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HSV-Torwart Adler : Eine dicke Lippe für die Rettung

  • -Aktualisiert am

Glänzt zurzeit auf und neben dem Platz: René Adler Bild: dpa

Er ist der Lautsprecher des Hamburger SV: Torwart René Adler sagt vor dem Relegationsspiel an diesem Donnerstag dem Karlsruher SC den Kampf an. Obwohl der selbstbewusste Keeper schon mehrfach aussortiert war.

          Zum Golfspielen ist jetzt leider keine Zeit mehr. Vor der Partie in Stuttgart hatte René Adler vor einer Woche das schöne Mai-Wetter noch genutzt und mit Pierre-Michel Lasogga und Lewis Holtby eine Runde gedreht. Entspannen, an anderes denken als Abstiegskampf, Druck und historische Tiefmarken - Golf ist für Adler die ideale Ablenkung. Fast so gut wie ein langer Spaziergang mit Freundin Lilli Hollunder und dem Hund. Das war sein Feiertags-Programm für den Pfingstsonntag.

          Am Montag reiste der Hamburger SV gleich wieder ins Vorbereitungscamp nach Malente. Vor den Play-off-Spielen gegen den Karlsruher SC am Donnerstag (20.30 Uhr / ARD, Sky und im Bundesliga-Liveticker von FAZ.NET) und Montag soll möglichst viel Zeit miteinander verbracht werden. Ein Golfplatz fehlt allerdings auf dem Gelände der dortigen Sportschule. Und Adler wird ihn wohl auch nicht vermissen. Täglich aufs Neue behauptet der Torwart des HSV, der Abstiegskampf bereite ihm Spaß, er freue sich auf jedes Training, seit Bruno Labbadia Trainer ist. „Bruno lebt Zusammenhalt vor“, sagt Adler, „wir sind in den sechs Wochen unter ihm als Mannschaft zusammengewachsen.“

          Nun geht es in die Verlängerung. Mit mehr Teamgeist und besserer Kondition als vor einem Jahr wollen Adler und Kollegen verhindern, dass die Relegation gegen den KSC eine solche Lotterie wird wie damals gegen Greuther Fürth - 0:0 und 1:1, mehr Glück als Verstand, das hielt die nach 70 Minuten kraftlosen Hamburger in der Liga. Damals ohne Adler. Er verletzte sich beim Aufwärmen vor dem Hinspiel. Jaroslav Drobny übernahm und schenkte dem HSV mit seiner Ruhe den Klassenverbleib nach Überstunden. Nun fällt Drobny mit seiner Schulterverletzung aus, und alle Blicke richten sich auf Adler.

          Angeschlagener Hoffnungsträger: Pierre-Michel Lasogga will trotz Schulterverletzung spielen.

          Er hatte ja gar keine Rolle mehr gespielt beim HSV. Unter Slomka und Zinnbauer war Drobny die Nummer eins. Erst Peter Knäbel setzte in seinen beiden Partien wieder auf Adler. Labbadia blieb dabei. Drobny hielt solide, Adler steht für spektakuläre Paraden und deutlich mehr Können im Aufbau. Darüber hinaus ist er zusammen mit Heiko Westermann Sprachrohr der Mannschaft - eine Rolle, die er nur zu Beginn seiner Zeit in Hamburg besser ausfüllte als jetzt.

          Rhetorisch war Adler schon immer gut. Jetzt erinnert er mit seiner Mischung aus kühnen Taten und gewählten Worten wieder an den Nationaltorwart von einst. Es hilft dem HSV, dass da einer vorweggeht, der versucht, die Mannschaft stärker zu reden, als sie ist. Wobei er mit seinem Vergleich zum Krückstock-HSV des Mai 2014 richtig liegt: „Wir hatten vergangene Saison nach den verlorenen Spielen überhaupt kein Selbstvertrauen. Jetzt kommen wir als absolut intakte Mannschaft und haben einen Mega-Drive“, sagte Adler nach dem 2:0 gegen den FC Schalke 04.

          Zwölf Monate ist es her, dass der HSV die letzten fünf Saisonspiele unter Trainer Mirko Slomka verlor und auch gegen Fürth sieglos blieb. Diesmal gab es in den sechs Labbadia-Partien nur eine große Enttäuschung, beim 1:2 in Stuttgart. Der Rest war für einen Abstiegskämpfer in Ordnung. Zehn Punkte aus sechs Spielen ließen Hamburg zwei Plätze klettern. Adler sagt: „Wir haben jetzt mehr Erfahrung im Abstiegskampf. Auch das Vereinsumfeld ist ruhiger. Vergangenes Jahr gab es noch Tumulte.“

          Adler selbst hat dem HSV durch tadellose Leistungen Punkte gerettet. In Mainz, gegen Freiburg und auch gegen Schalke, als am Ende das große Zittern begonnen hätte, wenn er weniger riskant in einen Zweikampf mit Choupo-Moting gegangen wäre. Bei einigen Kollegen haben die Knie in den vergangenen Wochen schon auch beträchtlich geschlottert. Nicht bei Adler. Er beruhigt und weckt, er schreit und tröstet - und wenn sie ihn wieder mal alleingelassen haben, stellt er Fäuste oder Füße in den Weg.

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