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Hamburger SV : Abflug von Nummer 13

  • -Aktualisiert am

Abgang: Thorsten Fink verlor immer mehr an Vertrauen Bild: AP

Nach der Trennung fuhr der bisherige Trainer Thorsten Fink ein letztes Mal beim HSV vor. Interimistisch übernehmen Rodolfo Cardoso und Otto Addo das Training.

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          Es wirkte am Ende so, als bettele Thorsten Fink um seine Entlassung. Dass er am Tag nach der 2:6-Niederlage bei Borussia Dortmund, am Sonntag also, zu seiner Familie nach München flog, sorgte beim Hamburger SV jedenfalls für ein Höchstmaß an Verwunderung. Auf der nächsten Reise in den Norden konnte sich Fink dann schon überlegen, was er seinen Spielern zum Abschied sagen würde.

          Am Montagabend rief Sportchef Oliver Kreuzer an und informierte Fink, dass er von seinen Aufgaben als Cheftrainer des HSV entbunden sei. Am Dienstag um zehn Uhr morgens sagte Fink seinen Profis beim Abschied dann leise Servus und beendete die Zusammenarbeit mit dem Klub, der sich in den vergangenen beiden Jahren endgültig zum Verein für Pleiten, Pech und Pannen entwickelt hat. Am Dienstagmittag begründete der erst im Sommer hinzugekommene Kreuzer die Entlassung Finks: „Wir haben einen Fehlstart hingelegt, in den Spielen nicht überzeugt, keine Konstanz gezeigt. Wir haben keine klare Linie erkennen können. Es war ein Wirrwarr zu sehen. Thorsten hatte nicht mehr die Power, den Umschwung zu schaffen.“

          Zumindest übergangsweise, vermutlich auch bis zum Spiel gegen Werder Bremen am Wochenende, werden U23-Trainer Rodolfo Cardoso und U19-Coach Otto Addo, zwei ehemalige HSV-Profis, das Training leiten.

          Das Fass zum Überlaufen brachte Finks wunderliche Taktik im Dortmund-Spiel: Er versuchte es mit einer Dreierkette, bestehend aus drei Innenverteidigern. Die Zweifel an Finks taktischen Fähigkeiten wuchsen. Fink behauptete, er habe die Anordnung lange proben lassen, Insider aber hatten diese taktische Ausrichtung erst in den letzten Einheiten vor dem Spiel erstmals gesehen. Das 2:6 war dann die siebte Niederlage mit vier oder mehr Toren Unterschied in den 64 Ligaspielen unter Fink. Da der HSV nach dem Zwischenhoch und einem 4:0 gegen Eintracht Braunschweig schon wieder bis auf Platz 15 gefallen ist, reagierten Kreuzer und Klubchef Carl Edgar Jarchow – wenige Tage vor dem Spiel gegen Werder Bremen.

          Verlust an Vertrauen

          Eine Überraschung war die Entlassung des dreizehnten HSV-Trainers seit 2001 aber nicht mehr. Im kleinen Kreis hatte Jarchow schon vor der Braunschweig-Partie durchblicken lassen, dass eine deutliche Niederlage gegen die Eintracht das Ende Finks als Hamburger Coach bedeuten würde. Sowohl beim Sportchef als auch beim Vorstandsvorsitzenden hatte sich das Gefühl festgesetzt, dass dieser Coach nicht genug aus dem 40 Millionen Euro teuren Kader heraushole.

          Zuvor hatte man den Verlust des Vertrauens in Fink auch daran gemerkt, dass Jarchow und Kreuzer die Vertragsverhandlungen mit ihm immer weiter verschoben. Finks Vertrag beim HSV läuft noch bis zum nächsten Sommer. Der 45-Jährige war im Oktober 2011 auf Michael Oenning gefolgt und hatte den HSV auf Rang 18 übernommen. Relativ rasch brachte sich Hamburg in Sicherheit, und nach einem Fehlstart vor einem Jahr halfen die teuren Transfers um Rafael van der Vaart dem HSV aus dem Keller und auf Rang sieben der Abschlusstabelle. Nun sollte mit Fink die Europa League angesteuert werden.

          Trennung: Auch Rafael van der Vaart muss Fink verabschieden

          Der HSV ist aber einer der kompliziertesten Vereine der Liga. Das Leben als Cheftrainer hier ist nicht einfach, von überall wird Einfluss genommen und mitgeredet. „Ich hatte noch keinen einzigen Monat, in dem ich in Ruhe arbeiten konnte“, sagte Fink einmal. Das stimmt. Doch unterm Strich bleibt er der Coach mit dem schlechtesten Punkteschnitt der vergangenen Jahre (1,28 Punkte pro Spiel). Seine Handschrift war nie zu erkennen, und oft wurde man das Gefühl nicht los, dass sich sein Coaching auf rudernde Armbewegungen beschränkte, wo ein taktisch kluger Wechsel angezeigt gewesen wäre.

          Überhaupt die Taktik: Während der Vorbereitung hatte Fink ein 4-2-3-1 zum System der Zukunft erklärt. Doch so ließ er nur einmal spielen in den bisherigen fünf Partien der Saison in der Bundesliga. Allein in Dortmund ordnete er seine Elf in drei verschiedenen Grundformationen an. Der HSV hat die meisten Gegentore der Liga bekommen – trotz René Adler, des starken Torwarts. Die Mannschaft suchte nach Orientierung. Fink aber probierte und probierte.

          Kreuzer profiliert sich als Hardliner

          Anfangs wirkte er noch wie ein Macher mit klaren Linien. Er schien das millionenschwere Team um das Auslaufmodell van der Vaart, den Einzelgänger Adler und den überschätzten Heiko Westermann im Griff zu haben. Doch sein Konfliktmanagement in Sachen Rajkovic, Aogo und zuletzt bei der Wiedereingliederung aussortierter Spieler war verheerend: heute so, morgen so.

          So kam es, dass ausgerechnet derjenige, den doch Fink unbedingt wollte – Sportchef Kreuzer – von der Wankelmütigkeit Finks profitierte und sich auf seine Kosten als Hardliner profilieren konnte. Der Mann, der seine Jobgarantie werden sollte, wurde Fink letztlich zum Verhängnis. Es spricht für Kreuzer, dass er sein Arbeitsverhältnis mit dem HSV vor seine freundschaftliche Beziehung zu Fink gestellt hat. Jetzt kommt Kreuzers nächste Prüfung. „Mit Nachdruck“ soll der nächste Coach her. Seinen ehemaligen Mitspieler bei den Bayern, Markus Babbel, soll Kreuzer ebenso kontaktiert haben wie Franco Foda, einst Kollege bei Sturm Graz.

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