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Hamburger Sport-Verein : Schlusspfiff für Labbadia

  • -Aktualisiert am

Vorbei: Der HSV entlässt Trainer Bruno Labbadia Bild: REUTERS

Bruno Labbadia verliert nach weniger als einem Jahr seinen Job beim HSV. Der Klub hat seinen Trainer drei Tage vor dem Rückspiel im Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham beurlaubt. Der bisherige Technik-Trainer Ricardo Moniz wird Interimstrainer.

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          Beim Üben am Montagmorgen hatte schon Ricardo Moniz das Sagen, jener Mann mit holländischem Pass und spanischem Namen, der den Hamburger SV irgendwie für das Spiel des Jahres flottmachen soll, bevor er im Sommer seinen nächsten Job bei RB Salzburg antritt. Moniz war im Juni 2008 im Gefolge Martin Jols als Techniktrainer zum HSV gekommen und wegen seiner Fähigkeiten und Beliebtheit bei der Mannschaft trotz Jols Entlassung vor einem Jahr geblieben. Nun könnte er den HSV mit einer Rekordmarke verlassen: als derjenige Trainer, der in zweieinhalb Wochen als Chef im Dienst einen Pokal geholt hat.

          Gäbe es nämlich die Europa League nicht, hätte der HSV Trainer Bruno Labbadia sicher erst nach dem 34. Spieltag entlassen. Weil am Donnerstag aber das Halbfinalrückspiel gegen den FC Fulham (21.05 Uhr/ FAZ.NET-Europa-League-Liveticker) ansteht und der HSV unbedingt ins Finale im eigenen Stadion kommen will, feuerte Vorstandschef Bernd Hoffmann den 44 Jahre alten Labbadia am Montagmorgen. Eine Weiterbeschäftigung Labbadias erschien Hoffmann, Sportchefin Katja Kraus und Vorstand Oliver Scheel nach dem 1:5-Debakel bei 1899 Hoffenheim am Sonntag als zu riskant, denn der Bruch zwischen Trainer und Mannschaft war längst irreparabel.

          Das bewiesen die Aussagen der Hamburger Spieler am Sonntag, als einige dem Trainer vorwarfen, sie ohne Konzept ins Spiel geschickt zu haben. Wer bislang nach einem Beleg suchte, ob es Mannschaften gibt, die gegen den Trainer spielen: das 1:5 (0:3) bei 1899 Hoffenheim darf als solcher gelten. Schon die Ankündigung Hoffmanns, die Lage am Montagmorgen mit Labbadia zu analysieren, konnte man dann als Indiz für die bevorstehende Entlassung werten.

          Da waren sie noch ein Trainerteam: Interimstrainer Moniz (r.) neben Labbadia (l.) und dessen ebenfalls entlassenem Co-Trainer Sözer

          Erst ein Jahr in Hamburg

          „Wir konnten nicht erwarten, das Spiel am Donnerstag in Fulham erfolgreich zu bestehen“, sagte Hoffmann am Montag, „wir haben Bruno Labbadia beurlaubt, weil wir glauben, dass wir damit den Negativkreislauf durchbrechen können. In dieser Konstellation können und wollen wir nicht weitermachen.“ Der HSV hatte nur vier seiner 15 Rückrundenspiele gewonnen und war zuletzt nur noch durch gezielte Indiskretionen aus der Mannschaft und Sticheleien zwischen Profis und Trainer aufgefallen. Den Spielern sei nun das Alibi genommen, sagte Hoffmann: „Jetzt steht das Team im Fokus. Jetzt kann nur noch beurteilt werden, was auf dem Platz passiert.“

          Labbadia war im vergangenen Sommer als Jols Nachfolger bis 2012 verpflichtet worden; er soll nun eine Abfindung in Höhe von einer Million Euro bekommen. Moniz wird die Mannschaft nur bis zum Saisonende anleiten. Vor allem soll er für einen raschen Stimmungsumschwung sorgen. „Wir hoffen, dass er die paar Prozent weckt, die verschüttgegangen sind“, sagte Hoffmann.

          Löw kommt nicht

          Der 45 Jahre alte Moniz gilt als humorvoll und beliebt, er kennt die Mannschaft und wird nichts fordern, weil schon seit Wochen klar ist, dass er dem Angebot des ehemaligen Hamburger Sportchefs Dietmar Beiersdorfer folgt und nach Salzburg wechselt. Dort soll er Chef des gesamten RB-Trainerstabs werden und die Nachwuchstrainer ausbilden. „Es war ein dramatischer Tag“, sagte Moniz am Montag. „Mir war es wichtig, dass Bruno Labbadia nichts dagegen hatte, dass ich es jetzt mache.“ Bevor er mit Jol zum HSV wechselte, hatte Moniz als Techniktrainer bei Tottenham Hotspur gearbeitet.

          Neben dem Ausgang des Spiels in Fulham, in dem die Mannschaft nach Hoffmanns Vorstellung unbelastet vom zerrütteten Verhältnis zum (ehemaligen) Trainer auftreten soll, wird also zur spannendsten Frage der nächsten Wochen, wer neuer Trainer des HSV wird. Sportchefin Katja Kraus hat gegenüber dieser Zeitung vergangene Woche behauptet, der in Hamburg hoch gehandelte Bundestrainer Joachim Löw werde es nicht.

          Sommerliches Facelifting

          Klar ist indes, dass der neue Chef, der fünfte seit 2007, eine veränderte Mannschaft vorfinden wird: Boateng wird den HSV verlassen, für ihn soll der Schalker Höwedes kommen. Zé Roberto, Demel, Elia, Pitroipa, Rincon gelten als Wechselkandidaten. Trochowski dürfte bleiben und sich unter dem neuen Mann mehr Chancen auf einen Stammplatz ausrechnen als unter Labbadia. Torwart Frank Rost steht vor seinem letzten Jahr beim HSV, ungewiss ist, was Ruud van Nistelrooy nach dem Chaos der letzten Wochen macht. Wie zu hören ist, soll der kommende Sportchef Urs Siegenthaler schon seit Januar für den HSV arbeiten und im Hintergrund am Team der Zukunft basteln. Von diesen Aufgaben war Labbadia in den letzten Monaten entbunden worden mit der Maßgabe, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren.

          Zur Neuausrichtung der Hamburger wird auch gehören, zukünftig pflegeleichtere Spieler mit integrem Charakter zu kaufen, keine schillernden Jungstars mit Allüren. Als Kandidaten gelten in Hamburg Typen wie die Wolfsburger Riether, Schäfer und Madlung. Es soll ein sommerliches Facelifting in Richtung Sympathie werden. Wen auch immer er dann anleitet, der nächste HSV-Trainer sollte unbedingt Autorität und Härte mitbringen.

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