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Gonzalo Paciencia : Von vier auf eins

Mehr als ein Lückenbüßer. Goncalo Paciencia erzielt derzeit wichtige Tore. Bild: EPA

Gonçalo Paciência macht einen großen Sprung – der Sturm der Eintracht ist derzeit dennoch die Problemzone. In Mönchengladbach soll der Knoten platzen.

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          Diese Formel ist allzeit präsent. Drei Spieler, 57 Tore. Adi Hütter kennt die Zahlenkombination aus dem Effeff. Am vergangenen Freitag, nach dem 2:1-Heimsieg in der Gruppenphase der Europa League gegen Standard Lüttich und vor dem bevorstehenden Sonntagsspiel (18 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach, hat der Eintracht-Trainer mal wieder daran erinnert. Und es stimmt ja: Im Verbund haben Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rébic in der zurückliegenden Fußballsaison ebenjene 57 Tore geschossen. Eine phänomenale Ausbeute. Das Trio aber ist weg. Für gut 110 Millionen Euro haben sich der Serbe, der Franzose und der Kroate neuen Herausforderungen zugewandt – und Hütter ist die diffizile Aufgabe geblieben, im Verbund mit der Sportlichen Leitung für halbwegs adäquaten Ersatz zu sorgen.

          Ein Frankfurter Sturmtrio an diesem Sonntag von 18 Uhr an im Mönchengladbacher Borussia-Park (live im F.A.Z.-Bundesliga-Liveticker und Sky)? Das wird es nicht geben – und es ist zugleich das derzeitige Problem der Eintracht. Stand Freitag sah es nämlich so aus, dass wie schon gegen Lüttich nun auch gegen Gladbach der Portugiese Gonçalo Paciência den Alleinunterhalter spielt. Ein Modell, das keine Zukunft hat, wie selbst Hütter sagt. „Ich spiele am liebsten mit zwei Spitzen“, sagte der 49 Jahre alte Coach. Eine zweite Aushilfsspitze schickte Hütter am Donnerstag gegen die Belgier nach der Pause an die Seite von Paciencia. Mit Daichi Kamada bekam die Statik des Frankfurter Sturms ein wenig mehr Halt. Doch eine Ideallösung ist diese Formation, die in Gladbach abermals Konjunktur haben dürfte, nicht.

          Wenn nichts Gravierendes mehr dazwischenkommt, muss der Eintracht-Trainer auch bei der Borussia, die nach acht Spielrunden an der Tabellenspitze der Bundesliga stand, improvisieren. Hütter verbreitete zwar einen Hauch von Zuversicht, dass eventuell mit Bas Dost gerechnet werden könne. Sicher sei die Rückkehr des Angreifers keinesfalls. Unmittelbar vor dem bedeutsamen Europa-League-Spiel gegen Lüttich sollen Adduktorenprobleme einen Einsatz des stürmischen Niederländers verhindert haben. Von Silva ganz zu schweigen, der sich seit längerem schon mit Beschwerden an der Achillessehne plagt.

          Verantwortung auf Zeit

          Dost, Silva und Paciência – das wäre was. Schließlich zeichnet dieses im Sommer neu zusammengestellte Trio für elf der 14 erzielten Bundesligatore verantwortlich (Paciência fünf, Dost und Silva jeweils drei). Und schneller als erwartet, so scheint es, ist es Hütter im Zusammenspiel mit Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner gelungen, eine neue schlagkräftige Offensivabteilung zu formen. Doch Hütter wirbt zugleich darum, maßvoll zu bleiben. „Gonçalo war letztes Jahr Stürmer Nummer vier“, sagte Hütter vor der Abreise an den Niederrhein. „Das darf man nicht vergessen.“ Derzeit lastet auf den Schultern des 25 Jahre alten Portugiesen die Verantwortung auf Zeit, Stürmer Nummer eins zu sein – eben solange Dost und Silva verletzungsbedingt nicht am Ball sein können.

          Gala und Spektakel, zumal in der Hälfte des Gegners, initiiert durch das derzeit gesprengte Frankfurter Sturmtrio: Man sollte nicht immer darauf setzen. Hütter beschrieb es so: „Wir werden es nicht schaffen, jeden dritten Tag ein Feuerwerk abzuliefern.“ Und schon gar nicht, wenn der Gegner wie an diesem Sonntag Borussia Mönchengladbach heißt und von einem Trainerkollegen angeleitet wird, den Hütter bestens kennt und von dem er in Hochachtung spricht. „Marco Rose und ich haben uns zuletzt in Wien bei der Bruno-Pezzey-Gala getroffen“, sagte Hütter. „Er wurde als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Ein guter Typ.“ Hütter kennt ihn aus gemeinsamen Salzburger Zeiten – und er freut sich darauf, den alten Spezi im Rahmen eines Spiels wiederzutreffen, „in dem es am Ende auch eine Frage der Physis ist, welche Mannschaft mehr Power und mehr Punch hat“. Der Eintracht-Trainer weiß, dass Gladbach „sehr robust ist und schnell den direkten Weg zum Tor sucht – mit technisch gutem, sauberem Fußball“.

          Technisch beschlagen, das ist aus Hütters dezimierter Angriffsreihe auch Paciência. Sein linker Volleyschuss kurz nach dem Seitenwechsel gegen Lüttich, der nur knapp das Tor der Belgier verfehlte, war ein weiterer Beleg dafür, dass der einstige Stürmer Nummer vier innerhalb kurzer Zeit einen großen Schritt gemacht hat. Und weil sich Hütter in Zeiten größerer Not auch der Flexibilität weiterer Profis sicher sein kann, dürfte Daichi Kamada auch im Borussia-Park als Aushilfsstürmer eine besondere Rolle zukommen. Mit zwei Torvorbereitungen gegen Lüttich hat der Japaner weitere Pluspunkte bei Hütter gesammelt, der fand, dass der „erste Standard überragend geschossen war. Daichi steht noch in der Entwicklung, er muss sich noch an das Tempo und die Dreifachbelastung gewöhnen. Aber er hat viel Potential, und ich gebe ihm die Zeit.“

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