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Hängepartie beendet : Fink verlässt die Frankfurter Eintracht

Jubelt nur noch bis 23. Mai für Eintracht Frankfurt: Michael Fink Bild: Wonge Bergmann

Stuttgart? Köln? Basel? Der Frankfurter Mittelfeldspieler Michael Fink sagt noch nicht, wohin er nach Saisonende geht. Trainer Funkel will zwei bis drei neue Profis, betont aber die finanziellen Grenzen.

          Die Hängepartie ist beendet. Michael Fink ist aus der Deckung gekommen und hat am Donnerstag bestätigt, was allgemein erwartet worden war: „Ich habe mich entschieden, ich werde zum Saisonende Eintracht Frankfurt verlassen. Ich habe dann meinen Vertrag voll erfüllt.“ Bis zum Finale am 23. Mai will der 27 Jahre alte scheidende Fußballprofi „in jedem Spiel wie sonst auch 150 Prozent geben. Trainer Friedhelm Funkel setzt großes Vertrauen in mich, und das will ich nicht enttäuschen.“ Finks Hoffnung: „Ich bin sicher, dass das Umfeld wegen meines Abschieds nicht böse reagiert.“

          Lange schon hat sich Michael Fink mit dem Gedanken getragen, die Eintracht nach Ablauf seines Dreijahresvertrag zu verlassen. Es waren auch und vor allem finanzielle Gründe, die den gebürtigen Schwaben zu einem Wechsel bewogen haben. „Über Ostern, während der zwei freien Tage nach dem Spiel bei den Bayern, habe ich meine Entscheidung getroffen“, sagt er. Mit seinem Klub, den Fink noch nicht preisgeben möchte, hat sich der defensiv ausgerichtete Mittelfeldmann ebenso wie zu Frankfurter Zeiten auf einen Kontrakt über drei Jahre geeinigt. „Es ist auch schon alles unterschrieben.“ VfB Stuttgart, Hannover 96, 1. FC Köln – es sind die üblichen Kandidaten, über die seit Wochen spekuliert wird, bei denen Fink finanziell bessere Rahmenbedingungen vorfindet. Sein aktueller Trainer Funkel hat am Donnerstag sogar eine neue Variante ins Spiel gebracht. „Michael wird dauerhaft auf höchstem europäischen Niveau spielen.“ Fink, der fleißige Dauerläufer, der zum Mittelmaß der Bundesliga gehört, vielleicht sogar in der Champions League? Kaum vorstellbar, doch wer über die Landesgrenzen hinausschaut, könnte beim FC Basel fündig werden. Der Schweizer Meister ist seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit in der Königsklasse vertreten.

          Der Trainer bedauert den Weggang

          Funkel, über all die Jahre gemeinsamen Wirkens ein Freund des Fußballs Marke Fink, bedauert den Weggang. „Es ist schade, aber es ist nicht zu verhindern. Wir bei Eintracht Frankfurt stoßen da an finanzielle Größenordnungen, die wir nicht bewältigen können. Solange es uns nicht gelingt, Spieler wie Jones, Streit und nun Fink nicht zu halten, müssen wir kleine Brötchen backen. Ich hoffe: Irgendwann wird das auch der Letzte verstehen. Ich sehe den Tatsachen ins Auge – und das nun schon seit achtzehn Jahren.“

          Michael Fink, das ist der Typus Fußballprofi, den Funkel besonders schätzt. „Er ist ein gestandener Bundesligaspieler“, sagt der Eintracht-Trainer. „Doch wenn er geht, wofür ich volles Verständnis habe, dann müssen eben andere in die Bresche springen. Ihm bleiben doch insgesamt nur zehn Jahre, um gutes Geld zu verdienen.“ Funkel ist sicher, mit der Situation umgehen zu können. „Ich weiß, was ich von der Mannschaft erwarten kann.“ Was Funkel schon lange vor Ultimo geplant, mit seinem obersten Vorgesetzten aber noch nicht im Detail festgezurrt hat, ist der Blick auf neue Spieler. „Zwei bis drei, mehr will ich ja gar nicht haben“, sagt der Frankfurter Trainer. Aber keine Auszubildenden. „Fertig“ müssten sie sein, einzuordnen in die Kategorie gestandener Bundesligaprofi. „Sie müssen uns sofort helfen können.“ Ob und inwieweit solche Anwärter für die Eintracht finanzierbar sind, will Funkel mit Vorstandschef Heribert Bruchhagen beginnend mit ersten Gesprächen in der kommenden Woche ausloten. „Man darf nicht vergessen: Hier bei der Eintracht wird mit den vorhandenen Mitteln, die nicht sehr groß sind, grundsolide ehrliche Arbeit abgeliefert. Und man muss“, so Funkel, „auch mal den Mut haben, die Wahrheit zu sagen.“

          Vertrauensperson für das Trainerteam

          Die Wahrheit im Fall Fink: Andere erstklassige Mitbewerber, sei es aus dem In- oder Ausland, sind augenscheinlich bereit, bedeutend lukrativere finanzielle Anreize zu bieten. Dafür ist der Mittelfeldmann bereit, bestehende Bindungen und Errungenschaften aufzugeben. „Wenn uns ein Stammspieler verlässt, ist der Verlust immer groß“, sagt Funkel. „Aber bei Michael Fink ist es ja so, dass es sich auch um eine Vertrauensperson für das Trainerteam handelt. Auch deshalb ist er für uns ein ganz ganz wichtiger Spieler.“ Fink selbst „fällt es schwer zu gehen. Ich habe mir hier etwas aufgebaut, man hört auf mich, mein Wort hat Gewicht. Auch habe ich privat und in der Mannschaft viele Freunde gefunden.“ Doch er geht – und folgt dem Lockruf des Geldes. Nach Stuttgart, nach Köln, nach Basel? Oder vielleicht doch ganz woanders hin? Fink und sein neuer Klub werden es beizeiten kundtun. Bis dahin sollte er sich darauf konzentrieren, mit der Eintracht die entscheidenden Punkte im Kampf um den Klassenverbleib zu holen. Am Samstag kommt Gladbach. Für Fink ist es das siebtletzte Spiel im Eintracht-Dress.

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