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Gladbacher 0:6-Debakel : Seltsames Team in Erklärungsnot

  • -Aktualisiert am

Was stimmt nicht bei Borussia Mönchengladbach? Bild: EPA

In Gladbach ist der Trainer traditionell stark. Dass sich der Blick nach dem 0:6 auf die Mannschaft richtet, hat noch einen anderen Grund. Die Eindrücke der letzten Monate ergeben ein ungünstiges Bild.

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          Max Eberl ist ein lebensfroher Mensch, der wahrlich nicht dazu neigt, in Trübsinn zu verfallen. Dass der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach nach dem furchtbaren 0:6 gegen den SC Freiburg ein Lächeln auf den Lippen trug, als amüsiere ihn die Beteiligung an diesem Rekordspiel, wirkte dann aber doch etwas merkwürdig.

          Bundesliga

          Zum ersten Mal überhaupt lag eine Heimmannschaft in der Bundesliga nach 25 Minuten 0:5 in Rückstand, nie zuvor hat der SC Freiburg in einem Spiel der höchsten Spielklasse sechs Tore erzielt. Außerdem gab es zum ersten Mal überhaupt in einer Halbzeit sechs verschiedene Torschützen eines Teams. Vielleicht grinste Eberl, weil er die Vorkommnisse, die nicht nur er als „surreal“ empfunden hatte, immer noch nicht richtig fassen konnte. Vielleicht aber auch, weil sofort die üblichen Mechanismen in Gang gerieten, über die sie in Mönchengladbach traditionell nur müde lächeln.

          Ob nun mit Konsequenzen zu rechnen sei, wurde er gefragt, und Eberl antwortete, wie zu erwarten war: „Wenn wir im Fußball dahin kommen, dass man zwei Spiele verliert und dann generelle Fragen gestellt werden oder angedeutet werden, dann kann ich mich damit nicht identifizieren. Denn man entscheidet sich für etwas, und da heißt es, durch dick und dünn zu gehen und nicht sofort die Entscheidung zu nehmen, irgendwas muss verändert werden.“ Der Trainer Adi Hütter muss also vorerst nicht um seinen Job fürchten. Weil die Borussia ein Klub ist, in dem Trainer immer eine besonders starke Position einnehmen, und sicher auch, weil die Probleme dieses Teams schon vor Hütters erstem Arbeitstag bekannt waren.

          Irgendetwas stimmt nicht

          Die Borussia ist eine Mannschaft, die schon länger namhafte Gegner braucht, um richtig gut zu spielen. In der vergangenen Champions-League-Saison verzauberten die Gladbacher ihre Fans mit beeindruckenden Spielen gegen Inter Mailand, Real Madrid und Manchester City. Im laufenden Spieljahr gab es das 5:0-Spektakel im Pokal gegen den FC Bayern sowie einen Sieg gegen den BVB, das Gesamtergebnis ist jedoch ernüchternd. Im Vorjahr wurde die Qualifikation für einen Europapokal verpasst, derzeit steht der Klub auf dem 13. Tabellenplatz, gefährlich nahe an der Abstiegszone.

          Das Wissen, dass auch Marco Rose in der ersten Jahreshälfte im Umgang mit den Leistungsschwankungen hilflos war, führt ziemlich direkt zu den Spielern und dem Klima in der Gruppe. Als am Sonntag Tor um Tor fiel, da brüllte Matthias Ginter, auch Yann Sommer versuchte seine Kollegen mit ein paar Kommandos aufzurütteln, und doch schien jeder den immer konkreter werdenden Untergang irgendwie für sich allein zu verarbeiten. Eine Gruppe von Einzelkämpfern ist nun einmal chancenlos in der Bundesliga.

          Es ist schwer, von außen in die Kabine zu schauen, in ihrer Gesamtheit ergeben die vielen kleinen Eindrücke der vergangenen zehn Monate jedoch das Bild von einem Team, das nicht immer mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Beobachter spekulieren schon länger, ob die ungeklärte Zukunft von Spielern, deren Verträge auslaufen, belastend wirkt. Womöglich hat auch die Identifikation einiger Profis mit ihrem Klub gelitten, weil der Höhenflug durch die Champions League Hoffnungen auf Wechsel zu größeren Vereinen schürte.

          Ist also die Mentalität des Teams ungeeignet für die Herausforderungen einer langen Bundesligasaison? Was ist mit dem Mannschaftsgeist? Allein die Tatsache, dass solche Fragen gestellt werden, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Probleme komplex sind. Selbst für Trainer Hütter war dieser Abend der kollektiven Selbstaufgabe „unerklärlich“. Klar ist nur eines: Irgendetwas stimmt nicht mit diesem seltsamen Team.

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