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Bundesliga-Kommentar : Der HSV kann nicht ohne seinen Milliardär Kühne

  • -Aktualisiert am

Hat erst einmal genug: Klaus-Michael Kühne will dem HSV kein Geld mehr zuschießen Bild: dpa

Ist der Geldhahn wirklich zu? Klaus-Michael Kühne will dem Hamburger SV vorerst nicht mehr aushelfen mit seinem Geld. Der Bundesligaklub muss auf ein Umdenken hoffen.

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          Bis auf Platz 28 von 36 ist die Marke HSV in einer Studie der TU Braunschweig gerade in ihrer Beliebtheit abgerutscht. Studien und Umfragen müssen nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben, aber da die Hamburger vor einem Jahr noch auf Rang acht standen und vor allem in der Kategorie „sympathischer Verein“ nun üble Einbußen bei der Befragung 4000 Fußball-Interessierter erlitten, wird der Absturz der Raute bei den Verantwortlichen doch einigermaßen ernst genommen. Als Grund für den Rückgang nannte die Studie die Querelen im Verein und Umfeld sowie die Ungewissheit im Hinblick auf den drohenden Abstieg.

          Man hätte als Ursache der Unbeliebtheit auch den liebsten Vereinssponsor anführen können. Wer den HSV nicht mag und gern verspottet, kommt an Klaus-Michael Kühne selten vorbei. Es ist wenigstens unterhaltsam, wenn der Hauptanteilseigner der HSV Fußball AG schimpft, der HSV habe unzählige „Luschen“ verpflichtet, und der Vertrag mit Stürmer Pierre-Michel Lasogga sei der Flop des Jahrhunderts gewesen. Seine freimütige Darlegung der Fakten im Interview mit Sky und dem „Spiegel“, dass er in Transfers eingebunden sei, hatten zuletzt sogar die DFL auf den Plan gerufen. Die Ligen-Chefs witterten Kühnes Einfluss aufs operative Geschäft. Der HSV nahm Stellung, die Sache soll ausgestanden sein.

          Der Name Kühne sorgt verlässlich für einen Aufschrei in der Fußballwelt. Doch nicht alles, was der Milliardär aus der Schweiz heute sagt, muss morgen noch stimmen. Am Dienstag zitierte ihn das „Handelsblatt“ mit dem Satz: „Für mich ist jetzt erst mal Schluss.“ Etwa 60 Millionen Euro hat Kühne in den Verein gepumpt. Rund die Hälfte davon hat er für Anteile an der HSV AG ausgegeben. Er ist also so eng mit dem HSV verbunden, dass er schon aus Eigeninteresse nicht von ihm lassen wird. Noch im Sommer hatte sich Kühne zunächst geziert, dem Verein Geld für neue Spieler zu geben, weil der Aufsichtsrat zickte. Danach ließ er sich doch wieder weichklopfen. Allerdings hätte er damals wohl mehr gegeben, wäre der HSV mit einer Stimme auf ihn zugegangen – was sich Trainer Markus Gisdol beispielsweise gewünscht hätte. Allein dieses Beispiel illustriert, wie kompliziert die Zusammenarbeit zwischen Verein und Gönner ist. Andererseits war Kühne in den vergangenen Jahren immer da, wenn er gebraucht wurde. Das wissen sie beim HSV.

          Auch deswegen hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Kühne-Aussagen zum Finanz-Stopp umgehend relativiert. „Herr Kühne ist emotional mit großem Herzblut mit uns verbunden“, sagte Bruchhagen und ließ durchklingen, dass der Geldhahn womöglich nicht für immer zu ist. Das muss der HSV auch hoffen, denn spätestens im nächsten Frühjahr könnte er wieder auf sein Geld angewiesen sein. Wenn die neue Lizenz beantragt wird. Bis dahin hat Kühne noch genug Zeit, sich umzuentscheiden. Der Markenbeliebtheit des HSV wird das nicht helfen – so oder so.

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