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Borussia leidet in Leverkusen : Ein Spiel wird zur Gladbacher Horrorshow

  • -Aktualisiert am

Das tut weh: Leverkusens Bakker foult Gladbachs Lainer schwerwiegend. Bild: AFP

Die Fußballkünstler aus Leverkusen belohnen sich mit einem 4:0 – sehr zum Gladbacher Leidwesen. Die Borussia hat nicht nur mit dem Ergebnis zu kämpfen. Max Eberl schimpft über ein „böses Foul“.

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          Kontrastprogramme im Fußball haben auch ihren Reiz. Wenn die einen vor Spiellust bersten und die anderen alles vergessen haben, was sie noch vor einer Woche ausgezeichnet hat, kann daraus ein Duell werden, über das die Sieger staunen und die Verlierer sich nur wundern können.

          Bundesliga

          Aus einem vermeintlich gleichwertigen Spitzenspiel zweier meistens gleichwertiger Rivalen wurde am Samstagabend einerseits eine faszinierend leuchtende Demonstration der reichhaltigen Möglichkeiten von Bayer 04 Leverkusen und andererseits eine Horrorshow, wie sie Borussia Mönchengladbach lange nicht mehr erlebt hat. Die höchst unterschiedlichen Gefühlswelten, die die rheinischen Rivalen durchlebten, kennzeichneten zwei Äußerungen aus dem Lager der mit 4:0 siegreichen Werkself und aus den Reihen der tief getroffenen Elf vom Niederrhein.

          Lukas Hradecky, der neue Kapitän von Bayer 04, kleidete sein Hochgefühl in den emotional gefärbten Satz: „Ich habe mich neu in den Fußball verliebt.“ Max Eberl dagegen, der Sportdirektor der Borussia, kommentierte den zweiten Auftritt der Gladbacher in dieser Bundesligasaison nach dem respektablen 1:1 gegen den Meister FC Bayern München aus der Tiefe seines Herzens: „Es gibt so Tage, da wäre man am liebsten zu Hause geblieben. Es ist heute alles schiefgelaufen, was schiefgehen kann.“

          Stindl verschießt Elfmeter

          Wohl wahr! Das Malheur in der BayArena begann schon nach 132 Sekunden, als der neue Leverkusener Linksverteidiger Bakker einfach mal einen Schuss aus dem Hinterhalt riskierte, der flach gegen den rechten Pfosten prallte, von da gegen den Knöchel von Torwart Sommer und von dort zurück ins Gladbacher Tor. Der Mönchengladbacher Tag unter dem Motto Pleiten, Pech und Pannen fing mit einem Billard-Eigentor an und endete mit dem Schuss von Amiri, den Sommer zum 0:4 ins eigene Netz lenkte (87. Minute).

          Dazwischen lieferte der tschechische Mittelstürmer Schick, der bei der Europameisterschaft im Juni und Juli fünf Treffer für sein Heimatland erzielt hat, eine Probe seiner erlesenen Schusstechnik, als er mit einem Schlenzer das 2:0 schoss (8.). Schon da schien das Spiel so gut wie vorbei für die gegen die Leverkusener Power wehrlosen Mönchengladbacher, die kurz vor der Pause eine große Gelegenheit, dem Spiel eine Wende zu geben, vertaten.

          Kapitän Stindl, in der Vergangenheit ein sicherer Elfmeterschütze, scheiterte nach Bakkers rüdem Foul an dem mit einem Knöchelbruch vom Platz humpelnden Lainer, weil Hradecky auf dem Quivive war und den halbherzigen Flachschuss parierte. Diaby, der quirligste unter lauter Leverkusener Sprintern, schoss danach unter gütiger Mithilfe des Gladbachers Bensebaini, der den Schuss ins eigene Tor lenkte, das 3:0 (55.), ehe der eingewechselte Amiri noch Sommers seit langem schwächsten Tag zum letzten Tor eines bunten Leverkusener Abends nutzte.

          Es war an Gerardo Seoane, dem neuen schweizerischen Trainer des seine Freude am Fußball auslebenden Bayer-Ensembles, den Mehrwert dieses für ihn und vor allem den Großteil der 15.505 Zuschauer in der unter Corona-Bedingungen ausverkauften BayArena in lobende und fordernde Worte zu verpacken: „Wir waren von Anfang an sehr, sehr griffig und präsent, zudem waren wir sehr effizient“, beschrieb er die bezwingende Dramaturgie des Leverkusener Auftritts. „Das Spiel kann als Messlatte gelten, weil die Mannschaft sehr solidarisch aufgetreten ist. Ich habe eine tolle Energie gespürt.“

          Die sich sogleich auf die Ränge übertrug, auf denen ohne die in ihren eigenen Ritualen lebenden Ultras, die noch nicht wieder in voller Mannschaftsstärke in die Bundesliga-Arenen zurückgekehrt sind, so etwas wie eine natürliche Begeisterung spürbar wurde. Selten haben die schon in der Vergangenheit stets hochtalentierten Leverkusener Fußballkünstler mit einer solchen Leidenschaft wie am Samstag derart gemeinsam nach dem Erfolg getrachtet.

          Leverkusen hatte einigen Spaß am Duell mit Gladbach.
          Leverkusen hatte einigen Spaß am Duell mit Gladbach. : Bild: AFP

          Auf der anderen Seite sah Trainer Adi Hütter, wie sein Kollege Seoane vor dem Wechsel in die Bundesliga ein Meistertrainer der Young Boys Bern, das zweite Gesicht seiner Mannschaft, die nach der vielversprechenden Ouvertüre gegen die Bayern nicht die Kraft aufbrachte, sich dem Strudel unglückseliger Ereignisse in den Weg zu stellen.

          Das war aber auch irgendwo verständlich, da die Gladbacher Fracht nicht nur durch die kuriosen Gegentore, sondern auch durch Verletzungen wie die von Lainer, der lange fehlen wird, wie die Knieblessuren der beiden französischen Angreifer Thuram und Pléa immer schwerer wurde. Vor allem Bakkers Attacke auf Lainer erzürnte Eberl, der zu Recht von einem „bösen Foul“ sprach, das Schiedsrichter Aytekin mit der Gelben Karte zu mild bestrafte. „Die Verletzungen“, resümierte Hütter, „sind sehr unangenehm, weil sie möglicherweise schwerer sind. Dann kommt so ein Tag heraus, der zum Vergessen ist.“ Wenn das so einfach wäre!

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