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4:0 in Hannover : Gnadenlose Bayern setzen Aufholjagd fort

  • -Aktualisiert am

Münchens Robert Lewandowski (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 4:0. Bild: dpa

Der deutsche Fußball-Rekordmeister kommt in Hannover zu einem ungefährdeten Erfolg. Zwei Rückkehrer stehen bei den Münchenern dabei in der Startaufstellung. Und der Sieg hätte noch deutlicher ausfallen können.

          Selbst nach dem Treffer zum 0:4 wurde noch ausgelassen gejubelt. Robert Lewandowski sprang vor Freude in die Luft und signalisierte mit geballten Fäusten, wie viel Spaß ein ganz normales Pflichtspiel dann doch machen kann. Rund um den 4:0-Erfolg des FC Bayern München bei Hannover 96 wurde diese Gier des Favoriten deutlich sichtbar.

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          Trotz der Tore von Joshua Kimmich nach nur 68 Sekunden, David Alaba, Serge Gnabry und eben Lewandowski war der sichere Sieger immer noch nicht satt. Sie rannten über die vollen 90 Minuten torhungrig an. Trainer Nico Kovac hatte im Vergleich zur Vorwoche ein wenig rotiert und mit Mats Hummels, Thiago sowie Kingsley Coman drei Reservisten in seine Anfangself befördert. Sie machten in Hannover schlichtweg ernst und bezauberten das Publikum. Ist also beim FC Bayern wieder alles ganz normal? „Sicherlich war die frühe Führung Glück für uns, aber insgesamt haben wir es sehr gut gemacht. Für diese Spielfreude hat meine Mannschaft ein ganz großes Lob verdient“, urteilte jedenfalls Kovac und fügte an: Vielleicht war es mit die beste Leistung in dieser Saison.“

          Immer wieder war dieser feine und zugleich eklatante Unterschied sichtbar geworden. Wenn es im Mittelfeld darum ging, auf den Beinen und mit dem Kopf schneller als der Gegenüber zu sein, traten mehrheitlich die Könner in den mintgrünen Trikots in Erscheinung. Vor allem der Spanier Thiago hatte trotz der winterlichen Temperaturen große Lust, so manches Tänzchen mit dem Ball zu zeigen. Er gab den Ton an und die Laufwege für die Kollegen vor. Hannover 96 konnte um seine Rolle als Gastgeber im Grunde nur bemitleidet werden.

          Wer mag es schon gerne, wenn es im eigenen, mit 49.000 Zuschauern ausverkauften Stadion fast gar nicht gelingt, das eigene Können unter Beweis zu stellen? Dem Angreifer Niclas Füllkrug war der Frust über einen Arbeitstag, an dem er seiner eigentlichen Arbeit so gut wie gar nicht nachgehen durfte, schon früh anzusehen. Er stand mit seinen Kollegen Spalier für ein bitteres Schützenfest, das bei einer konsequenteren Chancenverwertung der Münchner noch fataler hätten enden können.

          Das Erfolgserlebnis des FC Bayern blieb von so wenig Zweifeln und Gegenwehr begleitet, dass dieses kurze Gedankenspiel erlaubt sei. Wenn man also für einen kurzen Moment diesen starken Rivalen namens Borussia Dortmund und den großen Punkterückstand zum Spitzenreiter plus so manchen Münchner Patzer während der Hinrunde ausblenden würde – ja, dann wäre an der Spitze des deutschen Profifußballs eigentlich alles wie immer. Die Bayern spielen nämlich wieder mit jenem Selbstvertrauen auf, das den Gegner degradiert und entnervt.

          Dem Gegner den Ball vorenthalten und im Spielaufbau extrem virtuos agieren – genau dank dieser Dominanz, die den FC Bayern über Jahre die Liga beherrschen ließ, kam es zum neunten Saisonsieg. Er war im Grunde schon nach 68 Sekunden eine beschlossene und nicht mehr diskutable Angelegenheit.

          Nach langer Verletzung erstmals wieder in der Startaufstellung: Münchens Kingsley Coman (links) überzeugte gegen Hannover.

          Vieles sah an diesem 15. Spieltag der Bundesliga exakt so aus, wie man es vom amtierenden Meister gewohnt ist. Thomas Müller war es in seinem 300. Bundesligaspiel gelungen, mit einer unorthodoxen und doch artistischen Einlage das 1:0 vorzubereiten. Stürmer Lewandowski trat in so mancher Szene furchtbar selbstsicher bis egoistisch auf, weil er es sich eben einfach leisten kann. Es gab diese eine Szene Mitte der ersten Halbzeit, als sich Lewandowski und Serge Gnabry im gegnerischen Strafraum die Bälle zupassten, als sei gar keine feindliche Abwehr vorhanden. Und ganz weit weg vom Geschehen war da auch noch Torhüter Manuel Neuer, der vor der Frage stand, wie er diesen für ihn ereignisarmen Nachmittag ohne Erkältung übersteht.

          All das bildete den Rahmen für eine gnadenlose Bestandsaufnahme mit Blick auf Hannover. „Diese Niederlage war auch in der Höhe verdient. Besonders das erste Gegentor war zu einfach, die frühe Führung hat den Bayern Flügel verliehen“, sagte 96-Coach Breitenreiter. „Sie sind auch wieder in einer Topverfassung, aber wir haben uns auch zu wenig gewehrt." Die stark abstiegsgefährdeten Niedersachsen hatten am Ende großes Glück, mit lediglich vier Gegentoren in den Feierabend entlassen zu werden. Der mit dem 0:4 verbundene Absturz bis auf den letzten Tabellenplatz war aber auch schon Strafe genug.

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