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Turbulenzen beim VfB : Schwäbische Handbremse

  • -Aktualisiert am

„Der VfB Stuttgart befindet sich in der größten internen Krise, die dieser Verein in seiner auch in der Vergangenheit lebhaften Geschichte erlebt hat“: Claus Vogt Bild: dpa

Beim VfB Stuttgart tobt ein Machtkampf. Nun will der Vereinspräsident die Mitgliederversammlung verschieben. Doch er argumentiert fadenscheinig. Dem Klub steht eine Zerreißprobe bevor.

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          „Der VfB Stuttgart befindet sich in der größten internen Krise, die dieser Verein in seiner auch in der Vergangenheit lebhaften Geschichte erlebt hat.“ Das sagt der Präsident ebenjenes Vereins, des VfB Stuttgart. An Deutlichkeit ist die Aussage nicht zu überbieten. Claus Vogt, der damit an diesem Mittwoch an die Öffentlichkeit gegangen war, verbindet mit ihr gleichzeitig die Ankündigung, die für März geplante Mitgliederversammlung des Bundesligaklubs um ein halbes Jahr verschieben zu wollen. Auch sein Amt hätte dort zur Wahl gestanden.

          Die Ankündigung dürfte einige für zentrale Bereiche im Verein verantwortliche Personen bis ins Mark erschüttern. Sie spiegelt nicht den Willen der beiden weiteren Präsidiumsmitglieder Bernd Gaiser und Rainer Mutschler wider, die Vogt vorwarfen, damit gegen die Vereinssatzung zu verstoßen und von einem „Riss“ im Präsidium sprachen. Vogt argumentiert überdies allzu fadenscheinig.

          Ungeklärte Datenaffäre

          Der Hintergrund: Beim VfB Stuttgart ist seit einigen Wochen ein Machtkampf entbrannt. Thomas Hitzlsperger, der Vorstandsvorsitzende und eines der Gesichter des neuen sportlichen Erfolgs der Mannschaft, will nicht mehr nur Vorstandsvorsitzender sein, sondern Vorstandsvorsitzender und Präsident. Ein schwäbischer Alleinherrscher. Dabei steht ihm Vogt im Weg, ein vor allem an der Basis des Klubs beliebter Unternehmer, der sich aber, und das denkt offenbar der Vorstandsvorsitzende, ein bisschen zu sehr in dessen Belange einmischt. Was allerdings auch die Pflicht des Präsidenten ist, der beim VfB dem Aufsichtsrat vorsitzt.

          Nun entsteht der Anschein, Vogt wolle sich durch die geplante Verschiebung der Mitgliederversammlung schlicht noch länger an sein Amt klammern. Dass Hitzlsperger bei einer Wahl im März als Sieger hervorgegangen wäre, war bis zuletzt ein realistisches Szenario.

          Doch den Verein beschäftigt aktuell auch eine Datenaffäre. Dabei geht es um Vorwürfe, dass Mitgliederdaten unerlaubterweise an Dritte weitergereicht wurden. Diese Vorwürfe werden von einer Berliner Kanzlei untersucht, auch der Landesdatenschutzbeauftragte hat sich eingeschaltet. Im Rahmen dieser Affäre war es intern zu Schuldzuweisungen und Angriffen gekommen, es ging um Kosten der Aufarbeitung, das richtige Tempo bei der Untersuchung – und vor allem um die von Vogt geforderte Transparenz.

          Der Präsident will nun, sagt er, durch die geplante Verschiebung der Versammlung dem Verein und seinen Mitgliedern die nötige Zeit verschaffen, die Ergebnisse aus dem für Anfang Februar angekündigten Abschlussbericht zu bewerten. Er wolle verhindern, dass Personalentscheidungen getroffen werden, ehe diese Affäre aufgeklärt worden ist. Sie könnte sich nämlich auf die Wahl des Präsidenten auswirken. Auszüge aus einem Zwischenbericht ließen handelnde Personen im Verein in keinem guten Licht erscheinen.

          Beim VfB Stuttgart also erst einmal die Handbremse zu ziehen, erscheint angesichts dieser Gemengelage, bei aller Schwäche in der Darstellung, als ein kluger Schachzug. Nicht nur für den Präsidenten. Dem Klub steht eine Zerreißprobe bevor.

          Jan Ehrhardt
          Sportredakteur.

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