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Fürth bezwingt Hoffenheim : Showdown im DFB-Pokal kurz vor Heiligabend

  • -Aktualisiert am

Gefühlschaos: Jubel bei Fürth nach dem Sieg gegen die Hoffenheimer. Bild: dpa

Es ist ein Auf und Ab der Gefühle: In einem denkwürdigen Elfmeterschießen ringt Fürth im DFB-Pokal Hoffenheim nieder. Das spannungsgeladene Aufeinandertreffen lässt dabei den Klassenunterschied vergessen.

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          Dieses Elfmeterschießen fast auf den Tag genau fünfzig Jahre nach der deutschen Premiere war so etwas wie eine De-Luxe-Reprise mit Goldrand. Es wollte im Auf und Ab der Gefühle auf Seiten der TSG 1899 Hoffenheim und der Spielvereinigung Greuther Fürth gar nicht aufhören, so rasant wechselte am Dienstagabend in der Sinsheimer Arena der Spannungsbogen zwischen beiden Parteien in diesem Zweitrundenduell des DFB-Pokalwettbewerbs. Wie schon im Spiel wähnte sich mal der Tabellenzwölfte der Ersten Bundesliga, mal der Tabellendritte der Zweiten Bundesliga obenauf, ehe nach zwölf Treffern und fünf „Nieten“ der Fürther Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer dem großen Showdown zwischen coolen Vollstreckern und Fehlschützen mit Nervenflattern ein Ende machte.

          DFB-Pokal

          Der im Zweifel offensive und stets mutige Rechtsverteidiger, der schon beim zwischenzeitlichen 2:1 für die „Kleeblättler“ einen mustergültigen Angriff der Franken abgeschlossen hatte (46. Minute), zirkelte den Ball oben rechts ins Hoffenheimer Netz, so dass Torhüter Oliver Baumann vergeblich auf dem Sprung in die richtige Ecke war. 7:6 für Fürth nach 18 Elfmetern, im Finale dieser Pokalbegegnung zwei Tage vor Heiligabend spiegelten sich Glanz und Elend dieser Extraportion an Spannung.

          Zum 2:2 nach 94 bewegten Minuten, die eher von den taufrisch anmutenden Fürthern geprägt waren als von den in der Bundesliga wie der Europa League über Wochen straff geforderten Hoffenheimern, passte das Last-Minute-Vorspiel zur Verlängerung mit finalem Showdown. Fürth bekam nach Sessegnons Foul an Hrgota einen Foulelfmeter zugesprochen, der ohne Zugabe alles hätte entscheiden können. Doch Mittelfeldspieler Paul Seguin war der Nervenkitzel wohl noch nicht genug.

          Er scheiterte bei seinem mittig geschossenen Knallhartversuch an Torhüter Baumann, der die Gefahr, sich schon nach der regulären Spielzeit wieder einmal früh aus der Pokalkonkurrenz zu verabschieden, mit einer Faustabwehr kurzfristig bannte. Das dicke Ende für ihn und seine Mannschaft kam schließlich um 21.17 Uhr, nachdem Seguin im Nachgang neben Raum, Sarpei, Hrgota, Jaeckel und Tillman getroffen und das Duell trotz Bauers Elfmeter in den regenschwarzen Sinsheimer Himmel und Ernsts Strafstoß gegen die Querlatte in der Waage gehalten hatte, ehe es Meyerhöfer nach den Fehlversuchen von Vogt, Bogarde und Adams für Fürth entschied. Arm in Arm bejubelten die Weiß-Grünen, daheim im Schatten des großen 1. FC Nürnberg frisch wie lange nicht aufgeblüht, mit lauten „Hey, hey, hey“-Jubelrufen ihren Jahresabschluss, den die Fürther Auswärtsbilanz mit dem Prädikatssiegel „unbesiegt“ in 16 Begegnungen schmückt.

          Eine prickelnde Konzentrationsübung

          Die mit Talenten gesegnete junge Mannschaft von Trainer Stefan Leitl imponierte mit ihrem Selbstverständnis, sich aus der eigenen Abwehr bis vor das gegnerische Tor durchkombinieren und diesen Anspruch auch gegenüber einem klassenhöheren und stärker eingeschätzten Widersacher geltend machen zu können. „Es gibt keinen Zweifel, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat“, resümierte Leitl einen Auftritt, der die nachvollziehbaren Bundesliga-Ambitionen dieses jung gereiften Ensembles – am Dienstag lag das Durchschnittsalter der Startelf bei 23,9 Jahren – sichtbar machte.

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          DFB-Pokal am Dienstag : Der 18. Elfmeter besiegelt die Überraschung

          „Es macht uns stolz, diese Partie auf ein gewisses Niveau gehoben zu haben“, beschrieb Leitl die unverkennbare Qualitätsoffensive seines Teams, das insofern auch ein wenig Glück hatte, als die Hoffenheimer am Ende eines anstrengenden Spieljahrs, in dem die Mannschaft auch Covid-19-Infektionen zu verkraften hatte, ausgelaugt und urlaubsreif wirkten. „Die Jungs sind am Anschlag und darüber hinaus“, bilanzierte Trainer Dieter Hoeneß den Ist-Zustand seiner Mannschaft. „Das ist das, was man dann bekommt“, sagte er beim Blick auf ein episches Spiel, in dem Hoffenheim durch Kramaric früh in Führung gegangen war (12.) und nach den Toren von Ernst (21.) und Meyerhöfer (46.) durch Akpogumas Kopfball (49.) noch einmal ausgeglichen hatte. Zu mehr reichten die Kräfte dann nicht mehr, während Fürth auch nach Rückschlägen seinem druckvoll über die Außenpositionen führenden, laufintensiven Positionsfußball treu blieb.

          Am Ende entschied die prickelnde Konzentrationsübung Elfmeterschießen diese sehenswerte Begegnung, in der kein Klassenunterschied auszumachen war, wohl aber das deutliche Fürther Tagesplus zum Jahresausklang. Das erkannte auch der Hoffenheimer Kapitän Oliver Baumann neidlos an. Er, der mit dem gehaltenen Strafstoß dieser Begegnung den Extrakick über weitere dreißig Minuten plus Elfmeterschießen verschafft hatte, gab dem Gegner ein Extrakompliment mit auf den Weg zurück nach Franken. „Die Fürther spielen richtig gut Fußball, und wir waren einfach nicht besser.“

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