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Hamburger SV : Zinnbauer muss gehen

  • -Aktualisiert am

Muss gehen: Josef Zinnbauer verlässt den Hamburger SV Bild: dpa

Fleißig und unkonventionell: Josef Zinnbauer erhielt beim HSV viel Lob. Doch das hilft ihm auch nicht weiter. Nach dem Sturz auf Platz 16 muss der Trainer gehen. Beim Nachfolger setzen die Hamburger auf eine interne Lösung.

          Im kleinen Kreis hat Peter Knäbel schon einige Male angedeutet, dass er sich selbst kaum mehr als Trainer sieht – und auch so schnell keiner mehr werden will. Die Vita des 48 Jahre alten Sportchefs als Coach liest sich auch bescheiden; drei Jahre trainierte er den Nachwuchs des 1. FC Nürnberg, dann war er zwei Jahre als Spielertrainer bis 2000 beim FC Winterthur beschäftigt.

          Danach arbeitete Knäbel als Funktionär im Schweizer Fußballverband, wurde aber auch deswegen im Herbst 2014 vom Hamburger SV geholt, weil er als ausgebildeter Fußball-Lehrer eben auch der ideale Notnagel für schwierige Situationen ist – sollte mal ein Trainer für den Übergang gesucht werden, hätte man in Knäbel, dem „Direktor Profifußball“ schon den passenden Mann im eigenen Stall.

          Nach dem Niedergang der vergangenen sechs Spiele kristallisierte sich immer deutlicher diese Wahl von AG-Vorstand Dietmar Beiersdorfer heraus, und am Sonntagabend vollzog der HSV dann den Wechsel, der nach dem 0:1 gegen Hertha BSC Berlin und dem Sturz auf den Relegationsplatz nicht mehr aufzuhalten war: Knäbel sitzt am Ostersonnabend in Leverkusen zum ersten Mal als Cheftrainer des HSV auf der Bank. Josef Zinnbauer muss gehen.

          „Peter kennt die Mannschaft und die Umstände am besten und ist in der Lage, sofort zu handeln“, begründete Beiersdorfer den Schritt. Die interne Lösung hängt auch damit zusammen, dass der HSV auf die Schnelle keinen Soforthelfer fand; die Namen Bruno Labbadia und Thomas Tuchel sollen im engeren Kreis zwar gefallen, aber für diese Saison nie ernsthaft diskutiert worden sein. Klar ist, dass für die kommende Serie ein neuer Trainer gesucht wird. Knäbel soll dann als Sportchef weitermachen. Unbestätigt blieben zunächst Meldungen, nach denen Zinnbauer die Möglichkeit erhält, ab Sommer wieder die U23 des Klubs in der Regionalliga zu trainieren. Dort hatte er im Sommer 2014 begonnen.

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          Die Begeisterung um den frischen und irgendwie anderen Bundesligatrainer-Neuling Zinnbauer hielt nur ein paar Monate. Am 14. September 2014 auf Mirko Slomka folgend, war Zinnbauer seit dem 0:8 von München angeschlagen, seit den müden Auswärtsauftritten in Frankfurt und Hoffenheim ein Trainer auf Zeit. Fleißig, engagiert, unkonventionell, der Jugend eine Chance gebend, so trat der 44 Jahre alte Unterfranke auf. Aber an dieser von fünf Trainer und vier Sportchefs seit 2010 zusammen gestückelten Truppe biss er sich die Zähne aus: Trotz eines 56 Millionen Euro teuren Kaders, trotz Nationalspieler vieler Länder, sammelte der HSV kaum Punkte und steht nur zwei Zähler besser da als vor einem Jahr.

          Damals folgten die Rettungsspiele gegen Fürth. Aktuell sieht die Prognose noch düsterer aus – Partien in Leverkusen, gegen Wolfsburg und in Bremen lassen eine magere Punktausbeute erwarten. Zudem ist die Konkurrenz im Abstiegskampf bedeutend stärker als Braunschweig und Nürnberg vor einem Jahr. Während im Umfeld des Vereins beinahe jede Funktion von Beiersdorfer überprüft und wohl auch verbessert wurde, hat sich sportlich wenig bis nichts getan – das lässt Beiersdorfers gute Arbeit im Hintergrund, die finanzielle Gesundung des Klubs und die Umstrukturierung der Nachwuchsarbeit verblassen: Was bringt all dass, wenn der reformierte, modern aufgestellte Klub zum ersten Mal in der Bundesliga-Historie absteigt?

          Armin Veh, Michael Oenning, Thorsten Fink, Bert van Marwijk und Mirko Slomka hatten seit 2010 zusammen mit den Sportchefs Bastian Reinhardt, Frank Arnesen, Oliver Kreuzer und Vereins-Boss Beiersdorfer versucht, eine Mannschaft nach ihren Vorstellungen zu bauen. „Es war schon im Vorjahr ein Wunder, dass wir bei drei Trainern und drei Systemen nicht abgestiegen sind“, sagte Verteidiger Heiko Westermann.

          Zinnbauer versuchte von allem ein bisschen, stärkte die Abwehr (vom 0:8 abgesehen), doch mit 16 Treffern drückte der Schuh plötzlich vorn. Dem Novizen fehlten am Ende die Mittel, das komplizierte Gebilde HSV zusammenzuhalten. Der HSV ist zum Schleudersitz der Liga verkommen, und nach der Entlassung des nächsten hoffnungsvollen Kandidaten verfestigt sich der Eindruck, dass dieser Klub ein hoffnungsloser Fall ist.

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