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Hamburger SV : Der Dino darf sterben

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd

Dem Hamburger SV droht der Abstieg. Die negative Entwicklung ist die Quittung für Hochnäsigkeit. Viele Bürger reagieren gleichmütig auf den Absturz ihres Vereins: „Wat mutt, dat mutt!“

          6 Min.

          Am Mittwochabend sitzen 75 der ganz treuen Fans im Stadionrestaurant „Raute“ und hängen Frank Heinemann an den Lippen. Der blasse Trainer-Assistent, Spitzname „Funny“, ist ein Überbleibsel der kurzen Oenning-Phase beim Hamburger SV. In der größten Not sucht der Verein den Kontakt zu den Fans. Da müssen alle ran. Sogar der Bochumer Heinemann.

          Es überwiegen die leisen Töne, und einige sind zu Tränen gerührt (vor allem er selbst), als der sogenannte Kult-Masseur Hermann Rieger sagt: „Der Dino darf nicht sterben.“ Heinemann ist nicht so für Emotionen, er sagt: „Wir haben noch sieben heiße Partien. Wir packen es.“ Am Tag danach ist in Interviews mit Sportchef Frank Arnesen zu lesen, dass er auch im Falle des Abstiegs beim HSV bleiben will.

          Nicht jeder findet das gut. Im Ladenlokal „Venezia“ im Stadtteil Eimsbüttel sind die veröffentlichten Fakten aus der Welt des HSV eine harte Währung. Wenn einer der Stammgäste (Selbständige mittleren Alters in Segelschuhen, Cord-Sakko und ausgebeulten Jeans) an den Bistrotischen seinen Espresso trinkt und beispielsweise erzählt, dass HSV-Stürmer Marcus Berg an den FC Groningen ausgeliehen war, korrigieren die anderen sofort (PSV Eindhoven).

          Vor lauter Zukunft die Gegenwart aus den Augen verloren

          Mit der Zeit ist ein beachtliches Schwarmwissen entstanden. Im „Venezia“ gibt es mit Blick auf den HSV einige unumstößliche Tatsachen: Trainer Thorsten Fink ist ein „Schnacker“. Frank Arnesen hat aus Chelsea nur die dritte Wahl mitgebracht. Und Bernd Hoffmann hat dem HSV so viel Schulden hinterlassen, dass der Abstieg quasi zwangsläufig käme.

          Ach ja, die Mannschaft - ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: eine Ansammlung verzogener Legionäre. Und weil man hier im Hamburger Westen mit dem nahen Millerntorstadion in der St.-Pauli-Welt lebt, hätten die meisten Diskurs-Teilnehmer nichts gegen den ersten Abstieg des HSV aus der Bundesliga. Ende, aus, zweite Liga: Der gehobene Stammtisch hat gesprochen.

          Der Großverein Hamburger SV mit seinen 70.000 Mitgliedern und einem Jahresumsatz der GmbH von knapp 150 Millionen Euro ist in dieser Zeit besonders angreifbar und insofern ein potentieller Absteiger, weil er mitten im Umbruch steckt: Vor lauter Zukunftsplänen haben Arnesen, Fink und Vorstand Carl-Edgar Jarchow die Gegenwart aus den Augen verloren.

          Jetzt schlägt die Stunde der Ehemaligen

          Mit voller Kraft wollte das neue Führungstrio das Konzept der Verschlankung und Verjüngung im Sommer in Angriff nehmen. Diese Saison: nichts mit dem Abstieg zu tun kriegen. Nächste Saison: die Europa-League-Plätze anpeilen. 2013/2014: unter die ersten sechs kommen. Das Vorbild hieß Gladbach. Allerdings ist die Mannschaft, die nun plötzlich den Absturz verhindern soll, ein Sammelsurium von Profis, die verschiedene Trainer und Sportchefs seit 2009 zusammengetragen haben.

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          Hier ein Stürmer, da ein Sechser und noch ein Innenverteidiger: Spieler gibt es zuhauf, aber auf zentralen Positionen ist der HSV besetzt wie ein Absteiger. Es fehlt ein Mittelfeldspieler, der das Spiel nach vorn organisiert. Ein Torwart, der Spiele gewinnt. Ein Stürmer, der nach hinten arbeitet.

          Wenn es bei einem Verein dieser Bekanntheit und Größe so weit kommt, dass über die Relegationsspiele am 11. und 15. Mai gesprochen wird, schlägt die Stunde der Ehemaligen. Das sind Spieler, die für bessere, zumindest sorgenfreie Zeiten stehen. Alle durften etwas sagen in der vergangenen Woche: natürlich Uwe Seeler und Willi Schulz, der einst im Aufsichtsrat saß. Seeler und Schulz glauben an den Klassenverbleib; für Seeler ist das Glas eher halbvoll als halbleer, und Schulz ist befangen, er hat als Kontrolleur die Verpflichtung einiger aktueller Spieler abgenickt.

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