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Handspiel in der Bundesliga : Besser das Handbuch vorher lesen

  • -Aktualisiert am

Handspiel? Handspiel! Diese Entscheidung sorgt immer wieder für Debatten in der Bundesliga. Bild: Picture-Alliance

Viele empörte Fußballfreunde, die sich gerne über Schiedsrichter und die Regeln auslassen, sahen zuletzt vergnügliche Bundesliga-Spiele. Hinter der Debatte um das Handspiel steckt allerdings eine bemerkenswerte Ignoranz.

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          Hinter den vielen empörten Fußballfreunden, die sich gerne über die Unvollkommenheit der Schiedsrichter und des Regelwerks auslassen, liegt ein vergnügliches Bundesliga-Wochenende. Es gab etliche Handspielentscheidungen, die bei manchem Beteiligten das Gefühl bestärkte, die berühmte Regel 12 sei eine Farce. Er habe „viele, viele, viele Fragen“, zürnte der Dortmunder Trainer Lucien Favre.

          Bundesliga

          Sportdirektor Michael Zorc klagte über „viele teilweise spielentscheidende Szenen, die gegen uns getroffen wurden“, das sei „in der Summe nicht nachvollziehbar“. Kommentatoren unterschiedlichster Medien stimmten zu. Karl-Heinz Riedle, ein Weltmeister von 1990, scherzte bei „Sky 90“: „Man braucht ein Handbuch, wenn man ins Stadion geht.“

          Es ist eine bemerkenswerte Ignoranz, die hinter diesen Debatten steckt. Denn die beiden meistdiskutierten Entscheidungen – das annullierte Tor von Raphael Guerreiro für den BVB und der Elfmeter, den Schalke 04 nach einem Handspiel des Leverkusener Verteidigers Edmond Tapsoba zugesprochen bekam – waren nicht nur richtig. Sie waren deshalb korrekt, weil das Regelgremium (Ifab) vor der Saison genau das getan hatte, was jetzt wieder alle hysterisch fordern: Klarheit schaffen.

          Niemand verstehe mehr, wie die Regel funktioniere, rufen Trainer, Spieler, Funktionäre, Experten und Kommentatoren schon lange, weil es so viele Interpretationsspielräume und Graubereiche beim Handspiel gebe. Vor der Saison wurden genau diese Spielräume verkleinert, um zumindest in einigen Szenen für Eindeutigkeit zu sorgen. „Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler in Ballbesitz gelangt, nachdem ihm der Ball an die Hand/den Arm springt und er danach ins gegnerische Tor trifft“, beschlossen die Regelhüter im Sommer.

          Dem Videoschiedsrichter Deniz Aytekin blieb daher gar nichts anderes übrig, als Guerreiros Tor zu annullieren, nachdem er ein TV-Bild mit dem Kontakt zwischen dem Oberarm des Spielers und dem Ball gefunden hatte. Statt das anzuerkennen, brachten die Dortmunder die Situation mit vollkommen anders gelagerten Szenen in Verbindung. Sie sind zu Recht wütend, dass das Handspiel von Jerome Boateng im meisterschaftsentscheidenden Spiel gegen die Bayern übersehen wurde. Aber dieser Fall lag ganz anders. Wer so ungenau mit den Regeln umgeht, vergrößert das Problem, statt zur Lösung beizutragen.

          Auch auf Schalke schienen am Sonntag weder die Beteiligten noch so mancher Experte zu wissen, dass der vorliegende Fall seit Saisonbeginn keine Spielräume für Diskussionen lässt: Wenn sich die Hand oder der Arm eines Spielers im Moment der Ballberührung „über Schulterhöhe befindet“, wird Elfmeter oder Freistoß gepfiffen. Fertig. Eigentlich müssten die Kritiker sich freuen: Endlich wird etwas einfacher.

          Doch leider scheint es niemand mitzubekommen, was auch daran liegt, dass den Schiedsrichtern das Selbstvertrauen fehlt, ihre Entscheidungswege schnell und gut verständlich transparent zu machen. Durch eine sofortige und mit einer Erklärung versehene Veröffentlichung der Bilder, auf deren Grundlage etwas entschieden wurde. Aber offenbar ist die Angst zu groß, dass dabei gelegentlich peinliche Fehlerketten vor Fehlentscheidungen sichtbar werden könnten, die es eben auch gibt.

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