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1:0 gegen Hamburger SV : Wolfsburgs spätes Glück im Nordderby

  • -Aktualisiert am

Mario Gomez erzielte den entscheidenden Treffer für die „Wölfe“. Bild: dpa

Der VfL Wolfsburg ist erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Gegen den HSV mussten die Fans aber trotz Überzahl lange auf den Siegtreffer warten. Die Hamburger müssen wieder nach unten schauen.

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          Neuer Chefcoach, neuer Kotrainer, neuer Sportdirektor, neue Offensivspieler: Die resoluten Versuche des VfL Wolfsburg, seine schlimme Hinrunde der Fußball-Bundesliga vergessen zu machen, werden wohl noch eine ganze Weile kritisch beleuchtet bleiben. Denn die Misere des Vereins passt einfach nicht zu seinen hohen Ansprüchen. Entsprechend ausgelassen war der Jubel über den 1:0 (0:0)-Heimsieg gegen den Hamburger SV.

          Was die Wolfsburger Mannschaft von Trainer Valérien Ismaël am 17. Spieltag und zum Ende der Winterpause zu bieten hatte, sah schon wieder recht nett und selbstbewusster aus. Das Tor des Tages gelang Nationalspieler Mario Gomez in der 83. Minute. Die neue LED-Flutlichtanlage in Wolfsburg beleuchtete vor 30.000 Zuschauern aber auch einen leicht glücklichen Sieg. Denn der tapfere Gast hatte fast 60 Minuten lang in Unterzahl gespielt und sich wacker geschlagen.

          Die Suche nach neuen Impulsen und neuen Chancen hatte zuletzt auf bei beiden zu grundlegenden Veränderungen geführt. Auf Seiten des Hamburger SV ist am Seitenrand zu spüren, wie Routinier Heribert Bruchhagen als neuer Vorstandsvorsitzender möglichst viel Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Er wird durch den neuen Sportdirektor Jens Todt assistiert, was in dieser Konstellation ein handelsübliches Duo ergibt. Beim VfL Wolfsburg haben sich Aufsichtsrat und Geschäftsführung dafür entschieden, dem erst 38 Jahre alten Olaf Rebbe die sportliche Verantwortung zu übertragen. Er saß im Heimspiel gegen den HSV wie schon zu früheren Zeiten als sportlicher Leiter auf der Ersatzbank und war gewohnt dicht am Geschehen. Als Nachfolger des in Wolfsburg gescheiterten Klaus Allofs versucht Rebbe einen anderen und eigenen Weg. Er agiert nicht laut und aufplusternd, sondern lieber dezent im Hintergrund. Das extrovertierte Jubeln, so wie nach dem Siegtreffer, überlässt er lieber anderen.

          Wolfsburgs Winter-Zugänge schlagen sofort ein

          Angesicht der Nachbesserungen am Spielerkader, die während der Winterpause vorgenommen worden sind, darf Rebbe mit seiner bisherigen Arbeit erst einmal zufrieden sein. Mit dem trickreichen Yunus Malli (von Mainz 05) und Paul-Georges Ntep (Stade Rennes) waren zwei der von ihm bewilligten Neuzugänge gleich in die Startelf des VfL Wolfsburg gerückt. Vor allem der extrem schnelle Außenspieler Ntep wusste dabei zu verblüffen und stellte die Hamburger Defensive vor große Probleme. HSV-Profi Albin Ekdal war dabei so überfordert, dass er bereits in der 33. Minute die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspieles sein. Diese Dezimierung des Gastes war die logische Konsequenz des hohen Tempos, mit dem Ntep immer wieder in Richtung gegnerisches Tor aufbrach. Der Neuzugang war sofort eine deutliche Verstärkung für Wolfsburg und ein Ärgernis für Hamburg.

          Nach der Roten Karte für Elkdal wurde die Partie noch umkämpfter. Der HSV zog sich sehr weit zurück, und der VfL Wolfsburg konnte den hohen Ballbesitz nicht effizient umsetzen.

          Reichen die jüngsten Veränderungen, um die größte Not zu verscheuchen? Oder soll bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar noch einmal in neues Personal investiert werden? In Wolfsburg wie in Hamburg ist die Hoffnung groß, dass es ohne weitere Investitionen gelingt, sich von den direkten Abstiegsrängen in der Tabelle fernzuhalten. Mit Mergim Mavraj (1. FC Köln) und Kyriakos Papadopoulos (RB Leipzig) hatte HSV-Trainer Markus Gisdol eine komplett neue Innenverteidigung in Wolfsburg auf den Platz geschickt. Die beiden Verpflichtungen machten ihre Sache ordentlich. Mit zunehmender Spielzeit ließ sich aber auch nicht mehr verbergen, dass ihr Rivale aus Niedersachsen seine Transfereinnahmen aus dem Verkauf von Julian Draxler an Paris Saint-Germain sehr klug angelegt hat.

          Ntep und Malli sollen gemeinsam die Aufgabe schultern, Mittelstürmer Mario Gomez besser in Szene zu setzen. Im Duell mit den Hamburgern gelang das vor allem in der entscheidenden Szene, als Ntep per Querpass den Siegtreffer durch Gomez vorbereitet hatte. Die Wolfsburger Mannschaft hatte ihren dezimierten Gast nicht vollends dominieren können, ist am Ende aber für ihr Anrennen belohnt worden. In der hart umkämpften Schlussphase konnte der HSV noch einmal ganz erstaunlich aufmucken. Er hatte ein Aufbegehren gezeigt, das um ein Haar noch mit dem Ausgleich belohnt worden wäre.

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