https://www.faz.net/-gtm-9liyq

Fußball-Bundesliga : Gladbacher Scheidung

  • -Aktualisiert am

Strategische Entscheidung: Eberl (hinten) trennt sich von Hecking (vorne) – aber erst nach der Saison Bild: dpa

Eben noch ein Erfolgs-, nun schon ein Auslaufmodell: Borussia Mönchengladbach trennt sich von Trainer Hecking – aber erst nach der Saison. Sportdirektor Eberl nennt strategische Gründe.

          Max Eberl hat sich in den nunmehr zehneinhalb Jahren als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach einen Ruf als großer Freund, Unterstützer und Vertrauter seiner Chefcoaches gemacht. Gerne verweist er darauf, in dieser Zeit mit Michael Frontzeck und André Schubert nur zwei Trainer entlassen zu haben, insofern passt es, dass die am Dienstagnachmittag bekannt gemachte Trennung von Dieter Hecking nicht den üblichen Mechanismen folgt.

          Der 54 Jahre alte Westfale hat zwar in den jüngsten sieben Spielen mit seinem Team nur fünf Punkte erspielt, die Konsequenz erfolgt aber erst im Sommer. Obwohl es um richtig viel geht in den kommenden Wochen. Die Borussia werde die Zusammenarbeit „über das Ende der Saison 2018/19 hinaus nicht weiter fortsetzen und mit einem neuen Cheftrainer in die Saison 2019/20 gehen“, teilte der Klub mit.

          Strategische Entscheidung

          Eberl bezeichnete die Trennung als „strategische Entscheidung, die auf die Zukunft des Klubs ausgelegt“ sei. Sie habe „nichts mit der Aktualität zu tun“, erklärte der Sportdirektor an diesem Dienstag auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz des Klubs. Am Vortag war Eberl „zu Dieter nach Hause gefahren“, um ihm die Entscheidung zu übermitteln. Am Wochenende hatte die Borussia nach einer beschämend blutleeren Leistung 1:3 in Düsseldorf verloren.

          Damit endet eine Liaison, die gerade noch als großes Erfolgsmodell galt. Anfang Februar war die Borussia Tabellenzweiter, mancher Experte sinnierte über aufkeimende Meisterschaftsambitionen, Hecking galt gar als Kandidat für das Bundestraineramt. Immer wieder wiesen die Verantwortlichen auf die gute Facharbeit des Trainers hin, wenn nach den Gründen für die Erfolge gefragt wurde. Die Umstellung vom 4-2-3-1-System der zurückliegenden Jahre auf das 4-3-3 der Gegenwart galt als Schlüssel, Hecking war der Held.

          Auslaufmodell: Hecking ist nicht mehr lange Trainer bei Borussia Mönchengladbach.

          Nach dem gruseligen Spiel in Düsseldorf sagte Matthias Ginter nun: „Wir müssen uns neue Lösungen überlegen. Es funktioniert so nicht mehr mit dem, was wir in der Hinrunde gemacht haben.“ Diese Worte rütteln am Fundament dieser Arbeit, denn sie weisen auf einen Mangel an Flexibilität hin. Die meisten Teams sind schließlich problemlos in der Lage, ihre Systeme nicht nur von Saison zu Saison zu variieren, sie ändern Grundformationen und taktische Strategie mitunter mehrmals pro Spiel.

          Dieser Trend ist in Mönchengladbach nie so richtig angekommen, lediglich Schubert hat diese Arbeitsweise in Ansätzen praktiziert. Aber Hecking ist nicht alleine an diesen fachlichen Problemen gescheitert, vieles deutet darauf hin, dass die zurückliegenden Wochen, in denen die Borussia vom Tabellenzweiten und heimlichen Meisterschaftsaspiranten zum Verliererteam mit der Bilanz eines Absteigers wurde, auch Risse im sozialen Gefüge hinterlassen haben.

          Die Lustlosigkeit, mit der Thorgan Hazard zuletzt spielte, und Heckings Entschluss, den Belgier in Düsseldorf nach 41 Minuten auszuwechseln und ihn damit bloß zu stellen, wirkte wie ein Eklat, hinter dem sich noch andere Konflikte verbergen könnten. Interessant bleibt daher die Frage, ob die beschlossene, aber erst im Sommer zu vollziehende, Trennung dem dringend erforderlichen Erfolg zuträglich ist.

          Rose wird als Nachfolger gehandelt

          Zu den Inhalten der strategischen Neuausrichtung machte Eberl aber nur nebulöse Andeutungen, „es kann sein, dass es nicht nur den Trainer betrifft“, verriet er und räumte umgehend ein, dass diese Offenheit womöglich „ein Fehler“ gewesen sei. Fortan kann fröhlich spekuliert werden. Gerüchten zu Folge soll Eberl sich schon mit dem angeblich auch von Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg umworbenen Trainer Marco Rose von RB Salzburg einig sein. Er sei ja „nicht naiv“ und vollziehe so einen Schritt ohne Alternative „in der Hinterhand“, erklärte der Sportdirektor.

          Gut möglich ist, dass eine weitere verantwortliche Position im Umfeld des Teams geschaffen wird, ähnlich wie in Dortmund, wo Sebastian Kehl den neu geschaffenen Job als Leiter der Lizenzspielerabteilung übernommen hat. Die Vermutung, dass die zurückliegenden Wochen auch Risse im sozialen Gefüge hinterlassen haben, versuchten der Trainer und der Sportdirektor derweil zu entkräften. Niemand solle „reininterpretieren, dass es zwischen Mannschaft und Trainer nicht stimmt“, forderte Hecking, der Eberls Entscheidung als „Riesenenttäuschung“ empfunden hat. Kurz habe er überlegt zurückzutreten, doch nun ziehe er die Sache „bis zum bitteren Ende durch, und das bittere Ende soll süß sein“, sagte er.

          Eine Champions League-Teilnahme würde die Neuausrichtung erleichtern, sollte der Klub hingegen im dritten Jahr nacheinander nicht einmal die Europa League erreichen, geriete auch Eberl langsam unter Druck.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Feinde der Freiheit

          Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten könnte der schaurige Höhepunkt einer leider nicht beispiellosen Hetze in asozialen Netzen gewesen sein. Die Urheber sind Staatsfeinde. Sie müssen bekämpft werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.