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Gerhard Schröder : Putin, Trump und Hannover 96

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„Es gibt keinen Widerspruch zwischen Kontrolle und perspektivischer Arbeit“: Gerhard Schröder. Bild: dpa

Der Zweitligaklub stellt einen prominenten Zugang vor. Für Hannover 96 soll der Bundeskanzler a.D. das neue Zugpferd mit offiziellem Posten werden. Zum Start gibt es gleich eine muntere Plauderstunde.

          Sein Ansatz klingt so nett und freundschaftlich. „Ich helfe sehr gerne“, sagt Gerhard Schröder über seine neue Aufgabe, die lustig klingt, aber auch viele Fragen aufwirft. Der Bundeskanzler a.D. ist seit Jahrzehnten bekennender Fan von Hannover 96 und seit Dezember 2016 auch Aufsichtsratsvorsitzender bei dem Fußball-Zweitligaklub. Schröder ist mit 96-Boss Martin Kind befreundet und dessen Tennispartner.

          Wie es in dieser Konstellation gelingen soll, komplexe Dinge kritisch zu prüfen, scheint in Hannover von zweitrangiger Bedeutung zu sein. „Es gibt keinen Widerspruch zwischen Kontrolle und perspektivischer Arbeit“, findet Schröder. Angesichts des komplizierten Firmengeflechts, das Kind rund um den Sportverein Hannover 96 aufgebaut hat, kann ein Kontrollgremium eigentlich nicht über Langeweile klagen.

          Sein erster öffentlicher Auftritt an der Seite von Kind als 96-Kontrolleur war eine muntere Plauderstunde über Fußball, Putin, Trump und vieles mehr. Schröder spielte am Montagvormittag im Untergeschoss des Stadions am Maschsee wieder einmal mit seiner früheren Rolle als passabler Bezirksliga-Mittelstürmer. Auf lange Sicht wünscht sich der 72 Jahre alte Hannoveraner, dass sich 96 in der ersten Liga etabliert. Gegen europäischen Lorbeer, den sich die Niedersachsen auf lange Sicht erwerben könnten, hätte Schröder auch nichts einzuwenden.

          Mit konkreten sportlichen Einschätzungen wollte er sich auf Grund seines Mangels an echter Fußball-Kompetenz lieber zurückhalten. Je mehr er über den Verein sprach, in dessen Stadion er bisher als Fan eine eigene Loge gemietet hat, desto merkwürdiger wirkte sein Spagat. Einerseits Nähe zu pflegen und andererseits mit der nötigen Distanz zu hinterfragen – das dürfte selbst für einen erfahrenen Politiker wie Schröder eine interessante Aufgabe werden.

          Auch in seiner Zeit als Bundeskanzler trat er gerne gegen den Ball.

          Wenn Schröder gerade nicht Tennis spielt oder an Hannover 96 Freude hat, ist er als Anwalt und Berater tätig. Zuletzt gab es für ihn im Schlichtungsverfahren bezüglich der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann eine führende Rolle. Am Sonntag reist er nach Berlin, um als Ehrengast mitzuerleben, wen die SPD als Kanzlerkandidat benennt. Zum Start in die neue Woche war genügend Zeit, um sich als Zugpferd von Hannover 96 eingespannt zu zeigen. „Dass Herr Schröder unseren Aufsichtsrat anführt, hat eine ganz besondere Wirkung“, sagte Vereinschef Kind. Er hofft auf die Sogwirkung von Schröder und Vorteile aus dessen Netzwerk, das von Hannover mindestens bis nach Russland reicht.

          Der mediale Andrang rund um den Schulterschluss von Schröder und Kind war so groß, als habe Hannover 96 die Rückkehr in die Bundesliga bereits geschafft. Die Niedersachsen streiten vor allem mit Herbstmeister Eintracht Braunschweig und dem VfB Stuttgart um die Vorherrschaft in der zweiten Liga. Mit Schröder haben sie sich in der Winterpause einen Zugang gesichert, der bundesweit aufhorchen lässt. Sein erster Aufruf an niedersächsische Unternehmen, Hannover 96 künftig bitteschön stärker zu unterstützen, ist nach eigenen Angaben bisher ergebnislos verhallt.

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