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2:1 in Mainz : Der HSV lebt noch – und wie!

Gojko Kacar ist der Lebensretter des HSV – kurz vor Schluss trifft er zum Sieg Bild: Reuters

Der HSV gewinnt ein Nervenspiel im Abstiegskampf. In Mainz siegen die Hamburger 2:1. Das entscheidende Tor fällt kurz vor Schluss. Die Mainzer beklagen nicht nur die Niederlage und einen Platzverweis, sondern auch eine schwere Verletzung.

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          Dass der HSV auf dünnem Eis zurechtkommt, bewiesen einige Altstars des Klubs am Samstagabend beim von Stefan Raab organisierten und medial samt Liveübertragung ausgeschlachteten Spaßturnier um den Eisfußball-Pokal. Sie gewannen das Turnier gegen Konkurrenten wie Bayern München oder Borussia Dortmund. Die aktuelle Generation an HSV-Spielern hat nun auf dem noch dünneren Eis im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga ähnliche Qualitäten vorgeführt. Der 2:1-Sieg bei Mainz 05 dank eines späten Treffers von Gojko Kacar (87. Minute) beschert dem nun auf Rang 14 vorgerückten HSV eine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf, die der Klub noch vor Dienstantritt des neuen Trainers Bruno Labbadia nicht zu erhoffen gewagt hatte.

          „Wir haben plötzlich wieder einen unheimlichen Teamgeist, das Vertrauen ist wieder da“, sagte Torhüter René Adler nach dem zweiten Sieg in Serie. „In unseren Heimspielen werden wir das Ding jetzt schaukeln.“ Am Freitag (20.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) könnte der HSV einen vorentscheidenden Schritt Richtung Klassenverbleib gehen mit einem Sieg gegen den SC Freiburg. Im mit 34.000 Zuschauern ausverkauften Mainzer Stadion zeigten die Hamburger einige wichtige Eigenschaften für den Abstiegskampf: Der seit drei Wochen an der Alster wirkende Labbadia hat seiner zuvor oft unorganisierten und undisziplinierten Mannschaft offenbar die im Abstiegskampf nötigen Grundtugenden wie Einsatzwille und hohe Aufmerksamkeit im Umschalten auf Defensive vermittelt.

          Mit der kämpferischen Leidenschaft kaschierte der HSV großteils seine spielerische Unterlegenheit im Duell mit den Mainzern, die vor allem in den ersten 20 Minuten das Geschehen fast nach Belieben beherrschten und den Gegner in dessen Hälfte einschnürten. Doch vor dem Tor fehlte gegen den dichten Hamburger Abwehrverbund der letzte Pass, um sich klare Torgelegenheiten herauszuspielen.

          HSV-Torwart Adler räumt in seinem Strafraum auf Bilderstrecke

          So musste HSV-Torwart Adler lediglich bei einer gefährlichen Hereingabe von Jairo (9.) und einem Distanzschuss von Julian Baumgartlinger sein Können zeigen. Der HSV kam bei seinen Kontern zu besseren Chancen: Immer wieder schaltete der HSV in bemerkenswert hohem Tempo mit bis zu sechs Feldspielern von Abwehr auf Angriff um, sodass die Mainzer Defensive jeweils in Unterzahl in arge Bedrängnis kam.

          Pierre-Michel Lasogga (24.) und Ivica Olic (29.) brachten den Ball jedoch bei guten Gelegenheiten nicht im Tor unter. Für den Führungstreffer benötigten die Hamburger schließlich die Mithilfe eines Mainzers: Julian Baumgartlinger verlängerte eine Flanke von Heiko Westermann so unglücklich mit dem Kopf, dass sich der Ball unhaltbar für Schlussmann Loris Karius in den linken Torwinkel senkte (37.).

          Die Mainzer standen in dieser Phase des Spiels freilich auch unter Schock: Nur zwei Minuten zuvor musste Publikumsliebling Elkin Soto mit einer Trage vom Platz getragen werden. Bei einem Schussversuch wurde der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler von HSV-Kapitän Rafael van der Vaart derart unglücklich aus dem Gleichgewicht gebracht, dass Soto sich dabei eine sehr schwere Knieverletzung zuzog. Soto hatte mit seinem linken Schussbein dennoch voll durchgezogen, trat dabei van der Vaart von hinten zwischen die Beine und überstreckte das Knie durch die plötzliche Blockade durch van der Vaarts Oberschenkel derart, dass er das Gelenk ausrenkte und eine Subluxation erlitt. Bei dem Unfall ist nach einer ersten Diagnose unter anderem das vordere Kreuzband gerissen, der Meniskus sprang aus der Kapsel. Wegen der Gefahr von schweren Schädigungen der Gefäße muss er die Nacht zu Montag im Krankenhaus verbringen, um das sogenannte Kompartment-Syndrom zu vermeiden.

          „Unsere Mannschaft stand unter dem Eindruck dieses Unfalls“, sagte Manager Christian Heidel. „Alles was nachher passiert ist mitsamt der Niederlage ist unwichtig im Vergleich zu Elkins Verletzung.“ Der Manager sicherte dem Spieler zu, dass der Verein dem Spieler die Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags anbieten werde, um Soto eine Genesung zu ermöglichen. Eigentlich hatte der Kolumbianer vor, nach achteinhalb Jahren bei Mainz 05 in seine kolumbianische Heimat zurückzukehren und dort bei seinem Stammklub Once Caldas die Karriere ausklingen zu lassen. Gegenspieler Rafael van der Vaart, der den Zweikampf mit Soto zwar hart, aber nicht mutwillig geführt hatte, entschuldigte sich noch auf dem Spielfeld bei Soto. Van der Vaart wurde auch von den Mainzern ausdrücklich kein böser Wille nachgesagt.

          Von dem Moment der Verletzung an verloren die Mainzer den Faden und fanden ihn erst in der Schlussphase wieder, als der HSV wie so oft in dieser Saison konditionell einbrach. Die Mainzer nutzten die entstehenden Lücken, um nach einer Hereingabe von Jairo durch Yunus Malli den Ausgleich zu erzielen (75.). Der HSV schlug jedoch noch einmal durch Kacar zurück und kann in den verbleibenden drei Spielen aus eigener Kraft den Klassenverbleib sichern. „Lasogga war vor dem Spiel zu mir gekommen und hat gesagt, dass er endlich mal ein Tor von mir sehen will. Ich habe einfach seinen Wunsch erfüllt“, sagte Siegtorschütze Kacar, der in seinen fünf Hamburger Jahren mehrfach aussortiert und gar ausgeliehen war, am Sonntag aber seine überraschende Nominierung für einen starken Auftritt nutzte.

          Während Hamburg dennoch vor drei Endspielen steht, braucht Mainz 05, das kurz vor Ende auch noch Daniel Brosinski nach einer Notbremse mit einer Roten Karte verlor (89.), nur noch einen Zähler, um auch letzte rechnerische Zweifel am Klassenverbleib zu beseitigen. All das war am Sonntagabend bei den sichtlich von der Verletzung ihres Mitspielers mitgenommenen Rheinhessen hingegen Nebensache.

          Anm. d. Red.: In einer ersten Version war als Ursache für Sotos Verletzung ein sogenanntes „Luftloch“ genannt. Nach Ansicht der Fernsehbilder ist die Entstehung nun differenzierter dargestellt.

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