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Hamburger SV : Feuerprobe als Mutmacher

  • -Aktualisiert am

Auf zu neuen Taten: Der HSV will nach der Feuerprobe von Istanbul noch mehr Bild: REUTERS

In der „Hölle von Istanbul“ übertrifft der HSV sich selbst. Der Tanz auf drei Hochzeiten geht weiter. Nach dem unverhofften Einzug ins Viertelfinale des Uefa-Pokals ist dem Team alles zuzutrauen.

          Es war eines dieser Spiele, die den ganzen weiteren Saisonverlauf einer Mannschaft beeinflussen können. Das letzte Aufgebot des Hamburger SV war in die Türkei gereist, um in der „Hölle von Istanbul“ zu bestehen, auf der Basis des wackligen 1:1 aus dem Hinspiel, wohlgemerkt. Auffällig oft hatten Trainer Martin Jol und einige Spieler schon am Donnerstag vom Sonntag gesprochen, dem nächsten Bundesligaspiel beim FC Schalke 04 nämlich. Es wirkte, als sei der HSV nur auf Durchreise beim Auswärtsspiel gegen Galatasaray, als sei das Ausscheiden im Uefa-Pokal-Achtelfinale bei sechs verletzten Stammkräften einkalkuliert – eine lässliche Sünde. Dann aber kam alles ganz anders. Der HSV holte ein 0:2 auf, schaffte durch zwei herrliche Treffer von Paolo Guerrero innerhalb von drei Minuten den Ausgleich und brachte in der Schlussphase das Stadion zum Verstummen, als Ivica Olic auch noch der Siegtreffer gelang. (siehe: Uefa-Pokal: HSV findet den Ausgang aus der Hölle von Istanbul)

          Dieses 3:2 beim Istanbuler Traditionsklub war ein beeindruckender Erfolg des HSV. Vor allem beeindruckten der Zusammenhalt in der Mannschaft und die Entschlossenheit, Widerständen zu trotzen. Trainer Martin Jol war stolz auf sein Team: „Ich kann mich nicht erinnern, wann mal eine Mannschaft ein 0:2 bei Galatasaray gedreht hat. Wir haben einfach super Jungs in der Mannschaft.“ Gerade die beiden Jungen auf der linken Seite, Aogo und Pitroipa, hatten ihre Sache gut gemacht.

          Nun gegen Manchester City

          Eine erste Belohnung für den mutigen Auftritt im kleinen Ali-Sami-Yen-Stadion gab es bei der Auslosung am Freitag in Nyon: Am Gründonnerstag trifft der HSV im Viertelfinal-Hinspiel auf Manchester City (siehe: Uefa-Pokal-Auslosung: HSV gegen Manchester City, Werder gegen Udine ). Es wird also ein Wiedersehen mit den ehemaligen Hamburgern Vincent Kompany und Nigel de Jong geben (wobei de Jong für internationale Auftritte gesperrt ist, weil er schon für den HSV im Uefa-Pokal spielte). Manchester City hatte am Donnerstag den dänischen Meister Aalborg BK nach Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb befördert.

          Verschworener Haufen: Der HSV in Istanbul

          Dass man sich indes überhaupt noch für das Viertelfinale der kleinen europäischen Spielrunde interessieren würde, hatte beim Stand von 0:2 niemand gedacht. Der HSV hatte gut begonnen und Galatasaray im Griff, bis Ersatzinnenverteidiger Jerome Boateng im Strafraum Milan Baros umsenste (42. Minute). Den Elfmeter schoss Kewell ins Tor. Gleich nach der Pause narrte Arda die ganze HSV-Abwehr, und Baros hob den Ball über Frank Rost hinweg ins Tor: 2:0 (48.). Alles schien verloren, auch weil die Taktik von Jol mit Olic als einzigem Stürmer und vier Mann im Mittelfeld dahinter nicht aufging.

          Erst als Guerrero ins Sturmzentrum rückte, stimmte die Statik wieder. Plötzlich war der peruanische Stürmer voll da und traf aus dem Nichts zum 2:1, dann nach schönem Solo zum 2:2 (57. und 60.). Am Ende war der HSV dem Gegner konditionell überlegen und ließ kaum noch gefährliche Situationen zu. Dass Olic nach feinem Zuspiel von Jansen in der 89. Minute sogar noch der Siegtreffer gelang, war das Sahnehäubchen auf diese Partie. Zusammen mit den 600 mitgereisten Fans feierten die Profis das Weiterkommen.

          Auslaufen, pause, Regeneration

          Nun steht der HSV im Viertelfinale des Uefa-Pokals, hat im DFB-Pokal das Halbfinale erreicht und spielt in der Bundesliga um die Champions-League-Ränge mit: die Aussichten sind glänzend im ersten Jahr unter Jol. Auch weil die Stammkräfte Petric, Trochowski und Demel demnächst wieder zurückkehren. Fast alle Hamburger blieben aber zurückhaltend in ihren Aussagen. Nur Mittelfeldspieler Alex Silva sprach aus, was einige wohl denken: „Nach dem 0:2 haben wir uns selbst übertroffen. Das lässt uns an einen Titel denken.“

          Ohne Guerreros frühen Anschlusstreffer wären die Aussichten jedoch düster geblieben. Der 25 Jahre alte Stürmer ist ja ein Spieler mit herausragenden technischen Fertigkeiten, allerdings nicht gerade ein Torjäger. Am Donnerstag passte bei ihm alles. Glücklich sei er, sagte Guerrero, doch schon zwei Sätze später erinnerte er an Schalke. So ist es bei einem Klub im Dauereinsatz. „Die Jungs waren schon in der Kabine zu müde zum Jubeln“, sagte Trainer Jol.

          Freitagvormittag flog der HSV von Istanbul zurück nach Hamburg. Ein kurzes Auslaufen an der Arena fügte sich an, dann Pause und Regeneration bis zur Abreise am Samstag nach Gelsenkirchen. „Es war ein großes Erlebnis. Dieses Spiel gibt uns Kraft für Schalke“, sagte Marcell Jansen. Sollte diese englische Woche zum Frühlingsanfang mit einem dritten Sieg enden, spräche beim HSV wohl nicht mehr nur Alex Silva von Titeln.

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