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Fußball-Bundesliga : Hoffenheim denkt groß – mit Flick

Ein „wichtiger Meilenstein“: Dietmar Hopp (links) und Hansi Flick. Bild: dpa

Für die Rückkehr von Hansi Flick nach Hoffenheim bedarf es einiger Verrenkungen im Personaltableau. Darüber hinaus ist diese neue, für fünf Jahre geschlossene Verbindung ein ziemlich spannendes Projekt.

          Diese Personalie war Chefsache. Dietmar Hopp ließ es sich nicht nehmen, die Präsentation seines neuen Geschäftsführers Sport persönlich vorzunehmen. Kaum hatte er Platz genommen auf dem Pressepodium der TSG Hoffenheim im Trainingszentrum in Zuzenhausen, sprach er von einem „bedeutenden Tag für die TSG“ und einem „wichtigen Meilenstein“. Da war schon klar: In Hoffenheim wird groß gedacht. In den knapp 20 Minuten, die Hopp am Mittwoch redete, bevor der neue Mann, Hans-Dieter Flick, zu Wort kam, skizzierte er das Bild eines Vereins in „Aufbruchstimmung“, wie er sagte.

          Und der im Kleinen nach dem Vorbild des großen SAP-Konzerns funktionieren soll, den Hopp mitbegründet hat und der nun der TSG als wichtiger Partner verbunden ist. Zusammen mit dem Softwareunternehmen will der Fußball-Bundesligaklub ein Innovator in Sachen Big Data, Hightech und Digitalisierung sein – und daraus auch über die eigenen sportlichen Zwecke hinaus Kapital schlagen. Ziel, so Hopp, sei es, „gemeinsam mit SAP Projekte weltweit zu realisieren“ und dadurch „neue Erlösquellen“ zu erschließen, mit deren Hilfe sich die TSG „auf hohem Niveau stabilisieren“ könne.

          Dafür will der Mäzen und Gesellschafter den Klub auch personell bestmöglich aufgestellt wissen. Als sich die Möglichkeit bot, Flick zurückzuholen – er hatte von 2000 bis 2005 dort als Trainer gearbeitet –, griff Hopp entschlossen zu. Einen Fachmann wie ihn, noch dazu verwurzelt in der Region und ein ausgewiesener Teamplayer – den durften sich Hopp und die TSG einfach nicht entgehen lassen. Auch wenn das einiger Verrenkungen im Personaltableau bedurfte.

          Dass Flick nun einen guten Teil der bisherigen Kompetenzen seines Geschäftsführer-Kollegen Peter Görlich übernimmt, soll dem nur mit etwas Mühe schmackhaft gemacht worden sein – Görlich verantwortet jetzt die Zukunftsprojekte. Und auch Sportdirektor Alexander Rosen, heißt es, sei nicht gleich begeistert gewesen, einen derart starken Mann vor die Nase gesetzt zu bekommen – eine Verlängerung bis 2020 signalisierte aber auch Rosen Vertrauen und Loyalität.

          Jenseits derlei hierarchischer und struktureller Fragen, die von den Beteiligten naturgemäß als zu vernachlässigen deklariert wurden, ist diese neue, für fünf Jahre geschlossene Verbindung Flicks mit der TSG ein ziemlich spannendes Projekt. Als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte Flick es sich zur Aufgabe gemacht, über die Talente aller Altersklassen im Bilde zu sein. Dieses Wissen samt Kontakten könnte sich für die TSG als Schatz erweisen – vielleicht schon, wer weiß, wenn es um eine Ausleihe von Serge Gnabry vom FC Bayern geht. Flick wollte das nicht kommentieren, aber sein gutes Verhältnis zu dem Angreifer ist bekannt. Überdies war Flick auch schon zu DFB-Zeiten am Puls der Zeit, was technische und methodische Innovationen in der Ausbildung betrifft.

          Überraschend deutlich brachte er am Mittwoch zum Ausdruck, dass die Entscheidungsprozesse beim DFB ihn doch etwas zermürbt hatten. Dort sei manches „etwas zäher als bei einem Verein“ und „sehr politisch“ gewesen – und er selbst „zu weit weg von den Talenten und vom Sport“. Insofern ist Hoffenheim für den 52-Jährigen in doppelter Hinsicht eine naheliegende Lösung: Was den Wohnort Bammental betrifft, wo er mit seiner Frau ein Sportgeschäft betreibt. Aber auch, was die Umsetzung von Ideen angeht, die bei der TSG auf deutlich kürzerem Weg gelingen dürfte. Etwas spöttisch könnte man es auch so betrachten: Anders als der DFB hat Flick seine Akademie jetzt schon.

          Zuletzt war Flick Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund.

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