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2:2 gegen Wolfsburg : Trauer und Freude in Mönchengladbach

  • -Aktualisiert am

Einer gegen alle: Gladbach-Torwart gegen Wolfsbugr und den Schiedsrichter. Bild: dpa

Der Jubel war groß, doch der vermeintliche Siegtreffer in letzter Minute fand keine Anerkennung. Auch wenn es am Ende „nur“ 2:2 gegen Wolfsburg heißt, überwiegt bei der Borussia die Erleichterung.

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          Auf seltsame Art und Weise passte der plötzliche Ausbruch wilder Gefühle, der sich am Samstagnachmittag um kurz vor halb fünf im Borussia-Park ereignete, ganz gut zu den emotionalen Wirrungen, von denen die Angehörigen des Mönchengladbacher Bundesligaklubs in diesen Wochen erschüttert werden. Mitten in einem unerwarteten Abstiegskampf waren dem Rücktritt des Sportdirektors Max Eberl in der vergangenen Woche ein Krieg in Europa sowie ein tödlicher Verkehrsunfall des U-23-Profis Jordi Bongard gefolgt.

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          Regelmäßig waren in der Kabine Tränen geflossen, und nun stürzten die Spieler ungeachtet ihrer Ängste und Trauer in einem wilden Freudentaumel übereinander, weil Matthias Ginter den Ball in der Nachspielzeit ins Tor des VfL Wolfsburg geschossen hatte. „Das tat gut“, sagte der Verteidiger Jordan Bayer, der den verunglückten Bongard aus gemeinsamen Zeiten im Nachwuchsleistungszentrum „Fohlenstall“ kannte. „Das war total emotional nach dieser schwierigen Phase.“

          Der vermeintliche Treffer wurde zwar wenige Augenblicke später nach einem Hinweis des Videoassistenten wegen eines vorausgegangenen Fouls von Patrick Herrmann an Jerome Roussillon annulliert, die Borussia musste sich doch mit einem 2:2 begnügen. Aber offenbar taten diese kurzen Sekunden der puren Freude am Ende eines tollen Fußballspiels trotzdem gut. Dabei hätten die gebeutelten Gladbacher auch verärgert sein können, weil ihnen der Siegtreffer abhanden gekommen war und Trainer Adi Hütter den Eingriff des VAR „diskussionswürdig“ fand.

          „Attraktives, hochklassiges Spiel“

          Sie hätten sich über die vielen vergebenen Chancen grämen können oder über ungelöste Probleme beim Verteidigen. An diesem Tag stellten sie jedoch lieber die positiven Facetten der Partie in den Vordergrund. Sie labten sich an dem erhebenden Gefühl, einen 0:2-Rückstand aufgeholt zu haben und genossen die Gelegenheit, sich wenigstens für einige Stunden mit den banalen Themen zu zerstreuen, die so ein ereignisreiches Fußballspektakel eben aufwirft.

          In der Offensive gelangen immer wieder wunderbare Spielzüge, so dass Hütter später auf ein „attraktives, hochklassiges Spiel“ zurückblicken konnte. Der Krisenstürmer Marcus Thuram köpfte sein erstes Saisontor (42. Minute), und Breel Embolo traf erstmals im Jahr 2022 (82.). Und dann gab es da noch eine ganze Reihe schwieriger Schiedsrichterentscheidungen, die aber niemanden ernsthaft erzürnten und eher den Charakter einer zusätzlichen Würze hatten.

          Schon vor dem zurückgenommenen Siegtor der Borussia hatte Maxence Lacroix nach einem absichtlichen Handspiel eine Rote Karte gesehen (70.), über die später diskutiert wurde, weil der Wolfsburger womöglich zuvor selbst gefoult worden war. Und nicht zuletzt ging es um die Frage, ob ein klares Foul im Strafraum auch dann zu einem Elfmeter führen muss, wenn der gefoulte Spieler weiterläuft, ohne sofort hinzufallen.

          Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt meinte: Ja, „das ist ein klarer Elfmeter“, die Entscheidung des Assistenten vor den Bildschirmen, in der 66. Minute nach einem Tritt von Manu Koné gegen das Bein von Max Kruse nicht einzugreifen, sei „absurd“. Doch scheinbar folgen die deutschen Schiedsrichter in dieser Saison dem Vorsatz, weiterlaufen zu lassen, wenn ein Spieler seine Aktion trotz eines Kontaktes fortsetzt.

          So jedenfalls hatte der Spielleiter Tobias Reichel die Entscheidung seines Gespanns gegenüber Kohfeldt erklärt. „Das kann ja nicht der Fairplay-Gedanke sein, dass ich da direkt hinfalle. Dann muss ich einfach immer direkt fallen“, sagte Kruse, der sich fragte „was die da im Keller machen“. Denn in der Konsequenz führt die Regelauslegung dieses Tages dazu, dass sich Spieler bei Kontakten lieber sofort fallen lassen, weil sie ansonsten auch berechtigte Elfmeter oder Freistöße nicht erhalten.

          Aber echter Ärger entstand an diesem Tag weder aus dieser Szene, noch aus dem aberkannten Siegtor in der Nachspielzeit, weil alle Beteiligten sich einfach über exzellente Bundesligaunterhaltung freuen konnten. Und dazu trug auch die weiterhin recht instabile Mönchengladbacher Defensive bei, die individuell eigentlich stark besetzt ist.

          Bei beiden Wolfsburger Toren durch Jonas Wind (5.) und Sebastiaan Bornauw (33.) war vor allen Dingen der Nationalspieler Matthias Ginter nicht aufmerksam genug gewesen. „Die beiden Gegentore gehen in der Art nicht“, sagte Hütter, bevor er dann schnell wieder die erfreulichen Aspekte in den Vordergrund stellte: Der in der ersten Saisonhälfte schwache Alassane Pléa kommt immer besser in Form, und Thurams gute und mit einem Tor veredelte Leistung werde dem Franzosen „gut tun“, erklärte Hütter, der sein Team besonders dafür lobte, sich „über 90 Minuten gewehrt“ zu haben.

          Nun stehen Abstiegsduelle in Stuttgart, gegen Hertha BSC sowie in Bochum bevor, in denen die Borussia sich aus dem Abstiegskampf befreien kann. Beim nächsten Heimspiel werden dann auch in Mönchengladbach wieder 25 000 Menschen ins Stadion dürfen, die Aussichten auf mehr gute Fußballzerstreuung am Ende eines bedrückenden Winters sind nicht schlecht am Niederrhein.

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