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Hamburger SV : Die Uhr tickt weiter

Trainer Armin Veh kennt das Geschäft: Er achtet beim Wohnungskauf auf kurze Kündigungsfristen Bild: dapd

Längst ist der Hamburger SV zu einem florierenden Fußball-Unternehmen geworden. Aber die Sehnsucht nach Titeln bleibt seit 1987 unerfüllt. Der Druck wird größer. Am Samstag (15.30 Uhr) spielt der HSV bei Hannover 96.

          Die Zeit läuft. Gnadenlos. Auf einer digitalen Uhr leuchten in der Arena des Hamburger SV Stunden, Tage, Minuten und Sekunden, um dem Stolz auf die Tradition des Vereins Ausdruck zu verleihen. Über dem Nord-Block, also genau dort, wo die treusten Anhänger stehen. Die Stunde Null war der 24. August 1963. Der Tag, an dem der erste Spieltag der Bundesliga angepfiffen wurde. Der HSV zählt zu den Gründungsmitgliedern und spielt als einziger Klub in der Republik seither Saison für Saison in der deutschen Eliteklasse. Doch dies ist nur das eine Datum, das die Gegenwart bestimmt. Das andere ist der 20. Juni 1987. Jener Tag, an dem der HSV den DFB-Pokal und damit seinen bislang letzten Titel gewann. Jahr für Jahr wird seitdem die Sehnsucht nach Erfolgen größer und erinnerte zeitweise beinahe schon an Hysterie. Der Klub steht unter Druck - doch der Dinosaurier der Liga droht in der Mittelmäßigkeit zu verschwinden. Am Samstag (15.30 Uhr/FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) spielt der HSV bei Hannover 96.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann, an dem sich vieles entzündet in Hamburg, ist Bernd Hoffmann. Am 1. Februar 2003 nahm er seine Arbeit als Vorstandsvorsitzender auf und machte seither aus einem maroden Sportverein ein florierendes Fußball-Unternehmen. Wirtschaftlich ist der Verein in eine andere Dimension vorgestoßen, mit rund 188,6 Millionen Euro wurde in der Saison 2008/2009 ein Rekordumsatz in der Klubhistorie erzielt. Zumindest in dieser Beziehung ist der HSV national auf Rang zwei hinter dem Branchenprimus Bayern München vorgestoßen.

          Beinahe jedes Heimspiel ist mit rund 57.000 Zuschauern ausverkauft. Und im Kader tauchen Namen internationaler Stars wie Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto und Mladen Petric auf. Kein Vergleich zu den hoffmann'schen Anfängen: „Als ich 2003 kam, war unser sportliches Aushängeschild Hermann Rieger, der Masseur“, sagte der Siebenundvierzigjährige im September dieses Jahres in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

          HSV-Idol Uwe Seeler wirft dem Verein Konzeptlosigkeit vor

          Fokus auf dem Nachwuchs

          Was fehlt, ist Kontinuität. Das Hamburger Idol Uwe Seeler warf den Verantwortlichen zuletzt Konzeptlosigkeit vor. Beinahe vor jeder Saison wird ein Neuanfang ausgerufen in Hamburg, und fast immer steht dabei ein anderer Trainer an der Seitenlinie. Armin Veh ist der achte, seit Hoffmann an der Macht ist. Es ist deshalb verständlich, wenn Sportchef Bastian Reinhardt sagt: „Ein Verein muss grundsätzlich gewisse Strukturen vorgeben, die unverrückbar sind. Unabhängig davon, wer Trainer ist.“ Der Verein will eine Grundphilosophie schaffen, der alles vom Jugendbereich bis zur Profiabteilung untergeordnet wird. Den passenden Koordinator dafür hatten die Hamburger im Sommer beinahe schon verpflichtet: Urs Siegenthaler. Doch der Schweizer musste am Ende nach einigem Hin und Her als Chefscout beim Deutschen Fußball-Bund bleiben. Seine Ideen aber wirken fort im Verein: „Wir werden den Fokus verstärkt auf den Nachwuchs legen“, sagt Reinhardt.

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