https://www.faz.net/-gtm-8twau

Sperre für Fußballer : Calhanoglu war sich der „Tragweite nicht bewusst“

  • Aktualisiert am

Kämpferisch: Hakan Calhanoglu Bild: AFP

Vier Monate ohne Fußball: Hakan Calhanoglu büßt für einen Fehler aus seiner Jugend. Der Fußballprofi von Bayer Leverkusen gibt sich nun kämpferisch. Der Klub bezeichnet den Termin der Urteilsverkündung als perfide.

          2 Min.

          Hakan Calhanoglu, Fußballprofi von Bayer Leverkusen, gibt sich kämpferisch, nachdem am Donnerstag vom Sportgerichtshof Cas eine viermonatige Sperre bestätigt wurde, die die Fifa wegen eines Vertragsstreits auferlegt hatte. Er habe schon einges in seiner Karriere erlebt, sagte er in einem Gespräch mit dem „Kölner Express“. „Diese Angelegenheit wird mich nur noch stärker machen.“ Das Schlimmste sei für ihn, dass sein Klub in Mitleidenschaft gezogen werde. „Das macht mich traurig. Ich habe Schuldgefühle, es tut mir unendlich leid.“ Er habe 2011 zufällig mitbekommen, „dass sich mein Vater in Darmstadt in einem Restaurant mit Vertretern von Trabzonspor trifft“.

          Sein Vater habe zu ihm gesagt, er müsse den Vertrag unterschreiben. „In unserer Kultur hat der Vater das Sagen. Es gehört sich nicht, ihm keinen Respekt entgegen zu bringen“, meinte Calhanoglu. „Ich war 17 Jahre alt und war mir der Tragweite nicht bewusst. Ich hatte doch nur Fußball im Kopf.“

          Sein Vater wisse heute, dass er einen großen Fehler gemcht habe. „Er ist mein Vater und bleibt mein Vater. Aber er wird sich nie mehr in meine Karriere  einmischen“, sagt Calhanoglu zum heutigen Verhältnis innerhalb seiner Familie.

          Der Cas bestätigte am Donnerstag eine Entscheidung des Weltverbandes Fifa von Anfang 2016. Dem 22-Jährigen wird Vertragsverletzung vorgeworfen. Die Sperre gilt von sofort an. Zudem muss Calhanoglu 100.000 Euro Strafe zahlen. Der Richter-Spruch ist nicht anfechtbar. Für den türkischen Nationalspieler ist die Saison damit beendet. Er wird dem Tabellenneunten Bayer schon am Freitag im Auswärtsspiel bei seinem früheren Verein Hamburger SV fehlen.

          Von dort wechselte Calhanoglu im Jahr 2014 für gut 14 Millionen Euro nach Leverkusen. Hintergrund des Urteils ist eine Auseinandersetzung zwischen Calhanoglu und dem türkischen Verein Trabzonspor. Der türkische Nationalspieler hatte 2011 als 17-Jähriger einen Vertrag mit Trabzonspor unterschrieben. Er verlängerte dann jedoch seinen Vertrag beim Karlsruher SC und wechselte später zum HSV. Trabzonspor sah darin eine Vertragsverletzung, der Sichtweise schloss sich die Fifa an.

          Bayer sieht sich unbeteiligt bestraft

          Gegen die von der Fifa ausgesprochene Sperre hatte unter anderen das Management von Calhanoglu Einspruch eingelegt. Bis zum Cas-Beschluss war die Suspendierung ausgesetzt. „Wir bedauern natürlich diese für uns in keiner Weise nachvollziehbare Entscheidung“, sagte Sportdirektor Rudi Völler in einer Bayer-Stellungnahme. „Sie ist ein schwerer Schlag für Hakan, aber auch für uns. Obwohl Bayer 04 Leverkusen nichts mit den Vorgängen im Jahr 2011 zu tun hat, werden auch wir schwer bestraft. Nun fehlt uns in der entscheidenden Saisonphase ein ganz wichtiger Spieler.“

          Bayer kämpft in der Bundesliga als Tabellenneunter um einen Europapokalplatz. In der Champions League spielt die Werkself im Achtelfinale gegen Atletico Madrid. Auch Leverkusen-Geschäftsführer Michael Schade kritisierte das Urteil. „Es trifft neben dem Spieler einen Verein, der an den damaligen Ereignissen absolut unbeteiligt war. Leider bleibt uns nichts anderes übrig, als das Urteil hinzunehmen.“

          Calhanoglu ist zusammen mit Stürmer Javier Hernandez der beste Torschütze in dieser Saison bei Bayer. Er erzielte bislang sechs Treffer. Auch als Vorbereiter ist er enorm wichtig für das Team.

          Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade wirft dem Cas derweil vor, das Urteil im Fall Hakan Calhanoglu verspätet verkündet zu haben. „Besonders perfide ist, dass mit der Verkündung des Urteils gewartet wurde, bis das Transferfenster geschlossen war“, sagte er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bayer habe die Information gehabt, dass das Urteil vom Cas schon Tage vorher gefällt worden sei, aber aus bürokratischen Gründen nicht unmittelbar veröffentlicht wurde. „Theoretisch hätten wir noch einen Spieler verpflichten können“, meinte Schade.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.