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Greuther Fürth : Asamoahs letzter Kampf

Asamoah ist auch in Fürth ein Fanliebling Bild: dapd

Gerald Asamoah will mit Fürth Geschichte schreiben und aufsteigen. Viel Zeit hat der Nationalspieler von einst dafür nicht mehr.

          5 Min.

          Schon von weitem kann man ihn hören. Der Auspuff seines Sportwagens röhrt, als Gerald Asamoah auf den Parkplatz vor dem Stadion fährt. Eine schwarze Lederjacke, eine löchrige Jeans - so steigt er aus und gibt Autogramme. In der fränkischen Provinz ist dieser Mann ein kleiner Star, und trotzdem konnten im Winter viele nicht verstehen, dass einer wie er in die Zweite Fußball-Bundesliga zur Spielvereinigung Greuther Fürth wechselt. „Dieser Verein hat mich unglaublich gereizt. Seit Jahren kämpfen die Leute hier um den Aufstieg, aber sie schaffen es einfach nicht“, sagt der Dreiunddreißigjährige. „Was gibt es Schöneres, als wenn Asamoah plötzlich da ist - und auf einmal steigt Fürth in die Bundesliga auf. Das wäre eine tolle Geschichte, daran würde man sich erinnern.“ Asamoah denkt gern in fußballhistorischen Kategorien.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Fürth hoffen die Verantwortlichen darauf, dass er recht behält. Sechs Mal hatte der Verein am letzten Spieltag einer Saison schon die theoretische Möglichkeit auf den Aufstieg - er nutzte keine davon. Inzwischen spielen sie hier mit dem Image des ständigen Scheiterns: „Die Unaufsteigbar-Tour“ steht in großen Lettern auf dem Mannschaftsbus der Fürther, genannt die „Kleeblätter“, damit reisen sie quer durch die Republik und beeindrucken reihenweise ihre Gegner. Die Chance, schon in wenigen Monaten zur Elite des deutschen Fußballs zu gehören, war nie größer als im Moment.

          Tabellenführer nach 26 Spielen

          Am Samstag gewann die Mannschaft bei 1860 München souverän 4:1, und so wird die Spielvereinigung Greuther Fürth auch nach dem 26. Spieltag Tabellenführer sein. „Wir müssen alle verstehen, dass wir eine Riesenchance haben“, sagt Asamoah. „Man darf die negativen Sachen nicht an sich ranlassen, wir müssen mit den Gefühl auf den Platz gehen, jedes Spiel gewinnen zu können.“ Asamoah, der ehemalige Nationalspieler, soll dabei eine Schlüsselrolle einnehmen und der jungen Mannschaft voller Talente mit seiner Erfahrung und seinen Qualitäten im Strafraum helfen. Vier Tore in vier Spielen hat er bisher für die Fürther erzielt.

          Dabei war Asamoah zuletzt nicht mehr vermittelbar auf dem deutschen Markt. Nachdem er im vergangenen Jahr mit dem FC St. Pauli aus der Bundesliga abgestiegen war und sein Vertrag nicht verlängert wurde, wartete er vergeblich auf attraktive Angebote. Klubs aus der Türkei, aus China und den Vereinigten Staaten sollen angefragt haben, aber nichts davon entsprach seinen Vorstellungen. „Ich wollte nur zu einem Verein wechseln, bei dem ich hundertprozentig dahinterstehe“, sagt Asamoah. „Ich wollte nicht mehr jeden Mist mitmachen, das brauchte ich mir nicht mehr antun.“ Sieben Monate war er arbeitslos, er hat sich mit einem persönlichen Fitnesstrainer in Form gehalten, so gut es eben geht, und er hat ab und an am Niederrhein beim VfB Hüls in der fünften Liga mittrainiert. Seine Karriere aber wollte er noch nicht beenden: „Auch als ich zu Hause saß, keinen Verein hatte, da wusste ich immer: Du gehörst auf den Platz. Es ist sehr, sehr schwer für mich zu sagen, dass es vorbei ist.“

          Mehr als 200 Euro für ein Ticket

          Seit einigen Wochen herrscht Ausnahmezustand in Fürth. Der deutsche Meister Borussia Dortmund kommt an diesem Dienstag (20.30 Uhr/FAZ-Liveticker) zum Halbfinale im DFB-Pokal, so ein Spektakel hat die Stadt schon lange nicht mehr erlebt. Der Klub lässt Zusatztribünen aufstellen, trotzdem waren die 15.500 Tickets schnell vergriffen. Inzwischen werden im Internet mehr als 200 Euro geboten, um doch noch einen Platz im Stadion am Ronhof zu bekommen. „Als ich vor ein paar Monaten noch auf dem Sofa lag, hätte ich nie daran gedacht, dass ich noch einmal gegen Lüdenscheid spielen werde“, sagt Asamoah. Lüdenscheid - so nennt er Borussia Dortmund. Als ehemaliger Schalker kommt ihm der Name des Revierrivalen nicht über die Lippen.

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