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Topspiel gegen Köln : Absolut heiß auf den HSV

  • -Aktualisiert am

Guter Start in Hamburg: Trainer Hannes Wolf. Bild: dpa

Vor kurzem übernahm Hannes Wolf die Hamburger vom entlassenen Trainer Christian Titz. Die erste Woche kann sich sehen lassen. Nun aber wartet das Topspiel der zweiten Bundesliga auf den HSV.

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          Kürzlich hat Ralf Becker der „Morgenpost“ erklärt, wie ihm dämmerte, dass Trainer Christian Titz vielleicht doch nicht (mehr) der Richtige sei. Er hatte sich das müde 0:0 gegen den VfL Bochum am 21. Oktober im Stadion angesehen und fand es zunächst gar nicht so schlimm. Aber die Analyse auf der heimischen Couch ließ die Alarmglocken schrillen beim neuen Sportchef des Hamburger SV. Kurios, dass Becker der Stadioneindruck nicht reichte, denn die Ideenlosigkeit war jedem Zuschauer in der Arena aufgefallen. Dass es erst recht keinen Plan gab, was mit dem Ball in Tornähe anzufangen sei, hatten aufmerksame Beobachter schon davor beim ebenfalls tristen 0:0 gegen den FC St. Pauli registriert.

          2. Bundesliga

          Womöglich wollte Becker aber auch nur verdeutlichen, dass die Entlassung des eben noch gefeierten und bei den Fans beliebten Titz kein „Schnellschuss“ war, sondern am Ende eines Prozesses stand. Jedenfalls hat Becker danach so schnell Hannes Wolf vorgestellt, dass es erste Gespräche zwischen den beiden kaum erst am Sonntagabend gegeben haben wird.

          Und nun ist dieser Hannes Wolf also da. Jungenhaft, witzig, schlagfertig wirkt der frühere Stuttgarter Profi- und Dortmunder Nachwuchstrainer, wobei das nicht die Eigenschaften sind, die Becker und Vorstand Bernd Hoffmann überzeugten. Der 37 Jahre alte Coach ist weit weg vom Dogma des Trainers Christian Titz, dessen Ballbesitzfußball in den letzten HSV-Spielen der Bundesligasaison 2017/18 doch einen Rest Hoffnung spendeten, den Verein befriedeten und einen Abstieg in Würde ermöglichten. Das sind Verdienste, die Titz einerseits hoch anzurechnen sind, ihm andererseits nach einer wenig überzeugenden Zweitligasaison nichts mehr genützt haben.

          Typisch HSV? Nicht ganz. Dankbarkeit bringt nichts, wenn man hoch verschuldet ist und im Jahr 2019 weitere Finanzfallen lauern. Auf Stürmer Pierre-Michel Lasogga zu verzichten und von kleinen Retuschen abgesehen weiter sehr riskant und sehr langsam spielen zu lassen, waren Risiken, auf die Becker Titz hingewiesen hatte, der sie aber nicht abstellen konnte/wollte. Wolf tritt wie ein Pragmatiker auf. Torwart Pollersbeck von der wackligen Libero-Position zurück ins Tor, Stürmer Lasogga nach vorn in die Mitte, ansonsten etwas mutiger anlaufen, aber auch dem Gegner mal den Ball lassen – denn der weiß wie beim Auswärtssieg in Magdeburg bei Wolfs erstem Spiel als HSV-Trainer wenig bis nichts mit dem Spielgerät anzufangen. Beim 3:0 im Pokal in Wehen paarten sich Abschlussstärke und Spielglück, und der HSV erreichte das Achtelfinale. Es war eine gute erste Woche für Hannes Wolf.

          Wolf ist mit Stuttgart 2017 aufgestiegen und könnte mit einem Sieg im Absteigerduell an diesem Montagabend gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Fußball-Bundesliga und bei Sky) dem erwarteten Hamburger Saisonziel ein Stückchen näher kommen. Dass er „muss“, dass von ihm und seiner Mannschaft nichts anderes erwartet wird als ein souveräner Aufstieg, empfindet er nicht als Druck, sagt Wolf. Im Gegenteil – er sei „absolut heiß“, wieder im Fußballgeschäft mitzumischen. Dass der HSV schon andere anpackende Frohnaturen kleingekriegt hat, wird Wolf wissen.

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