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Wirbel beim Hamburger SV : Wird der Einfluss von Milliardär Kühne größer?

  • -Aktualisiert am

Geldgeber: Michael Kühne, hier 2015 Bild: dpa

Der Hamburger SV beschäftigt sich auch in schwersten Zeiten mit sich selbst: Vorstandschef Hoffmann muss zum zweiten Mal von Bord, der frühere Profi Jansen steigt zum Chefkontrolleur auf. Das könnte Folgen haben.

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          Zwei zu fünf: Im Fußball ist das eine deutliche Niederlage. Nur zwei der sieben Aufsichtsräte des Hamburger SV stimmten am Samstagnachmittag für eine weitere Zusammenarbeit mit Vorstandschef Bernd Hoffmann. In den Tagen davor hatte das mögliche Resultat noch knapper gewirkt, sogar ein Verbleiben Hoffmanns auf dem Posten des Vorstandsvorsitzenden der HSV Fußball AG war für möglich gehalten worden. Doch am Ende einer vier Stunden langen Diskussion waren fünf der Räte gegen Hoffmann.

          Nur Max-Arnold Köttgen und Thomas Schulz schlugen sich wie erwartet auf Hoffmanns Seite. Beide werden das oberste Kontrollgremium nun verlassen. So wie Hoffmann: Seine zweite Amtszeit an der Spitze des HSV nach den durchaus erfolgreichen Zeiten von 2002 bis 2011 endet nach nur knapp zwei Jahren. Er besitzt einen Vertrag bis einschließlich 30. Juni 2021.

          Machtkampf verloren

          Verloren hat er den Machtkampf gegen die Vorstandskollegen Jonas Boldt (Sport) und Frank Wettstein (Finanzen). Mit Wettstein gab es schon länger Unstimmigkeiten, mit Boldt seit dem Spätsommer des Vorjahres auch – ihn hatte Hoffmann noch als Wunschkandidaten in der Nachfolge Ralf Beckers im Mai 2019 geholt. Und während sich Boldt mit Hoffmann einige Male zusammengerauft hatte, war das Tischtuch mit Wettstein zerschnitten. Das hatten die beiden am Mittwoch im Gespräch mit drei Aufsichtsräten auch gesagt und somit eine weitere Zusammenarbeit mit Hoffmann unmöglich gemacht.

          Die Möglichkeit eines „Weiter so“ zumindest bis zum Saisonende oder bis die schlimmste Zeit der Corona-Pandemie vorüber sei, hatte das Kontrollgremium nicht mehr gesehen. Also standen die Zeichen schon Mitte der Woche auf Trennung. Ohne Hoffmann besteht der neue HSV-Vorstand nun aus zwei gleichberechtigten Personen, Wettstein und Boldt. Handlungsfähig ist der Verein natürlich auch in dieser Konstellation; die Liquidität bleibe trotz der Spielzeit-Unterbrechung bis Ende Juni gesichert, hatte Wettstein gesagt.

          Verlierer: Bernd Hoffmann, hier 2018

          Hoffmann verließ den Volkspark am Samstag mit einem vorgefertigten Kommentar und wollte am Sonntag nichts sagen. Stattdessen sprach jemand für den HSV, den die meisten Beobachter außerhalb Hamburgs wohl noch als Spieler vor Augen haben: Marcell Jansen. Der 34 Jahre alte frühere Profi ist seit Januar 2019 Präsident des HSV e.V. und hat so seinen Sitz im Aufsichtsrat der AG. Am Samstag stimmte auch er gegen Hoffmann und ist nun neuer Chefkontrolleur, weil Köttgen hingeschmissen hat. „Wir können uns in dieser schwersten Krisenzeit des gesamten Profifußballs keine Energieverluste und belasteten Vertrauensverhältnisse leisten“, sagte Jansen und brachte die Dinge damit auf den Punkt. Ihm selbst werden keine Ambitionen auf den Vorstandsposten nachgesagt – bislang.

          Kontakte zu Kühne

          Gute Kontakte soll Jansen zu Klaus-Michael Kühne unterhalten. Der Milliardär hatte lange keine öffentliche Rolle mehr beim HSV gespielt, war nun im Streit zwischen Hoffmann und den Vorstandskollegen aber wieder in Erscheinung getreten, indem er sich in einem Interview gegen Hoffmann ausgesprochen hatte – Hoffmann hatte den Kontakt zu Kühne minimiert und den Milliardär weitgehend isoliert, ohne auf seine Millionen für den HSV zu verzichten. Kühne hatte zuletzt eine Neuaufstellung des Klubs ohne Hoffmann gefordert. Aktuell ging es um einen neuen Vertrag über die Namensrechte am Volksparkstadion. Vielleicht wird der Einfluss Kühnes auf den HSV nun wieder größer, was mancher vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Millionenverluste wegen der Corona-Krise durchaus begrüßt.

          Wieder in Turbulenzen: der Hamburger SV

          Der Hintergrund des Streits zwischen dem nun zum zweiten Mal beim HSV entlassenen Hoffmann und den (früheren) Vorstandskollegen lag zunächst in verschiedenen Einstellungen zu Spielern. Hoffmann wollte Profis, die Boldt nicht wollte. Das wurde öffentlich, und auch die schlechte Stimmung auf der Geschäftsstelle, wo sich alte Gräben wieder auftaten, wurde publik. Darüber ärgerte sich Hoffmann. Mit Wettstein lag er schon länger über Kreuz. Es kamen Alleingänge und Einmischungen in fremde Geschäftsbereiche hinzu. Die sportlich mittelmäßige Situation mit Rang drei in der Zweiten Bundesliga mag hinzugekommen sein – sicher hat sie Bernd Hoffmanns Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation vergrößert.

          Dass das teure Team mit dem nominell neben Stuttgart besten Kader und dem erfahrenen Trainer Dieter Hecking nur mühsam einen Platz im Top-Trio wahrt, ist auch enttäuschend. Die Derbyniederlage gegen St. Pauli am 22. Februar und das darauf folgende 0:3 in Aue hatten die schlechte Grundstimmung beim HSV noch mieser gemacht – dann kam die Corona-Pandemie. Überdecken konnte sie die Führungskrise beim Hamburger Klub nicht mehr.

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