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Hamburger SV : Kräfte bündeln am Kellersee

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Hat die Zeichen der Zeit erkannt: HSV-Profi Gojko Kacar Bild: dpa

Um den drohenden Abstieg doch noch zu vermeiden, bezieht der HSV vor dem Saisonfinale ein Trainingslager in Malente – mit einem bezeichnenden Gewässer in der Nähe. Ein Spieler hat zudem erkannt: Auch die Mannschaft hat Schuld an der Misere!

          Aus dem Keller an den Kellersee: Der Hamburger SV hat auf den tiefen Sturz auf Abstiegsrang 17 reagiert, bündelt vor dem Saisonfinale der Fußball-Bundesliga alle Kräfte und erweist nun auch noch etwas unfreiwillig Humor: Von Mittwoch bis Freitag wird das Team von Trainer Bruno Labbadia ein Trainingslager im Uwe-Seeler-Fußballpark in Malente beziehen, um sich auf das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) vorzubereiten. Dass das kleine Örtchen in Schleswig-Holstein dabei ausgerechnet in direkter Lage zum Kellersee liegt, dürfte den Verantwortlichen in Hamburg dabei möglicherweise entgangen sein.

          Ob die Ortswahl des Trainingslagers dabei nicht eventuell ein schlechtes Omen sein könnte oder ob der HSV den Tabellenkeller durch ein paar Laufrunden um den Kellersee doch verlassen kann, wird sich dann wohl erst nach dem finalen Schlusspfiff dieser Saison zeigen. Um möglichen Anspielungen auf das nahe liegende Gewässer zu entgehen, soll das Training an allen drei Tagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

          Mut holen durch den Mythos

          In der Abgeschiedenheit der legendären Sportschule in der 11 000 Einwohner zählenden ostholsteinischen Gemeinde will der Bundesliga-Dino den erstmaligen Absturz in die Zweitklassigkeit verhindern. Wo einst Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Wolfgang Overath 1974 sowie Lothar Matthäus, Rudi Völler und Hans-Peter Briegel 1990 den Grundstein für den Gewinn von zwei WM-Titeln legten, will sich der Tabellenvorletzte von dem Mythos inspirieren lassen und Mut schöpfen.

          „Ab jetzt zählt nur noch der kommende Samstag“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer angesichts der brenzligen sportlichen Situation seines HSV. Der Tabellenvorletzte kann nur mit einem Sieg über die Schalker seine Chance auf den Klassenverbleib wahren. Zudem ist der bisher noch nie aus der 1. Liga abgestiegene Traditionsklub auf Schützenhilfe der Konkurrenz angewiesen.

          Die Reise ist zugleich eine Flucht vor den bohrenden Fragen nach den Fehlern der vergangenen Tage, Monate und Jahre. „Darüber können wir nach dem letzten Spiel sprechen“, erwiderte Beiersdorfer auf kritische Fragen und ergänzte: „Wir sollten uns bei der wenigen verbleibenden Zeit jetzt nicht in kleinen Einzel-Diskussionen verstricken.“ So lange noch ein Fünkchen Hoffnung besteht, soll keine Demontage der Protagonisten vorgenommen werden. Schmutzige Wäsche wird anschließend gewaschen.

          Trotzdem ist Trainer Labbadia als Psychologe gefordert. „Wir haben uns ein Stück weit kaputtgemacht“, lautete seine Analyse nach dem erschreckenden Auftritt in Stuttgart, der auf Hamburger Seite so gar nichts mit Kampf gegen den Abstieg zu tun hatte. Der 49 Jahre alte Hesse, der der Mannschaft seit seiner Amtsübernahme wieder Leben eingehaucht und zu sieben Punkten in Serie geführt hatte, bangt nach dem bösen Rückfall um die Widerstandsfähigkeit seiner Kicker.

          Mehr als ratlos: die HSV-Verantwortlichen um Trainer Labbadia (r.)

          Denn je größer der Druck in Hamburg wird, desto weicher scheinen die Knie der Profis zu werden. Doch damit ein Jahr nach der mehr als glücklich und nur durch ein Auswärtstor überstandenen Relegation gegen Greuther Fürth noch einmal die sportliche Rettung glückt, hat Gojko Kacar einen Appell an das gesamte HSV-Team gerichtet. „Wir als Mannschaft sind in der Pflicht. Oft wurden hier die Trainer gewechselt, die Ergebnisse sind die gleichen geblieben. Wir können uns nicht immer auf andere verlassen. Wir müssen es selbst lösen“, sagte der unter Labbadia erstarkte Mittelfeldakteur und zuletzt fast einzige Hamburger Torschütze dem „Kicker“. „Es ist noch nicht vorbei. Wir müssen unser Endspiel gegen Schalke gewinnen. Dann bin ich sicher, dass wir noch eine Chance bekommen.“

          Sich und seiner Mannschaft, die nach sieben Punkten aus drei Partien am Samstag in Stuttgart eine 1:2-Pleite hinnehmen musste, stellte Kacar ein schlechtes Zeugnis aus. „Der Kopf ist unser Problem. Schon das Freiburg-Spiel war deutlich schlechter als die Partien davor, in Stuttgart haben nur alle gehofft, dass jemand hilft, keiner hat Verantwortung übernommen“, räumte er selbstkritisch ein.

          Dass die HSV-Akteure unter großem Druck stehen, dürfe keine Ausrede sein, meinte der 28 Jahre alte Serbe. „Wir müssen mit Druck umgehen können, wir sind keine Kinder. Entscheidend ist, wir müssen gegen Schalke mehr Willen zeigen. Denn Stuttgart wollte am Samstag mehr als wir.“ Darum fährt der VfB nun auch nicht an den Kellersee.

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