Mannschaft hart: „Der eine oder andere muss auch mal seinen Hintern bewegen, sonst wird es in der Bundesliga ganz eng für uns.“ Allerdings würde es zuallererst eng für Hecking selbst werden, sollte die Saison mit Niederlagen bei Hertha BSC Berlin und gegen den FSV Mainz 05 beginnen. Weil Schmadtke zur Not für ein paar Tage als Trainer einspringen könnte, dürfte Präsident Kind trotz der bislang vorbildlichen Geduld mit seinem Wunschtrainer Hecking kaum mehr zögern, ihn zu entlassen. Bei Fans und Medien hat Hecking keinen Kredit mehr.

          Dabei sollte doch in diesem Jahr vieles besser werden. Das Training härter, das System offensiver, die Abwehr stabiler und die Erwartungen des Umfeldes wegen geschrumpfter Finanzen geringer. Hecking selbst ist froh, dass er in Schmadtke jemanden hat, der sich um Verträge und Transfers kümmert. Sie kennen sich ja aus gemeinsamen Aachener Zeiten. Doch es ist jetzt eben auch jemand da, der seine Arbeit kritisch beäugt und in ständigem Kontakt zum Präsidenten steht. Bislang hat Schmadtke öffentlich kein kritisches Wort über Hecking verloren. Erfahrungsgemäß dürfte es bei einem Fehlstart in die Saison aber bald erste Absetzbewegungen geben.

          „Der Warnschuss ist wohl nicht bei allen angekommen“

          In Trier fehlten Hannover 96 sechs verletzte Profis – auch das eine Lage, die einem aus der Vorsaison merkwürdig vertraut vorkommt. Heckings Training gilt nicht als übermäßig anstrengend, trotzdem häuften sich zuletzt die Muskelverletzungen in einem ungewöhnlichen Ausmaß.

          Auch ohne sechs sollte es eigentlich langen für einen Bundesliga-Vertreter bei Mario Baslers Trierern – tat es aber nicht, weil Hannover nach dem 1:0 durch Rosenthal (40. Minute) das Spielen einstellte und sich von der kämpferischen Eintracht durch die Treffer von Wagner, Cinar und Senesie besiegen ließ (61., 65. und 90.). Nur Robert Enke genügte bei der Blamage im Moselstadion höheren Ansprüchen. „Der Warnschuss aus dem Wismar-Spiel ist wohl nicht bei allen angekommen“, sagte er, „so wird es ganz schwer in der Bundesliga.“

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