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Hannover 96 : Bergmanns Chance

  • -Aktualisiert am

Der Neue an der Leine: Andreas Bergmann ist Nachfolger von Dieter Hecking - zuminest vorläufig Bild: dpa

Hannover 96 übt sich nach dem Rücktritt des amtsmüden Trainers Dieter Hecking in Geduld. Auch der vorläufige Nachfolger Andreas Bergmann darf längerfristig auf den Chefposten hoffen.

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          So hektisch, wie es in den ersten Stunden nach dem großen Knall zuging, so ruhig will der Fußball-Bundesligaklub Hannover 96 die Suche nach einem Nachfolger des am Mittwochabend zurückgetretenen Trainers Dieter Hecking angehen. (siehe: Hannover 96: Trainer Hecking tritt zurück) Am Samstag in Nürnberg wird zunächst Andreas Bergmann, bisher zuständig für die „U 23“-Mannschaft des Vereins in der Regionalliga, auf der Bank Platz nehmen.

          Der Fünfzigjährige, der im Profifußball zwischen 2004 und 2006 Erfahrung als Coach des Zweitliga-Teams vom FC St. Pauli sammelte, leitet seit Donnerstag das Training. Ob Bergmann zur Dauerlösung bei den Niedersachsen wird, scheint angesichts knapper Klubkassen möglich. „Für die nächsten zwei Spiele“ zumindest habe man sich auf den Mann aus den eigenen Reihen verständigt, ließ Manager Jörg Schmadtke wissen. „Auch vom Erfolg wird dann abhängen, ob es zu einem langfristigen Engagement kommen kann.“

          Der Vereinsvorsitzende Martin Kind jedenfalls erteilte einer schnellen Entscheidung eine Absage. „Wir werden für die Trainersuche Zeit brauchen und uns diese auch nehmen, mehrere Alternativen prüfen und mit mehreren Kandidaten sprechen“, hob der Hörgeräte-Unternehmer hervor, der erst im Frühjahr bei der Auswahl des neuen, schließlich in Schmadtke gefundenen Managers eine ähnliche Taktik bei der Kandidatenkür praktiziert hatte. Spekulationen gibt es dennoch. Seit Wochen kursiert der Name des früheren Schalker Trainers Mirko Slomka, der in Hannover lebt, als möglicher Hecking-Nachfolger. Auch der in Frankfurt zurückgetretene Friedhelm Funkel spielt offenbar in den internen Gedankenspielen zumindest eine Rolle.

          Alles im Griff: Hannovers neuer Trainer Bergmann

          Bergmann jedoch zunächst in Nürnberg und im anschließenden Heimspiel gegen Hoffenheim zu vertrauen, ergibt einen Sinn: Im Anschluss an diese zwei Partien legt die Bundesliga eine zweiwöchige Länderspielpause ein, in der ein möglicher neuer Mann ideal eingeführt werden könnte.

          Hecking: „Es war ein konsequenter Schritt“

          Mitte der Woche hatten sich die Ereignisse in Hannover überschlagen. Während Kind, Schmadtke und auch Trainer Hecking selbst vor ihrer turnusmäßigen Zusammenkunft zur Analyse der Situation unisono betont hatten, dass es zu keinen personellen Veränderungen kommen werde, gewann der Coach während der Sitzung des Trios wohl die Überzeugung, sein Amt besser zur Verfügung zu stellen. „Es war spontan, aber dennoch ein konsequenter Schritt. Ich hatte am Ende einfach das Gefühl, als derjenige dazustehen, der alles bremst. In den vergangenen Tagen hatte sich viel aufgestaut“, kommentierte Hecking in der Online-Ausgabe des „Kicker“ seinen Rücktritt am Tag danach. Die Situation sei sehr unübersichtlich geworden, vor allem durch die schlechten Ergebnisse seiner Mannschaft, die zunächst im Pokal am Viertligaklub Eintracht Trier (1:3) gescheitert war und anschließend in der Liga bei den Partien gegen Hertha BSC (0:1) und Neuling Mainz (1:1) nur einen Punkt geholt hatte.

          Der in Hannover erhoffte Neubeginn nach einer problematischen Vorsaison 2008/09, in der Hecking schon wiederholt zur Zielscheibe der Kritik geworden war, misslang somit. Das führte im ersten Heimspiel am vorigen Wochenende zu lautstarken Missfallensbekundungen der Fans gegenüber Hecking.

          Kein Vertrauen mehr in Hecking

          Sein nun vollzogener Schritt allerdings habe nichts damit zu tun gehabt, „dass mich die ständige Kritik angeblich mürbe gemacht hätte und ich dem Druck nicht mehr standhalten würde“, sagt Hecking. „Ich wollte auf jeden Fall eine freie Entscheidung treffen, selbst etwas machen und nicht warten, bis etwas mit mir gemacht wird.“ Wenn der Trainer das Problem gewesen sei, habe er nun zum Wohl des Vereins den Weg frei machen wollen.

          Mutmaßungen, Hecking sei intern zu seinem Rückritt als eleganteste Variante eines Abgangs gedrängt worden, weisen alle Seiten zurück. Dennoch war es offenbar das fehlende, bedingungslose Vertrauen der Führungsspitze um Kind und Schmadtke, die Hecking bei seiner Entscheidung beeinflusste. Fehler in der Zusammenstellung des Personals, das der Vierundvierzigjährige in den vergangenen Jahren mit dem ehemaligen Manager Christian Hochstätter nach Hannover holte, schlechtes Krisenmanagement im Umgang mit den zahlreichen, gravierenden Verletzungen innerhalb der zumindest in wichtigen Teilen trainerkritischen Mannschaft und schließlich die jüngsten Misserfolge führten letztlich dazu, dass Hecking die von ihm gewünschte Rückendeckung in Gestalt einer langfristigen Jobgarantie nicht mehr bekam. Der Aussteiger sagte abschließend: „Es machte doch keinen Sinn, immer nur weiter von Spiel zu Spiel zu denken und das Trainerthema jede Woche aufs Neue zu bewerten.“

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