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Hamburger SV : Neues aus der Quatschbude

  • -Aktualisiert am

Karl Gernandt: Entsetzt, mit welchen Kräften die Weiterentwicklung riskiert wird Bild: dpa

Das Beben beim Dinosaurier der Bundesliga nimmt kein Ende: Beim HSV hat Aufsichtsrats-Chef Gernandt genug von den Indiskretionen. Seinen Abschied verkündet er mit deutlichen Worten.

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          Eine der frühen Leistungen Dietmar Beiersdorfers war, den Aufsichtsrat zum Schweigen zu bringen. Aus der Quatschbude von einst wurde in den ersten 18 Monaten seiner Amtszeit ein seriöses Gremium, das selten bis nie öffentlich in Erscheinung trat - und wenn jemand etwas sagte, tat dies Karl Gernandt, der Chefkontrolleur.

          Dass Gernandt die rechte Hand Klaus-Michael Kühnes in Hamburg war und so im höchsten Vereinsgremium ein wichtiger Abgeordneter des großen Geldgebers saß - geschenkt. An dieses Konstrukt hatte man sich beim Hamburger SV längst gewöhnt. Im Umfeld und bei den Fans des Klubs schon weniger. Aber immerhin, dass Interna an die Öffentlichkeit gerieten, das geschah bis vor einem dreiviertel Jahr viel seltener als in den Zeiten vor Beiersdorfers Einstieg als Vorstandschef der HSV Fußball AG im Juli 2014.

          Inzwischen aber hat sich der HSV auch in diesem Bereich wieder an die Zeiten vor der Ausgliederung der Profi-Abteilung angepasst. Indiskretionen, gezielte Falschinformationen, ja sogar Vertragsdetails gelangten an die Öffentlichkeit, und mit Gernandts überraschendem Austritt als Chefkontrolleur am Dienstag gab es quasi die Bestätigung, dass die Quelle dafür offenbar der neue Aufsichtsrat ist: „Ich musste diesen Schritt leider gehen, weil zu viele bewusste Indiskretionen innerhalb unseres Gremiums dem HSV und seinen handelnden Personen in den vergangenen Monaten erheblichen Schaden zugefügt haben“, schrieb Gernandt in einer Stellungnahme, „aktuell ist die sportliche Trendwende gefährdet, und inhaltliche Führungsarbeit ist in dieser Konstellation nicht möglich.“

          Gernandt ließ offen, wen er aus dem Kreis der anderen Kontrolleure meinte. Mit ihm sitzen Jens Meier, Felix Goedhart, Dieter Becken, Bernd Bönte und Peter Nogly im Aufsichtsrat. Ungewohnt scharf kritisierte er jedoch das Verhalten des „Maulwurfes“ oder der „Maulwürfe“: „Ich kann und werde nicht die Hauptverantwortung für so ein Verhalten tragen und bin entsetzt, mit welchen Kräften im Verein und im Aufsichtsrat die sportliche und langfristige Weiterentwicklung riskiert wird. Wenn persönliche Motive über professionelles Verhalten gestellt werden, macht dies nachhaltige Führungsarbeit unmöglich“, schrieb Gernandt, der mit diesem Rundumschlag indes auch verdeutlichte, dass er den Aufsichtsrat selbst nicht im Griff hatte.

          Der 56 Jahre alte Topmanager des Logistikriesen Kühne + Nagel will als einfaches Mitglied im Kontrollgremium bleiben; seinen Posten werden seine Stellvertreter Meier oder Goedhart kommissarisch übernehmen. Ob und wie er mit den von ihm derart kritisierten Kollegen in dieser Konstellation weiterarbeiten will, bleibt schleierhaft. Das Beben beim Dinosaurier der Bundesliga nimmt kein Ende. Seit Mai sind in Peter Knäbel, Bruno Labbadia, Jörn Wolf, Joachim Hilke, Beiersdorfer und nun Gernandt sechs Personen aus dem innersten Zirkel des HSV entlassen worden oder zurückgetreten. So kommen auf den an diesem Mittwoch in Hamburg startenden Beiersdorfer-Nachfolger Heribert Bruchhagen nicht nur inhaltlich gewaltige Aufgaben zu, sondern auch rein personell.

          Vor allem stellt sich die Frage, wer die dringend benötigten Wintertransfers abwickeln soll. Beiersdorfer hat das Angebot abgelehnt, noch bis zum 31. Januar 2017 für den Klub zu arbeiten und so lange auf Spielersuche zu gehen. Sicher wird nun auch einiges an Kaderarbeit auf Trainer Markus Gisdol zukommen, und da womöglich nicht sofort ein neuer Sportchef gefunden wird, könnte Gisdol im Gespann mit Bruchhagen die nötige Auffrischung anleiern müssen. Dass der Trainer in seinem Verständnis von Vereinsführung das letzte Wort hat, betont Bruchhagen stets. Immerhin das könnte für Gisdol von Vorteil sein - in einer Situation, in der ganz Fußball-Deutschland mal wieder den Kopf schüttelt über diesen HSV.

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