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Hamburger SV : Schonfrist in der Düsternis

  • -Aktualisiert am

Nach außen smart, nach innen Griesgram: HSV-Coach Slomka Bild: AFP

Spielertausch, Entfremdung, Aktionismus: Mirko Slomka steht beim HSV ziemlich allein da. Schon herrscht wieder Tristesse beim ewigen Krisenklub.

          Die Reaktionen auf die 0:2-Niederlage im Derby bei Hannover 96 machten es deutlich: Der große Spielertausch hat die ohnehin geringe Zahl von Trainerfreunden im Kader des Hamburger SV auf ein nunmehr sehr überschaubares Maß reduziert.

          Durfte man bislang davon ausgehen, dass zumindest René Adler, Marcell Jansen, Heiko Westermann und Tolgay Arslan zu den Befürwortern Mirko Slomkas gehörten, steht der Trainer des Hamburger SV jetzt ohne Fürsprecher aus der „alten“ Gruppe da. Denn er hat sie ja fürs Erste alle aussortiert und durch neue Spieler ersetzt. Schon länger verdrehen einige altgediente Profis des HSV die Augen, wenn man sie auf Slomka anspricht.

          Nur Kritik, nie Lob, so ist zu hören, und dabei wird das Negative gern noch durch Statistik unanfechtbar untermauert. Das gefällt keinem der nicht besonders kritikfähigen Profis. Nach außen gibt Slomka den smarten Fußball-Lehrer, nach innen wirkt er wohl eher als Griesgram. Sicher, die langen Wochen des Misserfolgs haben an ihm gezehrt und ihn auch distanzierter zu seinem Team werden lassen, als er es vielleicht wollte.

          Aber die Entfremdung von der Mannschaft ist offensichtlich. Und nun, wo auch der Umbau an Haupt und Gliedern erfolglos blieb, steht Slomka ziemlich allein da. Denn die Neuen von Valon Behrami über Lewis Holtby bis Nicolai Müller sind selbst noch auf der Suche nach Orientierung beim ewigen Krisenklub HSV.

          Slomkas Bilanz: Zehn Niederlagen, drei Unentschieden, drei Siege

          Das 0:2 in Hannover am Sonntagabend war die zehnte Niederlage bei drei Siegen und drei Unentschieden, seit Slomka am 17. Februar 2014 beim HSV begann. Alles, was die Sparte Profifußball hergab, hat der 47 Jahre alte Trainer gegen die Niedersachsen ausprobiert, um den ersten Sieg seit April zu erzwingen: Sechs Startelf-Debütanten brachte Slomka, im Tor löste Jaroslav Drobny den glücklosen René Adler ab. Das wirkte schon wie Aktionismus, war aber auch die Forderung der Vorstandsspitze.

          Gut gehen konnte dieser harsche Schnitt kaum – und nach drei Minuten hätte der HSV auch schon 0:2 zurückliegen können. Nach 24 Minuten tat er es nach Treffern von Leon Andreasen und Artur Sobiech dann auch. Immerhin brach das fragile Gebilde danach nicht auseinander. Es gab tatsächlich zwei, drei Angriffe über Holtby und Stieber oder Müller, die nach Fußball aussahen. Und mit ein bisschen Phantasie konnte man sich in der ausverkauften Arena auch vorstellen, wie Slomka-Fußball dereinst aussehen könnte.

          Doch für den Moment ist wieder nur Düsternis, Krise um den Tabellenletzten HSV – trotz des Mitteleinsatzes in Höhe von 26 Millionen Euro. Der Etat schnellte von 40 auf fast 50 Millionen Euro in die Höhe. Obwohl doch eigentlich eisern gespart werden sollte.

          Zwei Spiele Schonfrist

          Die allfällige Trainerdiskussion erstickte noch am Sonntagabend. „Wir werden nicht in Panik verfallen, wir werden nicht handeln“, verneinte Aufsichtsratschef Karl Gernandt die Frage nach einer möglichen Trainerentlassung gleich doppelt. Eine Schonfrist von zwei Spielen soll Slomka erhalten. Die beinhaltet die Partien gegen den FC Bayern am Samstag und bei Borussia Mönchengladbach am Mittwoch darauf. Nicht unbedingt Punkte, aber eine Entwicklung der Mannschaft zu einem stabilen Gebilde verlangen die Bosse.

          Slomka traut sich das zu. Er sagt: „Wir wissen, dass die Mannschaft Zeit braucht.“ Meint man es ernst mit ihm, müsste man ihm tatsächlich ein paar Wochen der Trainingsarbeit einräumen, ehe die Leistungsfähigkeit seiner favorisierten Elf stichhaltig zu beurteilen ist. Dietmar Beiersdorfer scheint dazu bereit. Doch Slomka ist nicht „sein“ Trainer. Der Vereinschef betrachtet dessen Wirken leidenschaftslos. Im Sinne des großen Ganzen wünscht sich Beiersdorfer eine nervenschonende Saison im Mittelfeld. Davon ist der HSV ein Stück entfernt, aber eben auch nicht so weit, wie größte Skeptiker jetzt mit Blick auf Rang 18 schreien – den kann man in dieser frühen Saisonphase mit zwei Siegen schnell verlassen.

          Um das zu bewerkstelligen, müsste sich der HSV aber wieder einmal dem Kern des Fußballs nähern und ein Tor schießen. Pierre-Michel Lasogga und Artjoms Rudnevs waren am Sonntag nah dran. Mehr auch nicht. Nicolai Müller und Zoltan Stieber deuteten an, dass sie passable Vorlagengeber sein können. Beim Betrachten des 19 Jahre alten Julian Green dürften Slomka und Beiersdorfer indes erschrocken gewesen sein, wie weit die Bayern-Leihgabe noch vom Erwachsenenfußball entfernt scheint.

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