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Posse um Trainer Marco Rose : Gladbacher Machtspiel mit verbohrten Fans

  • -Aktualisiert am

Im Fokus in Mönchengladbach. Noch-Trainer Marco Rose Bild: Picture-Alliance

Ein Teil der Anhänger veranstaltet ein ziemlich merkwürdiges Schauspiel, seit der Abgang von Marco Rose feststeht. Die Fans entziehen dem Team ihre Liebe und dringen auf eine Entlassung des Trainers.

          3 Min.

          Ein sanfter Anflug von Neid ergriff Marco Rose, als er am späten Samstagnachmittag die neuesten Erklärungen zur Mönchengladbacher Fußballkrise dieser Wochen liefern sollte. „Wir müssen nur zu unserem Gegner schauen, der in einer ähnlichen Situation steckte“, sagte der Trainer der Borussia vom Niederrhein. 1:0 hatte Bayer Leverkusen ein enges Spiel in Mönchengladbach gewonnen, woraufhin Rose eine „große Erleichterung, große Erlösung, viel Freude und wahrscheinlich sogar Lust aufs nächste Spiel“ bei den Angehörigen des Werks-klubs erkannt hatte.

          Bundesliga

          Wie gerne hätte auch er solch eine Befreiung erlebt. Aber der Champions-League-Achtelfinalteilnehmer von der niederländischen Grenze versinkt mehr und mehr in einem Gefühl der Schwere, das von ganz verschiedenen Seiten gespeist wird. Vordergründig fehlen Erfolgserlebnisse, fünf Pflichtspiele nacheinander hat die Mannschaft mittlerweile verloren. In der Bundesligatabelle ist sie in die zweite Hälfte abgestürzt. Es sei klar, dass „die Jungs anfangen nachzudenken“, sagte Rose. „Sie wollen unbedingt. Das führt dann hier und da auch zu leichter Verkrampfung.“

          Tatsächlich lässt sich wenig aussetzen an der Einsatzbereitschaft, mit der die Mannschaft spielt, es wird seriös und engagiert gearbeitet, die berühmten Basics sind da. Doch dort, wo Inspiration und Leichtigkeit gebraucht werden, blieben die Gladbacher abermals blass und matt, während der Leverkusener Patrik Schick in der Schlussphase einen hübschen Angriff mit dem 0:1 vollendete (77.).

          „Stimmung im Training wie immer“

          Marcus Thuram und Alassane Pléa, die in guten Phasen zuverlässig Tore und Chancen produziert hatten, wirken hingegen gehemmt. Im Falle von Thuram formulierte Rose die These, dass ihm zunehmend die Energien eines vollen Stadions fehlen. Während Sportdirektor Max Eberl auf eine unglückliche Korrelation zwischen den Vorgängen im eigenen Klub mit der Reihenfolge der Gegner hinwies.

          Nach acht Spielen mit sechs Siegen und zwei Unentschieden zum Jahresbeginn sei das Derby gegen Köln verlorengegangen, „dann haben wir den Wechsel von Marco Rose bekanntgemacht, und dann kam der Spielplan mit extrem schwierigen Gegnern“. Der im Sommer bevorstehende Abschied des Trainers zu Borussia Dortmund bleibt ungeachtet aller Deeskalationsmaßnahmen ein schwer berechenbarer Unruheherd.

          Rose versicherte zwar, dass im Alltag auch weiterhin alle Beteiligten „so miteinander umgehen wie immer“ und dass „die Stimmung im Training so ist wie immer“. Zugleich räumte er ein, dass „Unterstützung von allen Seiten in einer schwierigen Phase wichtig ist und guttut.“ Doch ein Teil der Fans veranstaltet ein ziemlich merkwürdiges Dekonstruktions-Schauspiel, seit der Trainerwechsel feststeht.

          Nachdem die üblichen Empörungswellen durch die sozialen Netzwerke geschwappt sind, hatte nun Thomas Ludwig, der Chef des Gladbacher Fanclub-Verbandes, in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ eine emotionale Abkehr der Anhänger angekündigt. „Wir sagen nicht, dass Marco Rose sofort vom Hof gejagt werden muss“, erklärte er. „Wir als Fanszene sagen nur, dass wir uns nicht mehr damit identifizieren können, dass Marco Rose bei uns auf der Bank sitzt.“

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