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Geschäftsmodelle im Fußball : Gleichmacherei oder finanzielles Fairplay?

  • -Aktualisiert am

Christian Seifert: „Es geht hier nicht um Deutschland gegen England” Bild: picture-alliance/ dpa

Bei einer Diskussionsrunde in Zürich ist über die fehlende Balance in Europas Fußballligen und ein gemeinsames Lizenzierungssystem gesprochen worden. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert stellte die Seriosität des englischen Geschäftsmodells in Frage.

          Neun der zwölf Halbfinalteilnehmer der vergangenen drei Champions-League-Spielzeiten kamen aus der Premier League. Da war es für die Konkurrenz aus Resteuropa fast schon tröstlich, dass mit Manchester United nur ein Klub aus der englischen Fußball-Plutokratie den Titel in der „Königsklasse“ eroberte.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Inzwischen wird jedoch immer deutlicher auch die kritische Frage nach dem hohen Preis für so viel Ehr' gestellt. Zuletzt am Montag in der International Football Arena (IFA), einem global vernetzten und in der Schweiz gegründeten Diskussionsforum. In Rüschlikon bei Zürich ging es dabei unter anderem um das Thema „Fehlende Balance in Europas Ligen: Sind Regulierungen der Schlüssel, ein Gleichgewicht herzustellen?“

          Die Faktenlage und die Kraft der Argumente

          Unter diesen Umständen verstand es sich fast von selbst, dass die Premier League, die seit Jahren schwerreiche Investoren anlockt und als Geldmaschine gilt, im Gottlieb-Duttweiler-Institut oberhalb des Zürichsees ein Auswärtsspiel hatte. So wie William Bush, der Premier-League-Direktor für öffentliche Politik und Kommunikation, während der Gesprächsrunde mit den Liga-Spitzen aus Deutschland, Spanien und den Niederlanden debattierte, verlor der Marktführer diese diskursive Partie deutlich.

          Nach allem, was die Faktenlage und die Kraft der Argumente hergaben, durften sich nach knapp neunzig Minuten Diskussion Christian Seifert, der vorsitzende Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Francisco Roca, der Management-Direktor der Primera División, und Hans Rutten, der Geschäftsführer der Ehrendivision, in ihren Forderungen bestätigt sehen – zumal die drei Herren auch noch Flankenschutz von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bekamen, die Alex Phillips, ihren „Außenminister“, nach Zürich geschickt hatte.

          „Wir brauchen mehr seriöses Handeln“

          Während Bush aus der Defensive nur zu gelegentlichen Konterattacken kam und eine Art sozialistisches Gespensterszenarium malte („Uns droht Gleichmacherei, wenn wir damit anfangen, alles regulieren zu wollen“), gingen Seifert und Roca flott zur Attacke über. Vor allem der Deutsche vermied es geschickt, sich auf eine Neiddiskussion („Es geht hier nicht um Deutschland gegen England“) einzulassen, vielmehr stellte er die Seriosität des englischen Geschäftsmodells in Frage. „Im letzten Champions-League-Halbfinale (mit drei englischen Klubs) standen eineinhalb Milliarden Euro Schulden auf dem Platz. Es wäre vielleicht besser, wenn nur 500 Millionen Schulden auf dem Platz stünden. Die sportliche und finanzielle Macht der Premier League ist groß genug, um sich das leisten zu können.“

          Was den Badener fuchst, ist, dass die Premier League mit einem Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro rund eine Milliarde Euro mehr als die in der Champions League seit langem nicht mehr titelreife, dafür aber gesunde Bundesliga (470 Millionen Euro an Verbindlichkeiten) einspielt und es trotzdem nicht schafft, Einnahmen und Ausgaben in ein ökonomisch nachvollziehbares Verhältnis zu setzen. „Wir brauchen“, sagte er, „mehr seriöses Handeln, ich habe das Gefühl, dass sich der europäische Fußball in die falsche Richtung bewegt. Der Sport muss zwar aufregend bleiben, aber dazu gehören auch rational nachvollziehbare finanzielle Kriterien.“

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