https://www.faz.net/-gtm-9toib

Niederlage bei Union Berlin : Spitzenreiter Gladbach bekommt seine Lektion

  • Aktualisiert am

So hatten sich die Gladbacher die Reise nach Berlin nicht vorgestellt. Bild: AFP

Aufsteiger Union gegen Tabellenführer Gladbach – eine klare Sache? Ganz und gar nicht. Zumindest nicht so, wie viele dachten. Berlin besiegt die Borussia. Die Spieler des Spitzenreiters üben danach Selbstkritik.

          3 Min.

          Marco Rose lauschte andächtig. Immer wieder nickte der Trainer von Borussia Mönchengladbach zustimmend und sog jedes Wort förmlich auf, das aus dem Mund des Mannes mit der bunt-karierten Schiebermütze kam. Denn wohl kaum einer kann besser erklären, wie man nach schweren Rückschlägen nicht den Kopf in den Sand steckt, als er: Steffen Baumgart, Coach des SC Paderborn. Genau das brauchte Rose auch nach der bitteren 0:2 (0:1)-Pleite bei Baumgarts Herzensklub Union Berlin.

          Bundesliga

          Länger unterhielten sich Rose und Union-Mitglied Baumgart, in dieser Saison mit dem SCP erst einmal siegreich, nach der Partie im Bauch des Stadions An der Alten Försterei. Worum es genau ging, ist nicht überliefert, aber der ein oder andere Spruch zum 3:3-Remis von Baumgarts Paderbornern bei Borussia Dortmund vom Freitagabend dürfte schon gefallen sein. Und hier liegt die Lektion, die Rose in Berlin-Köpenick so schmerzlich lernen musste: In der Bundesliga kann dieser Tage auch der unterlegenste Außenseiter den größten Favoriten verwunden.

          Roses Spieler reflektierten dies gleich nach Abpfiff selbstkritisch: „Es klingt blöd, aber es ist so: Du musst dir jedes Spiel Woche für Woche neu erarbeiten“, sagte Rio-Weltmeister Christoph Kramer: „Das haben wir gerade erst bei Dortmund gegen Paderborn gesehen. Du holst keinen einzigen Punkt mal eben im Vorbeifahren. Das gibt es nicht.“ Meister wird man so übrigens auch nicht. Auch nicht Herbstmeister, wobei Rose ja bereits die Unwichtigkeit dieses „Nicht-Titels“ herausgestellt hatte.

          Erstmal ist die Tabellenführung den Gladbachern noch sicher, aber nächste Woche kann jene schon weg sein. Es ist nur ein Punkt Vorsprung auf die zähnefletschende Konkurrenz. Zittern sie am Niederrhein nun also? Nein, sagte Mittelfeldspieler Florian Neuhaus, der das Union-Spiel nüchtern einordnete. „Das zeigt einfach, dass wir doch noch nicht so weit sind, wie wir teilweise beschrieben wurden. Wir konnten das schon realistisch einschätzen. Ich glaube aber auch, dass uns so ein Spiel nicht aus der Bahn wirft“, so der 22-Jährige.

          Zumal die Gladbacher nicht unbedingt bodenlos schlecht gespielt haben. Ein bisschen einfallslos in der Offensive waren sie schon, aber spielerisch war viel Gutes dabei. „Wenn du das Spiel verlierst, ist es nie schön. Aber ein Rückschlag heißt für mich, dass wir richtig schlecht spielen – und das haben wir nicht“, meinte auch Gladbach-Manager Max Eberl. Union verteidigte eben sehr konzentriert und schlug zweimal eiskalt durch Anthony Ujah (15.) und Sebastian Andersson (90.+1) zu.

          Besserung ist vor allem im Abschluss gefragt – und das schnell. Gleich am Donnerstag sollte das Rose-Team beim Wolfsberger AC lieber gewinnen, um im Rennen um die K.o.-Phase der Europa League gute Karten zu haben. Eingeschüchtert sind sie durch den kleinen Schluckauf in der Bundeshauptstadt nicht. „Das war ja auch nichts, wo man sich danach fragt: „Wie soll das denn in den nächsten Wochen weitergehen?“, sagte Kramer. Dass es immer irgendwie weitergeht, dürfte auch Baumgart seinem Kollegen Rose mitgegeben haben.

          Die ausgelassene Party vor der Waldtribüne dürfte für die Spieler von Union Berlin derweil so langsam Gewohnheit werden, mit den frenetischen Fans im Rücken hat das „gallische Dorf“ von der Spree das nächste Bundesliga-Schwergewicht aus dem Weg geräumt. Die Bilanz des eigentlich als chancenlos eingestuften Aufsteiger überrascht nach dem 2:0-Sieg gegen Spitzenreiter Mönchengladbach so ziemlich alle Experten. Zuletzt gab es drei Siege in Folge, dazu wurden Vize-Meister Borussia Dortmund, Stadtrivale Hertha BSC und jetzt Gladbach zu Hause bezwungen. Der BVB und die Fohlen wurden als aktueller Tabellenführer bezwungen – Eisern Union als Spitzenreiter-Schreck.

          Anthony Ujah traf zur Führung für Union Berlin gegen Gladbach.
          Anthony Ujah traf zur Führung für Union Berlin gegen Gladbach. : Bild: AFP

          Ein Schlüssel dafür ist zweifelsohne das Stadion An der Alten Försterei, dessen 22.012 Plätze jedes Mal ausverkauft sind und das auch in der Bundesliga wahrlich zur Festung wird. „Das spürt man dann schon“, sagte Trainer Urs Fischer: „Nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer. Diese Unterstützung, diese Wucht unseres Publikums: Egal wie der Spielstand steht – sie stehen zu uns.“ Es bewegt sich etwas in Köpenick, das ist nicht von der Hand zu weisen. Hatte die Fischer-Elf zu Saisonbeginn noch Probleme mit der Anpassung und kam daheim im ersten Spiel gegen RB Leipzig prompt mit 0:4 unter die Räder, kann davon nun keine Rede mehr sein.

          Der Schweizer Coach hat die Abwehr dichtgemacht. So dicht, dass auch Top-Teams nicht so einfach durchkommen. Vorne wird dann schnell gekontert. Hundertprozentig zufrieden war Fischer mit seiner Mannschaft trotz der Glanzleistung der Verteidigung um Routinier Neven Subotic aber auch nicht. „Rein fußballerisch fand ich es heute nicht so toll, aber es war effektiv. Das war ja auch unser Plan“, so Fischer, der nochmals auf das Saisonziel Klassenverbleib verwies. „Am Schluss haben wir ein Ziel, das wir erreichen wollen und wir brauchen Punkte, um dieses Ziel zu erreichen“, so der Trainer. Von utopischen Dingen, werden sie also nicht anfangen zu träumen. Sie gehen lieber in kleinen Schritten. So müsse sein Team „noch viel daran arbeiten, auch auswärts zu unseren Punkten zu kommen“, betonte Fischer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg an einem Covid-19-Patient.

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,6

          Das Robert Koch-Institut hat 1919 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1608 Ansteckungen gelegen. Bildungsministerin Anja Karliczek drängt auf Impfungen aus Solidarität mit Kindern und Jugendlichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.