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Party-Vorwurf in Corona-Krise : Laut Polizei floh Embolo über das Dach

Die Aussagen von Breel Embolo und der Polizei decken sich nicht vollständig. Bild: Picture-Alliance

Breel Embolo bestreitet, an einer illegalen Party teilgenommen zu haben. Nach den Vorwürfen trainiert der Gladbach-Profi wieder. Die Polizei indes schildert den Ablauf ihres Einsatzes und bringt Embolo in Erklärungsnot.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Der Fußballprofi Breel Embolo von Borussia Mönchengladbach ist nach Überzeugung der Essener Polizei nach einer illegalen Party am frühen Sonntagmorgen über ein Dach vor den Beamten geflohen. Embolo bestreitet, nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart an der Party teilgenommen zu haben. Er hatte am Montag bei Instagram bestätigt, dass seine Personalien von der Polizei aufgenommen worden sind. Allerdings sei er nicht bei der Party gewesen. Embolo betonte, er sei zu Gast bei einem Freund gewesen, um gemeinsam Basketball zu schauen. Die Polizei habe ihn daher in einer Wohnung angetroffen, die sich „im unmittelbaren Umfeld“ des Lokals befunden habe, in dem die Party stattfand.

          Bundesliga

          „Solange es kein anderes Ermittlungsergebnis gibt von der Polizei, glauben wir Breel Embolo“, sagte ein Vereinssprecher als Reaktion auf die neuen Informationen von der Polizei. Der Klub hatte bereits zuvor erklärt, Embolo habe glaubhaft versichert, nicht bei der Party gewesen zu sein. Trainer Marco Rose hatte gesagt, dass es „völlig sinnfrei“ sei, „am Samstagabend um 2.30 in der Pandemiezeit als Person der Öffentlichkeit mit dem Kumpel zu einem anderen Freund zu fahren. Schon in dem Moment habe ich eine Corona-Regel gebrochen.“

          Weiterhin betonte der Coach: „Im Optimalfall finden wir alle Mittel und Wege, die Wahrheit herauszubekommen. Ich glaube schon, dass das Breels Anwälte jetzt auch übernehmen werden.“ Unterstützung für Embolo gab es auch aus der Mannschaft. „Wir haben mit Breel gesprochen. Er hat uns versichert, dass er nicht bei der Party war“, sagte Mitspieler Christoph Kramer. Er sei einfach nur zur falschen Zeit in der Nähe des falschen Ortes gewesen, befand Kramer.

          Dass es grundsätzlich ein Fehler war, dort zu dieser Uhrzeit hinzufahren kurz nach und vor dem nächsten Bundesligaspiel machte sein Schweizer Nationalmannschaftskollege Yann Sommer deutlich und kündigte eine interne Auseinandersetzung mit Embolo an. „Er weiß selber, dass er da etwas gemacht hat, was nicht geht. Es ist nicht immer einfach, Vorbild zu sein. Ich war auch jung und habe Fehler gemacht. Wir werden hart mit ihm ins Gericht gehen als Mannschaft, aber wir werden ihn auch unterstützen“, sagte Borussias Torhüter.

          Ein Polizeisprecher schilderte den Ablauf am Mittwoch folgendermaßen: Beim Eintreffen der Polizei sei aus dem coronabedingt geschlossenen Lokal am Essener Baldeneysee eine Person durch ein Fenster aufs Dach geflohen. Die Person sei über das Dach zu einer angrenzenden Wohnung gerannt und habe die Wohnung durch ein weiteres Fenster betreten. Die Polizei habe sich Zutritt zu der Wohnung verschafft und dort eine einzelne Person angetroffen. Diese Person sei Embolo gewesen, sagte der Sprecher.

          „Er war allein in der Räumlichkeit“, sagte der Sprecher. Und es habe keine Möglichkeit gegeben, die Wohnung unerkannt zu verlassen, da der Komplex von der Polizei umstellt war. „Deshalb gehen wir davon aus, dass der Mann, der über das Dach geflohen ist, Embolo war.“ Laut der Polizeimitteilung vom Montag wurden bei der Party mit 23 Teilnehmern weder Abstände eingehalten noch Masken getragen. Nachbarn hatten wegen lauter Musik die Polizei gerufen. Keiner der Feiernden sei in Essen wohnhaft. Sie seien größtenteils aus dem Raum Düsseldorf, Köln und Stuttgart gekommen, so die Mitteilung. Alle 23 erhielten eine Anzeige und Platzverweise. Über den Ablauf hatte zunächst die „Bild“-Zeitung berichtet.

          Embolo nahm nach seiner Suspendierung für das Bundesligaspiel gegen Werder Bremen am Mittwoch wieder das Training auf. Der Klub hatte den 23-Jährigen als Vorsichtsmaßnahme aus dem Kader für das Spiel am Dienstagabend gestrichen, weil er am Wochenende gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen haben soll. Borussias Trainer Rose sieht für eine weitere Suspendierung im Topspiel gegen Borussia Dortmund am Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga, im ZDF und bei DAZN) keine Veranlassung. „Breel ist gegen den BVB dabei“, sagte der Coach.

          Weitere Konsequenzen für Embolo sind derzeit nicht absehbar. Eine Quarantäne für die Teilnehmer der Party sei nicht geplant, weil es keine Hinweise darauf gibt, dass einer der Partyteilnehmer Corona-positiv war, hieß es bei der Stadt. Den Personen, die bei der Party anwesend waren, droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren mit einem Bußgeld in Höhe von 250 Euro, und 500 Euro Strafe für den Veranstalter.

          Für den Klub ist es nach der Spuck-Attacke von Marcus Thuram vor einigen Wochen die zweite unschöne Geschichte eines Gladbacher Profis. Auch die mit einem strengen Hygienekonzept spielende Bundesliga kann solche Schlagzeilen in Zeiten der Pandemie nicht gebrauchen. Thuram bat für sein Vergehen um Entschuldigung und war mit einer Rekordstrafe im sechsstelligen Bereich belegt worden. Seine Sperre von fünf Spielen (plus eins auf Bewährung) ist abgelaufen. Somit könnten beide zuletzt gesperrten und suspendierten Profis im Westschlager gegen Dortmund am Freitag in die Startelf zurückkehren.

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